den Blitzstrahl , und so erzeugen Weisheit und Tapferkeit sich ineinander . - Was hab ich im vorigen Brief gesagt : - Gott sei die Poesie , und heute , daß er die Weisheit ist , - das ist schon eine alte Geschichte , das haben , glaub ich , die Kirchenväter herausgestellt und haben deswegen großen Respekt vor Gott , aber heute haben wir herausgekriegt , daß Gott die große elektrische Kraft ist , die durch die Natur fährt und ins Blut des Menschen und von da sich als Genius in den Geist des Menschen hinüber bildet . Der Genius steigt aus dem Stahl auf im Blut , und dort dringt er auch wieder ein , wenn er wirkend ist in den Sinnen . Wer keinen Stahl im Blut hat , kann auf die Weise Gott nicht empfangen . Es ist schon drei Uhr , wenn ich so fortschreib , ich glaub , ich brächt allerlei kuriose Sachen heraus , die mich selbst verwundern . - Ich wittre schon den Tag , mein Licht brennt ganz nüchtern . Ich sollt schlafen gehen , aber ich will Dir doch für einen ganzen Tag zu denken geben , weil Du allein bist . - Aber jetzt muß ich erst von der Religion abspringen und Dir was dazwischen erzählen . - Du schreibst , der Moritz hat Dich im Kabriolett begegnet , ich bedanke mich , aber ich hab grad auf vierzehn Tag , wo ich noch hier bin , ein Gelübd getan und kann also Deiner Mahnung kein Gehör geben , sag ' s ihm , wenn Du ihn siehst . - Der Bernhards-Gärtner ist ein junger schlanker Mann , er hat eine feingebogne Nase , blaue Augen , schwarze Wimpern , schwarze Haare und hat eine sanfte Stimme - zum wenigsten gegen mich , denn wie er letzt den Hund wollt zurückhalten , der mich anbellte , da hatte er eine sehr kräftige Stimme . - Dem Moritz wird das wunderlich vorkommen , aber mir ist es keine Scheidewand , weil er von der gebildeten Klasse übersehen wird . Ein Mensch von Rasse müßte seine Rasse auch unter der Sklaventracht wittern , aber das ist die Unechtheit des Adels , denn gewiß ist , daß das echte Blut zerstreut ist in der Welt und viel ungestempelt herumläuft , und doch will man nur das gelten lassen , was gestempelt ist , aber das sag ich Dir , ich halte alle Menschen für unadelig , die ihre Rasse nicht erkennen auch im Kittel . - Der Gärtner also , der mir immer Arbeit gibt morgens früh Du weißt , - ich hab ihm die abgeblühten Federnelken von den Rabatten geschnitten , ich hab die Erdbeeren umgesetzt , ich hab die Reben ausgelaubt , ich hab das Geißblatt binden helfen , ich hab die Pfirsich spaliert , ich hab die Nelken gestengelt , ich hab die Melonenräuber ausgebrochen , und noch mancherlei anders hab ich immer morgens früh tun helfen , wenn ich in der Früh zum Mainufer lief , weil ich schreiben wollt oder dichten für den Clemens , und es wollt nicht gehn , weil mir nichts einfiel , weil die Natur zu groß ist , als daß man in ihrer Gegenwart sich erlaubte zu denken , da hab ich denn mit dem Gärtner lieber Erbsen gepflückt als auf der Lauer nach großen Gedanken - da hat mir der Gärtner als immer einen Strauß verehrt , erst recht schön voll und seltne Blumen , dann weniger und einfacher , ich denk , weil ich alle Tag kam , es wär ihm zu viel , aber zuletzt - es war grad am Tag , wo ich Zuckererbsen brach , da gab er mir bloß eine Rose und - - - Morgens Da hab ich so nachgedacht und bin drüber eingeschlafen . Die Rose hab ich mit ins Bett genommen . - Was soll sie im Glas langsam welken - überall sollt man ein Heiligtum der Natur mit herumtragen , das frei macht vom Bösen , wer kann in Gegenwart einer Rose nicht mit edlen Gedanken erfüllt sein , ich hab ' s lieb , das Röschen , mit dem ich geschlafen hab , - es war matt , nun hab ich ' s ins Wasser gestellt , es erholt sich . - Ich bin so dumm , ich schreib so einfältig Zeug - der arme Gärtner . - An die Günderode Der Jud kommt heut um fünf Uhr und sagt , er hatt den Brief heut morgen im Stift abgegeben und hat nichts von Dir gehört , der ungeheure Esel mußte heute wie ein Windspiel herumlaufen , er hätt müssen Paradiesäpfel zum Lauberhüttenfest einkaufen , da hätt er nicht warten können , der Kerl sah so närrisch aus , aus seinem Sack guckten lange Palmzweige über seinen Kopf , mit der einen Hand hielt er seinen langen Bart fest , mit der andern stellt er seinen langen Stab weit von sich und schwört immer bei seinem Bart , und keuchte unter der Last ; ich ließ ihn eine Weile stehen , so gut gefiel ' s mir ihn anzusehen , ein Bild , wer ' s verstünd zu malen . Diesmal haben also meine Religionsdepeschen wegen der Lauberhüttenangelegenheit nicht können befördert werden ; - wenn Du nur gesund bist wieder . - Heut abend mußt ich mit der Großmama spazieren gehen , am Kanal im Mondschein . Sie erzählte mir aus ihrer Jugendzeit , wie sie noch mit dem Großpapa in Warthausen beim alten Stadion wohnte , und wie der den Großpapa weit lieber gehabt als die andern Söhne , und wie der ihn erzogen hat , gar wunderlich mit großer Sorgfalt , er ließ ihn als Jüngling von nicht achtzehn Jahren schon eine große und ausgebreitete politische Korrespondenz führen , er gab ihm Briefe von Kaiser und König , von allen Reichsverwesern und Staatsbeamten aller Art zu beantworten , es kamen Verhandlungen über alle möglichen Staatsangelegenheiten vor , Handel ,