ihren Brüsten zu belegen und nachmals mit dem Feuer vom Leben zum Tode zu bringen sei . Dieweil wir aber , in Betrachtung ihres Alters sie mit den Zangenrissen aus Gnaden zu verschonen gewilliget , als soll sie nur durch die einfache Feuerstraf vom Leben zum Tode gebracht werden . Inmaßen sie denn dazu hiemit condemniret und verurtheilt wird . Von peinlichen Rechts wegen . Publicatum Pudgla zu Schloß den 30sten mensis Augusti anno salutis 16303 . Als er das letzte Wort ausgesprochen , zerbrach er seinen Stab und warf meinem unschuldigen Lämmelein die Stücken vor ihre Füße , indem er zu dem Büttel sprach : jetzt thut Eure Schuldigkeit ! Aber es stürzeten so viel Menschen beides Männer und Weiber auf die Erde , um die Stücken des Stabs zu greifen ( dieweil es gut sein soll vor die reißende Gicht item vor das Vieh wenn es Läuse hat ) daß der Büttel über ein Weibsbild zu Boden fiel , so vor ihm auf den Knieen lag , und ihm also auch von dem gerechten Gott sein naher Tod vorgebildet wurde . Solches beschahe auch dem Amtshaubtmann jetzunder zum andern Mal ; denn da das Gerichte nunmehro aufstand und Tische , Stühle und Bänke umbwarf , fiel ihm ein Tisch , dieweil ein Paar Jungen darunter saßen , so sich um den Stab schlugen , also auf seinen Fuß , daß er in großen Zorn gerieth , und dem Volk mit der Faust dräuete , daß Jeder sölle 50 Arschprügel haben , beides Männer und Weiber , so sie nicht augenblicklich geruhsam wären und aus der Stuben gingen . Solches setzte eine Furcht , und nachdem sich das Volk auf die Straße verlaufen , zog der Büttel ein Seil aus seiner Taschen , womit er meim Lämmelein also ihre Hände auf den Rücken zusammenbande , daß sie laut zu schreien begunnte ; aber dieweil sie sahe , wie es mich wieder an mein Herze stieß , sich alsofort begriff und sprach : » ach Vater bedenket , daß es dem lieben Heiland auch nicht besser ergangen ! « Dieweil aber mein lieber Gevatter , so hinter ihr stund , sahe , daß ihre Händelein und absonderlich die Nägel braun und blau worden waren , thät er eine Fürsprache bei Eim ehrsamen Gericht , worauf aber der abscheuliche Amtshaubtmann zur Antwort gab : ei lasset sie nur , sie muß fühlen was es bedeutet von dem lebendigen Gotte abzufallen . Aber Dn . Consul war glimpflicher , inmaßen er dem Büttel Befehl gab , nachdem er die Stricke befühlet , sie menschlich zu binden und ein wenig nachzulassen , was selbiger nunmehro auch thun mußte . Hiemit war mein lieber Gevatter aber noch nicht zufrieden , sondern bat , daß man sie müge ohne Bande auf den Wagen setzen , damit sie ihr Gesangbuch gebrauchen könne . Denn er hätte die Schule bestellet , um unterwegs ein geistlich Lied zu ihrer Tröstunge zu singen , und wollte sich verbürgen , da er selbsten mitzufahren gesonnen , daß sie nicht von dem Wagen kommen sölle . Im Uebrigen pflegeten ja auch Kerls mit Forken4 umb den Wagen der armen Sünder und absonderlich derer Hexen zu gehen . Aber solches wollte der grausame Amtshaubtmann nit zugeben , dahero es verblieb , wie es war , indeme der dreuste Büttel sie alsbald auch bei ihrem Arm ergriff und aus dem Gerichtszimmer führete . Auf der Dielen aber hatte es einen großen Scandalum , so mir wiederumb mein Herze durchschnitt . Denn die Ausgebersche und den dreusten Büttel sein Weib schlugen sich dort umb meines Töchterleins ihre Betten , wie umb ihr alltagsch Zeug , so die Ausgebersche vor sich gehohlet , das andere Weib aber auch haben wollte . Selbige rief nunmehro gleich ihren Mann zur Hülfe welcher auch furts mein Töchterlein fahren ließe , und der Ausgeberschen mit seiner Faust also in ihr Maul schlug , daß ihr das Blut daraus herfürging und sie ein grausam Geschrei gegen den Amtshaubtmann erhube , welcher mit dem Gericht uns folgete . Selbiger bedräuete sie beide vergeblich , und sagte , daß er nachgehends , wenn er wiederkäm , die Sache untersuchen und einem Jeglichen seinen Theil geben wölle . - Hierauf wollten sie aber nicht hören , bis mein Töchterlein Dn . Consulem fragte : ob ein Jeder so da stürbe , und also auch ein armer Sünder die Macht habe sein Haabe und Gut zu vermachen , weme er wölle ? Und als er zur Antwort gab : » ja , bis auf die Kleider so dem Scharfrichter gehören ! « sprach sie : » gut , so kann der Büttel meine Kleider nehmen , mein Bette aber soll Niemand haben , denn meine alte getreue Magd Ilse geheißen ! « Hierauf erhub die Ausgebersche ein lautes Fluchen und Schimpfen gegen mein Kind , welche aber nicht darauf achtete , sondern nunmehro aus den Thüren vor den Wagen trat , wo also viel Volks stunde , daß man Nichtes sahe , denn Kopf an Kopf . Und drängete sich solches alsbald mit solchem Rumor umb uns zusammen , daß der Amtshaubtmann , so inzwischen auf seinen Schimmel gestiegen war , dem Volkes immer rechtes und linkes mit seiner Reitpeitschen in die Augen hauete , und sie doch kaum weichen wollten . Und als es letzlich doch half und sich an die zehn Kerls mit langen Forken umb unsern Wagen gestellet , so meistentheils auch noch Stoßdegen an ihrer Seiten hatten , hub der Büttel mein Töchterlein hinauf und band sie an den Leiterbaum feste . Mich selbsten hub der alte Paassch hinauf , so dabei stunde , und auch mein lieber Gevatter mußte sich hinaufheben lassen , also schwach war er von allem Jammer worden . Selbiger winkete nunmehro seinem Küster , Meister Krekow , daß er mit der Schulen vor dem Wagen vorauf gehen , und von Zeit zu Zeit einen Vers aus dem feinen Liedlein : » Ich hab ' mein