sind , daß hie und da sich Runzeln zusammenziehen und daß Euer Scheitel kahl zu werden droht . Seht mich alten Kerl einmal an ! betrachtet , wie ich mich erhalten habe ! und das alles ohne Hexerei und mit weit weniger Mühe und Sorgfalt , als man täglich anwendet , um sich zu beschädigen oder wenigstens Langeweile zu machen . « Der Major fand bei dieser zufälligen Unterredung zu sehr seinen Vorteil , als daß er sie so bald hätte abbrechen sollen ; doch ging er leise und selbst gegen einen alten Bekannten mit Behutsamkeit zu Werke . - » Das habe ich nun leider versäumt ! « rief er aus , » und nachzuholen ist es nicht ; ich muß zu mich nun schon darein ergeben , und Ihr werdet deshalb nicht schlimmer von mir denken . « » Versäumt ist nichts ! « erwiderte jener , » wenn ihr andern ernsthaften Herren nur nicht so starr und steif wäret , nicht gleich einen jeden , der sein Äußeres bedenkt , für eitel erklären und euch dadurch selbst die Freude verkümmern möchtet , in gefälliger Gesellschaft zu sein und selbst zu gefallen . « - » Wenn es auch keine Zauberei ist « , lächelte der Major , » wodurch ihr andern euch jung erhaltet , so ist es doch ein Geheimnis , oder wenigstens sind es Arcana , dergleichen oft in den Zeitungen gepriesen werden , von denen ihr aber die besten herauszuproben wißt . « - » Du magst im Scherz oder im Ernst reden « , versetzte der Freund , » so hast du ' s getroffen . Unter den vielen Dingen , die man von jeher versucht hat , um dem Äußeren einige Nahrung zu geben , das oft viel früher als das Innere abnimmt , gibt es wirklich unschätzbare , einfache sowohl als zusammengesetzte Mittel , die mir von Kunstgenossen mitgeteilt , für bares Geld oder durch Zufall überliefert und von mir selbst ausgeprobt worden . Dabei bleib ' ich und verharre nun , ohne deshalb meine weitern Forschungen aufzugeben . So viel kann ich dir sagen , und ich übertreibe nicht : ein Toilettenkästchen führe ich bei mir , über allen Preis ! ein Kästchen , dessen Wirkungen ich wohl an dir erproben möchte , wenn wir nur vierzehn Tage zusammenblieben . « Der Gedanke , etwas dieser Art sei möglich und diese Möglichkeit werde ihm gerade in dem rechten Augenblicke so zufällig nahe gebracht , erheiterte den Geist des Majors dergestalt , daß er wirklich schon frischer und munterer aussah und , von der Hoffnung , Haupt und Gesicht mit seinem Herzen in Übereinstimmung zu bringen , belebt , von der Unruhe , die Mittel dazu bald näher kennen zu lernen , in Bewegung gesetzt , bei Tische ein ganz anderer Mensch erschien , Hilariens anmutigen Aufmerksamkeiten getrost entgegenging und auf sie mit einer gewissen Zuversicht blickte , die ihm heute früh noch sehr fremd gewesen war . Hatte nun durch mancherlei Erinnerungen , Erzählungen und glückliche Einfälle der theatralische Freund die einmal angeregte gute Laune zu erhalten , zu beleben und zu vermehren gewußt , so wurde der Major um so verlegener , als jener gleich nach Tische sich zu entfernen und seinen Weg weiter fortzusetzen drohte . Auf alle Weise suchte er den Aufenthalt seines Freundes , wenigstens über Nacht , zu erleichtern , indem er Vorspann und Relais auf morgen früh andringlich zusagte . Genug , die heilsame Toilette sollte nicht aus dem Hause , bis man von ihrem Inhalt und Gebrauch näher unterrichtet wäre . Der Major sah sehr wohl ein , daß hier keine Zeit zu verlieren sei , und suchte daher gleich nach Tische seinen alten Günstling allein zu sprechen . Da er das Herz nicht hatte , ganz gerade auf die Sache loszugehen , so lenkte er von weitem dahin , indem er , das vorige Gespräch wieder auffassend , versicherte : er für seine Person würde gern mehr Sorgfalt auf das Äußere verwenden , wenn nur nicht gleich die Menschen einen jeden , dem sie ein solches Bestreben anmerken , für eitel erklärten und ihm dadurch sogleich wieder an der sittlichen Achtung entzögen , was sie sich genötigt fühlten an der sinnlichen ihm zuzugestehen . » Mache mich mit solchen Redensarten nicht verdrießlich ! « versetzte der Freund ; » denn das sind Ausdrücke , die sich die Gesellschaft angewöhnt hat , ohne etwas dabei zu denken , oder , wenn man es strenger nehmen will , wodurch sich ihre unfreundliche und mißwollende Natur ausspricht . Wenn du es recht genau betrachtest : was ist denn das , was man oft als Eitelkeit verrufen möchte ? Jeder Mensch soll Freude an sich selbst haben , und glücklich , wer sie hat . Hat er sie aber , wie kann er sich verwehren , dieses angenehme Gefühl merken zu lassen ? Wie soll er mitten im Dasein verbergen , daß er eine Freude am Dasein habe ? Fände die gute Gesellschaft , denn von der ist doch hier allein die Rede , nur alsdann diese Äußerungen tadelhaft , wenn sie zu lebhaft werden , wenn des einen Menschen Freude an sich und seinem Wesen die andern hindert , Freude an dem ihrigen zu haben und sie zu zeigen , so wäre nichts dabei zu erinnern , und von diesem Übermaß ist auch wohl der Tadel zuerst ausgegangen . Aber was soll eine wunderlich-verneinende Strenge gegen etwas Unvermeidliches ? Warum will man nicht eine Äußerung läßlich und erträglich finden , die man denn doch mehr oder weniger sich von Zeit zu Zeit selbst erlaubt ? ja , ohne die eine gute Gesellschaft gar nicht existieren könnte : denn das Gefallen an sich selbst , das Verlangen , dieses Selbstgefühl andern mitzuteilen , macht gefällig , das Gefühl eigner Anmut macht anmutig . Wollte Gott , alle Menschen wären eitel , wären es aber mit Bewußtsein , mit Maß und im rechten Sinne : so würden