sich täglich mit ewig neuem Reize wiederholt ; und das Auge , das von Weltintrigen gesättigt , vom Anschauen der Kämpfe großer Massen ermüdet ist , senkt sich gerne abwärts zum kleineren Treiben des einzelnen . Drum möge es keinem jener verehrlichen Leute , für die ich meine Memoiren niederschreibe , kleinlich dünken , daß ich in Rom , wo so unendlich viel Stoff zur Intrige , ein so großer Raum zu einem diabolischen Festtagsspiel ist , mit einer Liebeshistorie mich befasse - . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . ! Am Abend dieses Tages fuhr ich mit einigen griechischen Kaufleuten auf der Tiber . Wir hatten eine der größeren Barken bestiegen , und die freien Sitze des Vorderteils eingenommen , weil das Zelt in der Mitte , wie uns die Schiffer sagten , schon besetzt war . Der Abend war schwül und wirkte selbst mitten im Fluß so drückend und ermattend auf diese Menschen , daß unser Gespräch nach und nach verstummte . Ich vernahm jetzt ein halblautes Reden und Streiten im Innern des Zeltes , ich setzte mich ganz nahe hin und lauschte . Es waren zwei Männer und eine Frau , soviel ich aus ihren Stimmen schließen konnte . Sie sprachen aber etwas verwirrt und gebrochen ; der eine hatte gutes , wohltönendes Italienisch , er sprach langsam und mit vieler Salbung , die Dame mischte unter sechs italienische Worte immer zwei spanische und ein französisches ; der andere Mann , der wenig , aber schnell und mit Leidenschaft sprach , hatte jene murmelnde , undeutliche Aussprache , an welcher man in Italien sogleich den Deutschen oder Engländer erkennt . Ein kleiner Riß in der Gardine des Zeltes ließ mich die kleine Gesellschaft überschauen ; und o Wunder ! jene salbungsvolle Rede entströmte dem Kardinal Rocco ! Ihm gegenüber saß eine Dame , schon über die erste Blüte hinaus , aber noch immer schön zu nennen . Ihre beweglichen schwarzen Augen , ihre vollen roten Lippen , ihr etwas nachlässiges Kostüm , dessen Schuld der schwüle Abend tragen mußte , zeigten , daß sie mit den ersten Dreißig die Lust zum Leben noch nicht verloren habe . An ihrer Seite glaubte ich auf den ersten , flüchtigen Anblick Otto von S. zu erkennen . Doch die Züge des Mannes im Zelte waren düsterer , sein Auge blickte nicht so offen und frei , wie das des Berliners - ich war keinen Augenblick im Zweifel , es mußte sein verkörperter Doppelgänger , .... sein . Aber wie ! Die Dame war nicht Luise von Palden ; durfte dieser Mann so traulich neben einer andern sitzen , ohne dieselbe Schuld wirklich zu tragen , die er der Geliebten aufbürden wollte ? » Gilt dir denn meine Liebe , meine Zärtlichkeit gar nichts ? « hörte ich die Dame sagen ; » nichts meine Aufopferung , nichts meine Leiden , nichts meine Schande , der ich mich um deinetwillen aussetzte ? Ein Wort , ein einziges Wort kann uns glücklich machen . Du sagst immer morgen , morgen ! Es ist jetzt Abend , warum willst du morgen doch wieder nicht ? « » Mein Sohn ! « sprach der Kardinal ; » ich will nichts davon sagen , daß Euer langes Zögern , Eure fortwährende Weigerung , für unsere heilige Kirche Beleidigung ist . Ich weiß zwar wohl , nicht Ihr seid es , der diese Zögerungen verschuldet ; der Teufel , der leibhaftige Satan spricht aus Euch ; es ist das letzte Zucken Eurer ketzerischen Irrtümer , was Euch die Wahrheit nicht sehen läßt ; aber beim heiligen Kreuz , den Nägeln und der heiligen Erde beschwöre ich Euch , folget mir ; lasset Euch aufnehmen in den heiligen Schoß der Kirche , zur Verherrlichung Gottes . « Ha ! dachte ich , den haben sie gerade recht in den Krallen . Ein schönes Weib , ein Kardinal Rocco , und ein paar Gewissensbisse , wie der Herr im Zelte zu haben schien . - Da kann es nicht fehlen ! - Er seufzte , er blickte bald die Dame , bald den Priester mit unmutigen Blicken an . » Ich will ja alles tun , ins Teufels Namen , alles tun « , sagte er , » mein Leben ist ohnedies schon verschuldet und vergiftet , aber wozu diese sonderbare Prozedur ? Warum soll ich vor der Welt zum Narren werden , um die Ehre von Donna Ines wiederherzustellen ? « » Mein Sohn , mein Sohn ! wie frevelt Ihr ! zum Narren werden , sagt Ihr ? oh ! Ihr verstockter Ketzer , ihr alle seid von eurer Taufe an , wo der Satan zu Gevatter steht , Renegaten , Abtrünnige ! Es ist also nur eine Rückkehr ; kein Übertritt , keine Ableugnung eines früheren Glaubens . Ihr hattet ja vorher keinen Glauben ; Ihr werdet doch nicht die Ketzerei so nennen wollen , die der Erzketzer in Wittenberg aus den Fetzen , die er dem Heiligtum gestohlen , zusammenstückelte ? « » Lasset mich , Eminenz ! es ist einmal gegen meine Überzeugung ; ich müßte mich ja vor ganz Deutschland schämen . « » O verstockter Ketzer ! Schämen , sagt Ihr ? hat sich der liebe Mann , der Herr von Haller , auch geschämt ? Schämen ! wie ein Heiliger würdet Ihr