Walde auf der Jagd etwas zustieße : schnell ! « Es dünkte der Kammerfrau , als wenn die schwache Ohnmächtige sie festhalten und ihr etwas sagen wollte ; aber sie vermochte es nicht und Bracciano rief wieder : » Ihr seht , wie meine Gemahlin leidet . - Eilt ! « Stella flog fort . - » Seht « , sagte der Herzog leise , » da fällt das Billet des Troilo aus Eurem Busen ; warum habt Ihr es nicht gleich zerrissen ? « Jetzt kam Stella in fliegender Eile und herzklopfender Angst zurück . Wie sie aber eintreten wollte , fand sie die Tür von innen verriegelt . Sie klinkte und klopfte . Da war es ihr , als hörte sie ein Weinen , dann einen lauten Wortwechsel , ein Schluchzen - plötzlich war alles still . - Bracciano öffnete die Tür und sagte : » Wer hat sie verriegelt ? Seht die Arme . « Isabella war vom Sessel heruntergesunken . Stella kniete neben ihr nieder und legte das schöne Haupt in ihren Schoß : sie rieb Schläfe und Stirn mit der kräftigen Essenz : sie sah , wie die Sterbende am Halse und im Gesicht blaue Flecken hatte , wie die Augen aufgeschwollen herausstanden : ein brechender Blick schaute sie noch einmal mit ungewissem Lichte , dämmernd und aufflackernd an , dann lag Isabella tot in ihren Armen . » Seht ! « rief Bracciano klagend , » sie ist dahingeschieden , die Unglückselige , noch im Tode schön und reizend . Ja weint nur , arme Stella , Ihr habt eine liebe Herrin , eine großmütige , freundliche verloren . Und ich Verlaßner ! so schnell sie einzubüßen , da ich sie eben erst wiedergewonnen hatte . Hierher kam ich , um in fröhlicher Häuslichkeit , in stillem Frieden den Sommer an der Seite des geliebtesten Wesens zu genießen - und nun kehre ich als trauernder Witwer zur Stadt zurück . « Stella war außer sich , die andern Dienerinnen erschraken , als sie diese schreckliche Neuigkeit erfuhren . » Die Reise , das feuchte Schloß , das schreckliche Gewitter haben es ihr angetan ; dies Grauen hat ihrem zarten Körper den Schlag zugezogen , und der Herzog ist untröstlich . « So sprachen sie untereinander . Man kehrte zur Stadt zurück . Bracciano voran und die Leiche folgte ihm nach . Soeben war die Totenfeier für Eleonore Toledo beschlossen , und eine zweite wurde jetzt mit noch viel größerem Pomp für die junge , dahingeschiedene Schwester des Großherzogs veranstaltet . Der Bruder der Verstorbenen ging traulich Arm in Arm mit Bracciano , und beide schienen einander freundlich zu trösten : sie waren , das sahen alle Zuschauer , inniger vereint als je . Pietro war nicht zugegen . Als sie aus der Kirche zurückkehrten , gewahrte Bracciano in der Menge den Geheimschreiber Malespina , und sagte halblaut im Vorbeigehn : » Nicht wahr , nun gibt es wieder recht viel zu erzählen ? « - Diesen schauderte und er verließ das Gedränge , um in der Einsamkeit nachzudenken . Viertes Kapitel In Rom hatten sich , durch ihre Stellung gegen den herrschsüchtigen Farnese dazu veranlaßt , die beiden Kardinäle Montalto und Ferdinand der Medicäer immer enger aneinandergeschlossen . Es war fast schon entschieden , daß , im Fall ein Konklave eintreten würde , die Wahl gewiß nicht auf den Farnese fallen solle , und so vereinten sich , außer dem frommen Borromeo , heimlich oder öffentlich immer mehr Prälaten der Medicäischen Partei , weil der Hochmut des Farnese viele verletzt hatte und sie einsahen , daß alle in ihren Interessen beschädigt würden , wenn dieser hochfahrende Mann den päpstlichen Stuhl besteigen sollte . Montalto und Ferdinand waren eben beisammen , weil der junge Kardinal dem alten wichtige Nachrichten mitteilen und um dessen Rat bitten wollte . » Wie es in Florenz steht , verehrter Freund « , begann Fernando , » brauche ich Euch nicht zu schildern , denn Ihr kennt selbst das Elend und die Schande , in welche sich mein schwacher Bruder verwickelt hat . Diese Bianca , diese Abenteuerin , beherrscht ihn so unbedingt , daß Volk , Adel , alles leidet . Er ist von Natur edel und großgesinnt , er liebt Kunst und Wissenschaft , er verehrt die Religion , und dennoch gelingt es der elenden Buhlerin , in so vielen Stunden ihn sich selber abtrünnig zu machen . Ihre Ausschweifungen haben sie dahin gebracht , daß sie keine Kinder mehr gebären kann , und dennoch hat sie schon im vorigen Jahre meinem Bruder einen Sohn untergeschoben , das Kind armseliger , unbekannter Eltern . Francesco ist glücklich und glaubt der Betrügerin alles . Von verschiedenen Ammen waren schon seit Monaten einige schwangere Weiber bewacht und bestochen : sie , in verstellter Krankheit , wußte abwechselnd des Bruders Mitleid , Freude und Hoffnung zu erregen . Eine dieser Frauen kam mit einem Knaben nieder , und dieser wurde sogleich künstlich in den Palast geschafft , und dann als der Sprößling des Großherzogs vorgewiesen . Die Ammen , sowie diese gemeinen Mütter , sind nach und nach verschwunden , damit sie nicht irgendeinmal das Geheimnis ausplaudern könnten . Ihr kennt ja die abscheuliche Art und Weise , die sich , vorzüglich jetzt , in meinem Vaterlande eingeführt hat : der tote Mund ist schweigsam , und Meuchelmord ist ein fast öffentliches Gewerbe und eine rechtliche Hantierung geworden . « » Furchtbar ist es in ganz Italien jetzt ! « rief Montalto höchst erzürnt : » wem soll der Herr die Geißel in die Hand geben , diesen Greuel zu vertreiben ? « » Nun habe ich gestern « , fuhr der Medicäer fort , » einen Eilboten von Bologna erhalten , und zugleich die Schriften über ein merkwürdiges Verhör und einen Mordanfall , der dort im Gebirge , in der Nähe der Stadt sich zugetragen hat . Eine dieser Ammen , die die verschlagenste sein mag , und bei der