, das mir durch keinen Vorwurf diesen heiligen Moment verbittert . Denn daß ich Dich geliebt habe - Dich allein auf Erden - das wird Gott verzeihen , da ich muthig strebte , mich rein zu erhalten im Kampfe zwischen Neigung und Pflicht . Mein Alexander ! So dicht an der dunkeln Pforte stehend , die hinüber führt ins Land der Vergeltung , wo jedes schwere Opfer sich belohnt , und wo ich nicht vor mir selbst zu erschrecken brauche , oder vor dem , dessen Rechte ich gekränkt haben würde , hätt ' ich meinem Herzen gefolgt - da darf ich Dir es frei bekennen , daß Du der Abgott meiner Seele warst , daß mein erstes , erwachendes Gefühl , so wie das letzte , das nun bald der Tod verlöscht , nur Dich umfaßte . Und auch jenseits noch ! Ja , fest , wie ich an die Fortdauer eines höheren Daseyns glaube , glaub ' ich auch an die Dauer einer Liebe , in der allein ich erst , als sie mir klar wurde , die ganze Tiefe meines Wesens , den ganzen Umfang meiner geistigen Kraft erkannte . Starr vor sich niederblickend , betäubt durch den wonnevollen Schmerz dieses Geständnisses am Rande des Grabes , das , die Geliebte zu verschlingen , sich bereits geöffnet hatte , hörte Alexander ihr zu . So geh voran , Du Himmlische ! da uns hienieden das Glück nicht lächeln wollte , sprach er , geh voran in eine bessere Heimath - ich folge Dir bald ! Da ergriff Erna mit unbeschreiblicher Zärtlichkeit seine Hand , und drückte sie fest an das immer schwerer schlagende Herz . Ja , ich gehe voran , und werde Deiner warten , sagte sie ; aber gelobe mir , mein Geliebter , mir nicht eher zu folgen , ehe Gottes Wille , nicht der rasche Entschluß des Lebensüberdrusses und der Verzweiflung , Dein Ziel steckt . Alexander beugte sich herab auf ihre Hand , und flüsterte leise , in seinem Schmerz verloren : Du willst es - ich werde Dir gehorchen . Und nun laß uns scheiden ! fuhr sie fort . Trage das Leben , wie ein Mann , und gedenke oft dieser Stunde , der ersten und zugleich der letzten , die das Band meiner Zunge lösete , und mir gestattete , Dir zu bekennen , wie theuer Du mir bist . Und wenn dereinst - ach , das Schicksal hat kein Mutterherz ! - wenn meine Kinder - - noch sind sie unter der Obhut ihres Vaters , in dem Schutz , den ihnen die Natur anwies ; aber die Verhältnisse der Menschen sind so wechselnd und schwankend - wenn sie einst verlassen und einsam wären im engen kalten Leben , o dann , Alexander , liebe in ihnen ihre Mutter noch fort - nimm Dich ihrer an , sei ihr Freund , ihr Rathgeber , ihr zweiter Vater . - Betrachte sie immer als das heilige Vermächtnis Deiner Erna . Gelobst Du mir auch dies ? Er erwiederte : ich gelobe es ! Und nun empfange meinen letzten Abschiedsgruß , sprach sie , den innigen Segen eines Herzens , das Dich liebte bis in den Tod ! Ich werde meinem Gatten nicht verhehlen , daß ich Dich sah , aber ungern möcht ich , daß er Dich hier fände . Denn erst mein Grab wird friedlich wieder vereinen , was das Leben so feindselig geschieden hat . Daher erhalte mir die ungestörte Stille , die ich bedarf , um mich zu sammeln , und mein Gemüth würdig zu dem feierlichen Schritte vorzubereiten , der mich aus dieser mangelhaften Welt in eine bessere führt . Sie verhüllte bei diesen Worten ihr Antlitz , als wollte sie ihren Augen wehren , ihn länger anzuschauen . Noch einmal bebte der innige Druck ihrer Hand durch sein ganzes Wesen - dann winkte sie ihm zu , sich zu entfernen , und dumpf , in tonloser Betäubung , ohne sich dagegen aufzulehnen , oder irgend etwas zu erwiedern , folgte er gehorsam diesem stummen Befehle . Und als am andern Morgen Benedikt wie gewöhnlich hingegangen war , nach dem Befinden der Kranken zu fragen , kam er wieder mit der Nachricht , die ihm Auguste ertheilt hatte : Ihr sei jetzt recht wohl , denn bereits um Mitternacht sei sie verschieden . Er scheute sich , seinem Herrn diese Schreckensbotschaft zu bringen ; aber zu seiner Verwunderung nahm sie Alexander gefaßt , ja sogar in stiller Freundlichkeit des Gemüths auf , ohne scheinbar von ihr ergriffen zu werden . Denn mit jener stillen Zufriedenheit , mit welcher man den Piloten auf hohem Meere in seinem leichten Kahn mit den Wellen kämpfen und dann in einen sichern Hafen sich retten sähe , betrachtete er das letzte heilige Asyl , in das sie sich geflüchtet hatte , und das nicht mehr düster ist , sobald der Mensch nur die dunkle Schwelle erst überschritten hat , die dahin führt . Das Gefühl , aus welchem sich ihm die höchste Wonne so wie der bitterste Schmerz entwickelt hatte , erlosch nicht mit der irrdischen Flamme ihres Daseyns - es glühte fort in seiner Seele , und veredelte seinen Charakter immer mehr . Als bald darauf der Krieg endlich ausbrach , kämpfte er tapfer mit für die Freiheit und Unabhängigkeit seines Vaterlandes . Es war ihm wohl oft , als ob ein tiefes , lechzendes Sehnen ihn in den wildesten Sturm der Gefahren trieb - als wenn eine leise Hoffnung ihm zuflüsterte , dort , in blutiger Schlacht , werde sein Leben sich enden . Dann aber vernahm er jedesmal Erna ' s liebkosende Stimme , die ihm gebot , den Tod nicht zu suchen , und in stiller Ergebung sein Loos zu tragen . Seufzend unterwarf er sich der höheren Bestimmung , die vermittelst ihrer Wünsche ihn zu leben zwang , und so viel er des kriegerischen Lorbers auch brach , so war er doch stets nur muthig