» Schmeißt mich doch lieber in den Fluß , als daß ihr mich zu dergleichen Sünde zwingt . Der Gerechte , der gesäckt wird in Edom , geht doch ein in Kanaan ! « - » Der Teufel verstehe das Kauderwälsch des Brandkopfs ! « brummte Wernher : » Wir gedenken ihm aber nicht zum Marterthum zu verhelfen . « - » Wir haben nur dem Roßtäuscher zu Steinheim den Tod geschworen , « setzte Bernhard bei : » Dir , Zodick , wollen wir wohl , da Du so ein gewandter Stehler bist . Im Grunde galt es nur der Verschreibung , die ich hiemit feierlich an der Lampe verbrenne . Das Geld , das Du zufällig bei Dir trugst , behalten wir für unser Mühewalten . Speise und Trank sey Dir aber vergönnt . Dein Fehler , wenn Du nicht zugreifst . « » Das Gesetz verbietet mir ' s ; « antwortete Zodick ; trotzig vor sich niedersehend . - » Gelt ! unsre Speisen sind nicht koscher , Schuft ? « polterte Veit von Hornberg : » Bist denn Du aber koscher genug , um an unsem Tische zu sitzen ? Nein , sage ich , und Du fährst durch meine Klinge zum Teufel , wenn Du nicht diese Beleidigung unsers Wappens auf der Stelle gut machst . « - Zodick schaute hoch auf , der neuen Laune des Junkers gewärtig , und des Letztern Spießgesellen riefen lachend : » Hoho ! Schwager ! was fällt Dir ein ? was kann der Schurke da gut machen ? Welche Grille kömmt Dir an ? « - » Keine Grille ! « versetzte Hornberg , in dessen Kopfe sich der Wein breit machte : » Aber ich schwörs Euch zu bei meiner Seelen Seligkeit und meines Leibes Urständ , daß ich den vermaledeiten Fuchsbart über den Haufen steche , bevor der Morgen graut , wenn er sich nicht in dieser Nacht noch taufen läßt . « Ein lautes Gewieher war die Antwort auf den überraschend seltsamen Vorschlag , der jedoch im nächsten Augenblick schon den zu allem Abenteuerlichen sattsam aufgelegten Herren völlig zusagte , und mit Begierde von ihnen aufgenommen wurde . » Vortrefflich ! « rief Bernhard . » Herrlich ! « rief Wernher : » der Jude muß sich taufen lassen , und wir wollen des Höllenbratens Pathen seyn . « - » Zodick konnte vor Wuth und ohnmächtigen Ingrimm keine Silbe vorbringen , aber sein giftiges Ausspucken und Kopfschütteln redete an seiner Statt . « - » Wage es , Nein zu sagen , « schrie Veit , ihm den Stahl an die Kehle setzend : » und Du fährst zur Hölle . Niederträchtiger Auswurf , dessen Wohlthäter wir werden wollen , den wir mit eignen Händen aus dem ewigen Pfuhl ziehen ! mukse nicht , oder es ist Dein Letztes . « Verblassend und verstummend stand Zodick wie niedergedonnert . - » Macht fort , Bruder , « sprach Veit gemäßigter weiter : » bestellt Pfarrherrn und Glöckner ; ich will indessen dem Höllenbrand mit dem Dolche das Paternoster einkitzeln . « Die Gebrüder Keherberg eilten schnell von dannen und durchstreiften mit ihren Knechten , wie Gespenster der Nacht , den Flecken , Straße auf , Straße ab , bis sie in der tiefen Dunkelheit Kirche und Pfarrhaus gefunden . Wohl hörten die Bewohner Offenbachs die Schritte und rohen Reden der Nachtgäste , sahen sie wohl mitunter durch die Ritzen der Läden , wie sie Waffenrauschend durch die Gassen lärmten , aber in den damaligen Zeiten des Unfriedens und der Selbsthülfe wagte sich Keiner aus dem Hause , sondern erwartete in ängstlicher Stille , ob der Besuch nur eine vorüberziehende Wetterwolke sey , oder wie der Blitz ihre Hüttendächer entzünden werde . Die Wächter des Schlosses fanden ebenfalls keinen Beruf , sich in das Thun der Fremden zu mischen , hielten sich zur Vertheidigung gefaßt , und blieben ruhig . So gelangten die Junkherren ohne Anstand zum vorgesteckten Ziele . Mit lautem Klopfen wurde der Leutpriester aus dem Schlummer geweckt , an ' s Fenster beschieden . Der von Natur Furchtsame erbebte , da er Bewaffnete vor seinem Hause sah , und fragte demüthig nach ihrem Begehren . - » Heraus , Pfaffe ! « rief ihm Wernher zu : » Lege den Chorrock an , und die Stola . Versieh Dich mit Kerze , Öl , Salz und Honig und komm zur Kirche . Ein Ketzer will sich taufen lassen , und schnell , damit der böse Geist ihn nicht abwendig mache von seinem löblichen Vorsatze . « - » Ein Ketzer ? « fragte der erschrockne Geistliche : » Taufen , in später Nacht , ... wer bürgt mir .. ? « - » Schweig ! « erwiederte ihm Bernhard : » Wir bürgen , drei Edelleute , des Ketzers Taufzeugen . Steig herab ohne Säumen ; bescheide den Glöckner , daß er Dir diene ; aber wofern der Bube Lärm macht , oder den Glockenstrang zu ziehen gedenkt , so ist sein letztes Stündlein da und das Deine . Wir sind zum Trutz gerüstet , und unsere Knechte umlagern schon das Kirchlein . « - Der Pfarrherr , der an Sprache und Keckheit wohl merkte , mit welchen Gesellen er zu thun bekam , und durch das traurige Beispiel mehrerer Amtsbrüder , die so zu sagen am Altare ihren Tod durch Mörderhand gefunden hatten , gewitzigt worden war , säumte nicht , dem gebieterischen Begehren Folge zu leisten . Das Frösteln der Angst in allen Gliedern warf er sich in die kirchlichen Gewänder , beschickte den Meßner , und da er in Begleitung des Letztern , eines altergrauen Männleins , das vor Schreck sich kaum auf den Füßen zu halten vermochte , an die Pforte der Kapelle kam , langte so eben der Hornberger daselbst an , dessen Knechte den Täufling an der Leine führten , wie einen Rüden . Das Kirchlein wurde geöffnet , Wache davor gestellt ; ein Bewaffneter