einen eisenbeschlagenen Koffer und zeigte mir in demselben ein altes rostiges Schwert liegend . Mit Feierlichkeit sagte er : » Das ist eine große Rarität ; es ist das Schwert Caroli Magni , seit tausend und mehreren Jahren beim Oberhofe aufbewahrt , und noch in voller Kraft und Gewalt . « Ohne weitere Erklärungen hinzuzufügen , klappte er den Deckel wieder zu . Ich hätte um alles seinen Glauben an dieses Heiligtum nicht zerstören mögen , obgleich mich mein flüchtiger Blick lehrte , daß der Flamberg kaum ein paar hundert Jahre als sein könne . Er zeigte mir aber ein förmliches Attest über die Echtheit der Waffe , von einem gefälligen Provinzialgelehrten ihm ausgestellt . Hier will ich denn nun unter den Bauern bleiben , bis mir der alte Jochem Nachricht von dem Schrimbs oder Peppel gibt . Es ist zwar die achtzig Meilen her kühler in mir geworden , denn gar viel tut ' s , wenn vierzehn Tage zwischen dem Vorsatz und der Ausführung liegen , auch steht nun die Frage , welche Rache ich eigentlich an ihm nehmen soll ? aber das wird sich schon alles finden . Dieser Brief , wie ich ihn überlese , kommt mir ganz possierlich vor . Vorn stehen recht hübsche Bemerkungen , hinten dergleichen , ich brauche mich ihrer gar nicht zu schämen , und in der Mitte ist ' s , als ob ein dummer Bub ' seine Eulenspiegelei erzählt . Nun , ich werd ' ja endlich auch klug werden . - Wenn einen die Leut ' nur verständen in der Fremde ! Alles muß man drei- mal sagen , bevor ' s gefaßt wird . Und wenn man nicht gar ein Stockschwab ist , sondern im Gegenteil in der Welt umhergekommen , und andere vielfältig hat reden hören , so kann man sich selbst durch unser Zischen und Prasseln hin und wieder beschwert fühlen . Wir haben doch Geist , soviel wie die übrigen , warum können wir denn das Wort nicht gelind , sanft und zart von uns geben , sondern sprechen immer : » Keescht ? « Aber ich denke , aus : » Keescht « kann allezeit durch Abschwächen und Filtrieren : » Geist « werden , nicht aber umgekehrt aus » Geist « , » Keescht « . Und so wird ' s der Herr in diesem Punkt wie in allen andern wohl mit uns brav gemeint haben . Mentor , hoffentlich hörst Du bald mehr von Deinem Nicht-Telemach Schilt ihn aber tüchtig aus , darum bitt ' ich Dich . Siebentes Kapitel Worin der Jäger dem Hofschulzen eine alte Geschichte von seinen Eltern erzählt Mehrere Tage gingen im Oberhofe auf die gewohnte stille und einförmige Weise hin . Der alte Jochem ließ noch immer weder von sich noch von dem entwichenen Abenteurer hören , und seinen jungen Gebieter wollte doch nachgerade eine stille Unruhe beschleichen . Denn so umspinnt uns alle die jetzige geregelte Zeit , daß niemand , und sei er noch so ungebunden , lange ausdauern kann ohne den Rücken an ein Geschäft , oder an ein Verhältnis zu lehnen . Mit dem Hofschulzen verkehrte er zwar , sooft er konnte , und die originelle Eigentümlichkeit des Mannes behielt für ihn ihre ganze Anziehungskraft , welche sie am ersten Tage der Bekanntschaft über ihn ausgeübt hatte , aber teils war der Alte meistens in seiner Wirtschaft sehr beschäftigt , teils hatte er viel mit andern abzureden , da täglich Menschen im Hofe einsprachen , die ihn um Rat oder Hülfe angingen . Bei diesen Gelegenheiten bemerkte der Jäger , daß der Hofschulze im eigentlichen Sinne des Worts nie etwas umsonst tat . Er war gegen Nachbarn , Gevattern und Freunde zu allem bereit , aber sie mußten ihm immer etwas dagegen leisten , und wäre es nur die unentgeltliche Ausrichtung eines Auftrags nach einer in der Nähe belegenen Bauerschaft , oder eines andern kleinen Dienstes dieser Art gewesen . Täglich wurde geknallt , freilich immer vorbei , so daß der Alte , der stets ins Schwarze traf , er mochte zielen , worauf er wollte , über diese fruchtlosen Bemühungen verwunderte Augen zu machen begann . Es war ein Glück für unsern Jäger , daß gerade um jene Zeit der zunächstwohnende Gutsbesitzer sich mit seiner Familie und Dienerschaft auf einer Reise befand , sonst würden ihn wahrscheinlich doch einmal die zünftigen Schützen oben am Freistuhl ertappt haben . Gern wäre der junge Schwabe in manches eingedrungen , was ihm verhüllt blieb . Der erste Knecht fragte den Schulzen eines Tages , ob das Korn droben am Stuhl nicht angeschnitten werden solle , da es vollkommen reif sei ? erhielt aber von seinem Herrn den Bescheid , daß es bis nach der Hochzeit stehen bleiben müsse . Diese Worte würden dem Jäger nicht weiter aufgefallen sein , wenn er damit nicht unwillkürlich den Inhalt eines Gesprächs in Verbindung gesetzt hätte , dessen unbemerkter Ohrenzeuge er kurz zuvor geworden war . Zwei benachbarte Hofbesitzer , welche seinen Wirt besuchten , hatten ihn nämlich , so daß der Jäger es hörte , befragt : Wann das Geding sein solle ? und zur Antwort erhalten : Am zweiten Tage nach der Hochzeit , mit dem Hinzufügen , daß dann zugleich der Schwiegersohn die Losung empfangen werde . Der junge Mann brachte diese Reden mit der Schonung des reifen Korns am Freistuhl in Zusammenhang , ohne gleichwohl die eigentliche Bedeutung sich klarmachen zu können . Seinerseits sagte der Hofschulze einmal zum Jäger , als dieser wieder mit leerem Pulverhorn und leerer Weidtasche in den Hof zurückkehrte : » Wie ist das , junger Herr ? Sie treffen ja niemalen was ? « Der Jäger war gerade in einer verdrießlichen Stimmung , die zuweilen am offensten macht . Er versetzte daher kurzweg : » Daß ich nichts treffe , ist nicht meine Schuld , und daß ich dennoch immerdar schießen muß , liegt auch nicht an mir , das hängt mir von Mutterleib an . « »