Windhund auf den spitzigen Schlangenkopf gestreichelt - aber mir giebt sie die Hand nicht ! Und welche Grazie liegt in ihren Handbewegungen ! nur sie zu sehen , ist , als regne es Blüthen . Also die Hand - « » Ich erstaune , daß Sie Bedingungen machen , und noch dazu solche , welche kaum die Liebe erfüllen würde . Was soll Gräfin Faustine veranlassen , sie anzunehmen ? « » Die Barmherzigkeit . « Sie waren ein Paar Stunden umhergegangen . Feldern fühlte sich erdrückt von dieser dem Wahnsinn ähnlichen Leidenschaft , deren Hoffnung auf nichts basirte und deren Verlangen Alles umschloß . Er sagte , er wolle Faustine erzählen , wie unglücklich Clemens sich fühle , ihr mißfallen zu haben , und dann müsse er das Weitere ruhig erwarten und vor allen Dingen keine schlechte Gesellschaft an sich heranziehen , die ihn für jeden Verkehr mit der guten unfähig mache . » Thut nur nicht preziös mit eurer guten Gesellschaft ! « rief Clemens ärgerlich ; » in ihr fallen Dinge vor , deren keine schlechte sich schämen dürfte . Ist die Gesellschaft schlecht , d.h. gemein und roh , nun , so ist auch das rohe Wort und der gemeine Scherz am rechten Platz , und Niemand wird dadurch beleidigt . Aber in der guten , der feinen , der gebildeten , der eleganten , was wird da geredet ! zierlich immer und mit pikanten Wendungen - die gröbsten Unanständigkeiten : Asa foetida aux confitures . Besonders die alten Männer haben recht ihr höllisches Behagen dran , und das macht auch den jüngern Courage . Was man untereinander schwatzt - nun , das hat nicht viel zu bedeuten , aber mit Frauen sollte man doch das lose Maul beherrschen . Wär ' ich eine Frau , mir würden bei solchen Gesprächen die Finger jucken , um rechts und links eine Ohrfeige zu geben . Das schickt sich aber beileibe nicht ! Sie sitzen da und thun , als hörten sie nicht recht hin . Aber sie hören doch - mögen sie ärgerlich , mögen sie verlegen sein - hören müssen sie . Manche mögen sich auch wol sehr amüsiren ; dahin kommt ' s ! Und dazwischen wachsen Mädchen auf , stehen einsam junge Frauen , jung und schön , wie Faustine . Wenn ein gewisser alter Mann , dessen Namen ich vergessen habe , bei ihr eintritt , so möchte ich ihn gleich wieder zum Fenster hinaus spediren . Da legt er sich auf einen Lehnstuhl hintenüber , damit der Bauch Raum habe , der Stock steht zwischen seinen Knieen und die Hände ruhen auf dessen Knopf . Von dem rothen , fetten Gesicht ist nichts zu sehen , als ein gallertartiges Unterkinn , Hängebacken und Wurstlippen . Die Nase zählt nicht , die Augen sind von den Runzeln der Augenlieder verschüttet , wie ruinirte Teiche vom zusammenfallenden Erdreich - und diese Maschine hebt an zu erzählen .... weiß der Teufel was . Und man mag dazwischen reden - er wartet auf eine Pause ! man mag ihm geradezu Schweigen gebieten - er schweigt und hängt an die nächste Bemerkung eine Anekdote im verbotnen Styl ! Wo solche Menschen reden dürfen , sieht man nicht den Nutzen der Censur ein . Nein , mit eurer guten Gesellschaft bleibt mir nur vom Halse . Wer ein Paar Jahr darin gelebt , ist hieb-und schußfest und weiß Bescheid ! Hinge es von mir ab , nicht drei Tage ließe ich Faustine dazwischen . Wenn sie dem alten Molch gegenüber sitzt und das Goldkettchen immer hastiger , immer heftiger um die Finger wickelt , ist sie anbetungswürdig . Einmal lachte sie , aber im Zorn , das war prächtig - « Und wieder ging er auf Faustine über , und wie ein Monomane vertiefte er sich in Extravaganzen bei seiner fixen Idee , indessen er über andre Gegenstände klar und verständig urtheilte . Trotz seines Mißfallens an der guten Gesellschaft versprach er denn doch , seine gar so lustigen Kumpane etwas fern zu halten und Feldern kam ganz abgespannt bei Faustine an , die in heiterster Laune sehr gern auf seinen Wunsch einging , Clemens wieder zu Gnaden aufzunehmen . Dessen Bedingungen theilte er ihr aber nicht mit , auch nicht ganz genau den Zustand , in welchem er ihn gefunden ; er fürchtete , Faustine möchte dadurch etwas aus ihrer versöhnlichen Stimmung gebracht werden , und er hielt es für ganz nothwendig , daß sie nicht ihre Hand von Clemens abziehe , wenn aus ihm etwas Tüchtiges werden solle . Aber daß morgen sein Geburtstag sei , sagte er Faustine . Als Clemens in der Frühe des nächsten Tages zu ihr kam , rief sie freundlich : » Nun , mein verlorner Sohn , dies Kränzchen soll zugleich Ihre Heimkehr und Ihr Wiegenfest feiern « - und warf ihm einen Kranz der ersten Frühlingsblumen entgegen . » Schönere Sinnbilder der Hoffnung , als diese unter Schnee und Eis gekeimten Blumen , weiß ich nicht Ihnen zu geben , und die Hoffnung ist doch das , womit wir uns am liebsten beschäftigen . « » Ich halte nicht viel von der Hoffnung , « entgegnete Clemens . » Genügen Ihnen die Realitäten so ganz ? « » Sie genügen mir so wenig , daß es mir nicht der Mühe werth vorkommt , Träume von ihnen in die Zukunft hineinzuschieben - und das thut die Hoffnung . « » Aber unwillkürlich blickt der Mensch in die Zukunft , wie er , wenn er am Fenster steht , zum Himmel blickt , und wie an dem Wölkchen oder Gestirne auftauchen und dahin ziehen , so dämmern in ihr Bilder der Hoffnung auf . Haben Sie schon Ihre Abreise nach Oberwalldorf festgesetzt ? « » Ich habe noch nicht daran gedacht . « » Und was sagt Ihr Bruder dazu ? « » Nichts - vermuthe ich . Er sagt überhaupt so wenig , wenn er auch ziemlich viel spricht .