auf die Nachtjacke entkleidet , bequem und ohne Umstände unterhalten konnten . Sie sprachen mit ihm Sachen aus der Wirthschaft , rechneten ihm ihre täglichen Ausgaben und Einnahmen vor , baten ihn um Zuschuß , wo es mangelte , und gelobten ihm , daß sie sich vor Ostern keinen neuen Rock machen lassen wollten . Gott war wie ein Armenvorsteher gedacht , die ganze Welt als Spital angesehen , und der Fromme wand sich wie ein geduldiger Hospitalit von Tag zu Tag hin mit seinem pietistischen Krankensüppchen . Es war ein erbärmliches Leben , eine bettelhafte Wirthschaft im Reiche Gottes . Der Katholizismus hätte einen solchen Pietismus nie erzeugen können , sondern es war vielmehr die erste Folge des Protestantismus , welcher die romantischen Formen der Religion zertrümmert hatte , ohne daß jene Zeit noch die Kraft besessen , die verloren gegangene Hoheit der Kirche durch die größere Hoheit des Geistes zu ersetzen . Daher das spießbürgerliche Verhältniß zu Gott , in dem dieser Pietismus sein Heil suchte , und worin fast alle geistige Natur des höchsten Wesens in den bloßen Eigenschaften eines mildthätigen Familienvaters zu Grunde ging . Der Katholizismus , diese Religion der schönen Form , hat dagegen immer etwas Edles und Adliges , etwas Anstandsvolles in seiner Andacht behalten . Die Kirche wird zum Thronsaal des Allerheiligsten , dem lieben Gott werden hohe feierliche Wachskerzen angezündet , und der Priester legt prächtige Galla an , und weiß tausend Verneigungen zu machen , wenn er sich vor den Altar stellt . Glöcklein klingen , die strahlende Monstranz wird vorgezeigt , und die umstehende Schaar der Gläubigen stürzt anbetend auf ihr Knie nieder , oder verbeugt sich tief , mit einem huldigenden Gruße . Alles trägt den Charakter einer festlichen Versammlung , und die Frömmigkeit befolgt streng alle Gesetze des Ceremoniells und der Convenienz . Meßdiener in Tressenröcken eilen geschäftig auf und nieder , es geht zu wie in einem fürstlichen Salon . Manchen Heiligenbildern rings umher sind kostbare Schmucke umgehangen , hier und da hat eine Madonna einen Orden bekommen . Es herrscht die größte Haltung in der Gemeinde , Jeder ist wie von der ehrfurchtgebietenden Gegenwart des Heiligen erfüllt , und Gott steht in Glorie unter seinen Schaaren , die ihm als einem sichtbaren König huldigen . Im Katholizismus ist Gott als der sichtbare König der Welt gedacht , und die Kirche als Säule und Sessel seines Thrones . Darum geht der Katholik in die stündlich offenstehende Kirche , wenn er zu Gott seine Seele aufrichten will , und der innere Geheimdienst des Geistes , in dem nur die Gedanken knieen und beten gehen , ohne daß sie nöthig hätten , die Kirche zu suchen , liegt ihrer Gottesverehrung fern und fremd . Darum wird aber in der katholischen Kirche Gott als dem König gedient , und nicht Gott als dem Geist . Dem Katholizismus liegt ein royalistisches Element zu Grunde , und indem sich dazu die Heilighaltung der Tradition und die Stabilitätsidee der Kirche gesellt , macht es sich von innen heraus und durch sich selbst anschaulich , wie Katholizismus und Legitimität sich immer in die Hände gearbeitet haben . Für den Katholizismus wie für die Legitimität gibt es deshalb keine Gesetze der Bewegung . Sie sind unveränderlich in ihrem Wesen , und während sich Alles in der Geschichte um sie her bewegt , können sie Geschichte und Bewegung nicht anders ansehn , als für einen Abfall von ihrem eigensten Dasein . Dennoch kenne ich auch Bewegungsmänner im Katholizismus . Ich denke an Anton Günther in Wien , einen ausgezeichneten Mann , dessen persönliche Bekanntschaft für mich von großer Bedeutung war . Günther hat den tiefsinnigen Strom der Speculation als Bewegungsidee in das Bestehende der Kirche hineingeleitet , und sogar die Tradition auf eine philosophische Grundlage geschoben , sodaß sie nicht mehr einzeln und abgetrennt dasteht von einer geistigen Wurzel . Dadurch hat er den Katholizismus bewegt . Ich nenne Günther einen Bewegungsmann des Katholizismus , denn wo Geist ist , da wird Bewegung . Und sein reicher poetischer Genius hat einen die veralteten Formen überdeckenden Blüthenschauer ausgestreut , und selbst der Humor kommt ihm zu Hülfe , um einen frischen Jugendzauber hervorzulocken , und aus verfallenem Gemäuer grünes , duftiges Gesträuch zu treiben . Aber es ist dennoch Alles vergeblich . Günthers Verdienst würde welthistorisch sein , wenn es nicht so ganz unhistorisch wäre . Denn die Bewegung des Katholizismus war schon die Reformation . So bleibt denn einem Geist , wie Günther , nichts weiter übrig , als vermittelnde Tendenzen einzuschlagen , die er auch bereits in seinem » letzten Symboliker « auf eine merkwürdige Weise begonnen . Auf seinem eignen Grund und Boden ist der Katholizismus nicht zu bewegen , wenn er Katholizismus bleiben soll . Ein legitimer Thron , der bewegt wird , wird erschüttert . Die erschütterte Legitimität kann nur durch neues Leben und neue Gesetze wieder befestigt werden . So geht es auch den Bewegungsmännern der Legitimität selbst , die allen Parteien nur in einer zweideutig schillernden Stellung gegenüberstehen . Es gibt auch Bewegungsmänner mitten in der Legitimität . Einen solchen nenne ich Chateaubriand . Wie viel hat er nicht für die Bewegung gewirkt , selbst indem und während er für das Bestehende kämpfte ! Solche Geister treibt die eigene Unruhe ihrer Kraft sogar wider Willen vorwärts , da sie nirgends Frieden und Heimath haben , bis ihre Kraft endlich in der Auflösung des Gegensatzes durch den Gegensatz mit zerrieben wird . Auch an den seltsamen Abbé de la Mennais denke ich , und an seine Paroles d ' un Croyant ! Ein wie verschiedener Mann von Günther , und doch haben beide , als Männer des katholischen Fortschritts , viel Aehnliches mit einander gemein ! Ja , ich glaube , daß Günther sich den früheren Schriften von La Mennais anfänglich angeschlossen hat , wenn er auch die Paroles , über die ich ihn jedoch nie sprechen gehört , schwerlich anders als verdammen wird . Denn der Jacobinismus in der