hat . - Ja , Oheim ! rief Lucie , davon will ich Dir erzählen , wie Gaston , mein lieber , guter Gaston , nicht von ihr ging , bis sie erwachte , und dann . - Laß das jetzt , Lucie , sagte die Herzogin freundlich , aber unabweisbar , nicht umsonst sind die Brodkrümchen wohl in Dein Schürzchen gepflückt ; füttere jetzt Deine kleinen Schützlinge , sie harren schon dort und haben mit ihren klugen Aeuglein längst gesehen , daß ihre kleine Lucie ihnen wieder Futter bringt . Lucie ging sogleich in diese erfreuliche Gedankenreihe ein , jauchzend hüpfte sie an den Rand , wo die nun schon belaubtere Birke das liebe Nestchen beschützte , streute ihr Bröckchen und ging dann , von Miß Dedington sanft erinnert , wie ein sehr artiges Kind , unter höflichen Grüßen von dannen . Man nahm an den geöffneten Thüren Platz , und die Herzogin erzählte nunmehr ihrer Schwiegermutter und ihrem Schwager die Geschichte der Gräfin Melville , wie sie uns bereits bekannt ist . Die Pause , die nach Beendigung derselben eintrat , und worin der Graf eine Bemerkung seiner Mutter zu erwarten schien , ward endlich von ihm selbst unterbrochen . Es schien ihm nicht ganz leicht , das rechte Wort zu finden , denn auf den eingefallenen Wangen und erschöpften Zügen seiner Schwägerin , welche sich auffallend schnell während ihrer Erzählung gebildet hatten , lag für den feinen Beobachter ein Commentar zu der Mittheilung , die sie mit der strengsten Wahrheit wieder zu geben bemüht gewesen war , den er aber noch nicht zu enträthseln vermochte . Man spricht indeß häufig am ehesten das aus , was sich eben unsern Gedanken mittheilt , wenn es uns zweifelhaft bleibt , wodurch wir die Anwesenden schonen oder beschwichtigen können , und es scheint , der Graf befand sich in demselben Falle . Ich glaube , sagte er mit der höflichen Miene , wodurch er stets seine Anreden eröffnete , uns allen kann es nicht entgehen , daß die junge Dame über ihre wahre Lage entweder selbst getäuscht worden ist oder , was ich ungern hinzufüge , uns zu täuschen versucht hat . Was sie von Namen und Ort mitgetheilt hat , fürchte ich , wird sich eben so wenig bestätigen , als ihre Unbekanntschaft mit denen , die sie nicht zu nennen weiß , sich einigermaßen wahrscheinlich zeigt . Ich glaube , daß es dem Scharfblick der Damen nicht entgangen ist , daß ich mit einer Antwort über den Grafen von Marr nur Zeit gewinnen wollte , denn allerdings hätte ich ihr sogleich bestimmt sagen können , daß Keiner dieses Namens am Hofe und in der Nähe des Königs lebt . Die Familie wird Ihnen , wie mir selbst , sehr wohl bekannt sein ; sie spielte keine unbedeutende , wenn auch eine etwas zweideutige Rolle in den Unruhen Schottlands unter der Regierung ihrer unglücklichen Königin Maria . Ich habe einen Grafen von Marr gekannt , aber er war ein Greis , als ich in der ersten Jugend mit meinem Vater , auf Befehl der Königin , nach Schottland ging , wo er an Jakobs Hofe , gebeugt und kaum noch lebend , sich zuweilen zeigte . Doch nachdem die traurige Botschaft des Todes der Königin Maria , welche mein verehrter Vater so ungern überbrachte , von ihm gehört ward , zog er sich auf sein Stammschloß nahe bei Edinburg zurück , und man sah seinem Tode alsbald gewiß entgegen . Dieser Graf hatte aber nur zwei Töchter aus zwei verschiedenen Ehen . Seine erste Gemahlin war eine französische Dame , welche mit Marie von Guise , der Gemahlin Jakob des Fünften , nach Schottland gekommen und eine ziemlich nahe Anverwandtin der Königin war . Die älteste Tochter aus dieser Ehe kennen wir . Sie heirathete den Ritter Villers , wie ich glaube , gegen den Willen ihres Vaters , und lebte in tiefer Abgeschiedenheit , man sagt sogar in Armuth , bis nach dem Tode ihres Gemahls ihr Sohn an unserem Hofe eine Stellung einnahm , die auch seine Verwandte erheben mußte , und wir haben diese Dame als Gräfin von Buckingham damals gesehen . Die zweite Gemahlin war eine Engländerin , fuhr er rasch fort , aber ich bin unsicher über ihren Namen . Auch diese gab ihm eine Tochter ; die Mutter starb jedoch bei der Geburt derselben , so daß der Graf ohne weitere Erbin blieb , sich aber , glaube ich , später in soweit mit seiner ältesten Tochter aussöhnte , daß er ihr die viel jüngere Stiefschwester zur Erziehung übergab . Dies ist Alles , was ich seit gestern mit meinem Nachdenken über diese Familie habe herausbringen können , und es scheint wenig zu der Erzählung der jungen Dame zu passen . Denn selbst angenommen , die jüngste Tochter des Grafen Marr habe den Grafen Melville geheirathet , und sie sei die Tochter aus dieser Ehe , welches leicht zu erfahren sein wird , wo bekam die Gräfin Melville eine jüngere Schwester und zwei Brüder her , da sie nur eine ältere Stiefschwester hatte ? Und doch , fuhr der Graf fort , immer lebhafter in die Auseinandersetzung dieser Geschichte sich vertiefend , doch ist dieser unwahrscheinliche Theil ihres Geständnisses noch der bei weitem klarste desselben ; denn allerdings hat sie großes Recht , selbst über ihre Unwissenheit hinsichtlich des zweiten Theils zu erstaunen . Sie kennt den Namen eines Ortes nicht , welcher das Ziel ihrer Wünsche , ihres Strebens war , den sie jährlich ein Mal , vielleicht öfter besuchte ; sie hörte nie den Namen des besten Freundes , ihres Verwandten , sie begnügt sich damit , ihn Graf Robert zu nennen . Eine wahrlich sehr naive , vertrauensvolle Hingebung , die aber , däucht mir , nicht verletzt worden wäre durch die natürliche und einfache Bitte um die Namen so geliebter Gegenstände , als hier beide , Ort und Person , ihr waren . Die unnatürliche Verfolgung des einen Oheims