, aber wenigstens sechzehn Jahre alt , stand vor mir . Schaut nur dort ins Buch hinein , das Bild ist ähnlich , und Ihr werdet gestehen müssen , daß es kein lieblicheres ausdrucksvolleres Antlitz geben kann , wozu Ihr aber rechnen müßt , daß das wunderbare , das Innerste entzündende Feuer der schönsten schwarzen Augen in keinem Bilde zu erreichen . Jeder , der nicht auf eine Schneehaut und Flachshaar erpicht ist , mußte das Gesichtlein für vollendet schön anerkennen , denn freilich war die Haut meiner Chiara etwas zu braun , und ihr Haar glänzte im brennenden Schwarz . - Chiara - Ihr wißt nun schon , daß die kleine Unsichtbare so geheißen wer - Chiara fiel vor mir nieder , ganz Wehmut und Schmerz , ein Tränenstrom stürzte ihr aus den Augen , und sie sprach mit einem unnennbaren Ausdruck : Je suis sauvée . Ich fühlte mich von dem tiefsten Mitleid durchdrungen , ich ahnte entsetzliche Dinge ! - Man brachte jetzt Severinos Leiche , ein zweiter Anfall des Schlages hatte ihn , gleich nachdem ich ihn verlassen , getötet . Sowie Chiara den Leichnam gewahrte , versiegten ihre Tränen , sie schaute den toten Severino an mit ernstem Blick und entfernte sich dann , als die Leute , die mitgekommen , sie neugierig betrachteten und lachend meinten , das sei wohl gar am Ende das unsichtbare Mädchen in dem Kabinett . Ich fand es unmöglich , das Mädchen allein zu lassen bei dem Leichnam , die gutmütigen Wirtsleute erklärten sich bereit , sie bei sich aufzunehmen . Als ich nun aber , nachdem sich alles entfernt , hineintrat ins Kabinett , saß Chiara vor dem Spiegel in dem seltsamsten Zustande . Mit fest auf den Spiegel gerichteten Augen schien sie nichts zu gewahren , gleich einer Mondsüchtigen . Sie lispelte unverständliche Worte , die aber immer deutlicher und deutlicher wurden , bis sie , Deutsch , Französisch , Italienisch , Spanisch wechselnd , von Dingen sprach , die sich auf entfernte Personen zu beziehen schienen . - Ich bemerke zu meinem nicht geringen Erstaunen , daß gerade die Stunde eingetreten , in der Severino das weibliche Orakel reden zu lassen pflegte . - Endlich schloß Chiara die Augen und schien in tiefen Schlaf verfallen . Ich nahm das arme Kind in meine Arme und trug sie herab zu den Wirtsleuten . Am andern Morgen fand ich die Kleine heiter und ruhig , erst jetzt schien sie ihre Freiheit ganz zu begreifen und erzählte alles , was ich zu wissen verlangte . - Es wird Euch nicht verschnupfen , Kapellmeister , unerachtet Ihr sonst auf gute Geburt was haltet , daß meine kleine Chiara nichts anders war als ein Zigeunermägdlein , die mit einer ganzen Bande des schmutzigen Volks auf dem Markte in irgendeiner großen Stadt , von Häschern bewacht , sich von der Sonne braten ließ , als eben Severino vorüberging . Blanker Bruder , soll ich dir wahrsagen ? rief ihn das achtjährige Mädchen an . Severino sah der Kleinen lange in die Augen , ließ sich dann wirklich die Züge seines Handtellers deuten und äußerte ein besonderes Erstaunen . Er mußte etwas ganz Besonderes an dem Mädchen gefunden haben , denn sogleich trat er zu dem Polizeileutenant , der den Zug der verhafteten Zigeuner führte , und meinte , er wolle was Erkleckliches geben , wenn es ihm vergönnt würde , das Zigeunermädchen mit sich zu nehmen . Der Polizeileutenant erklärte barsch , es sei hier kein Sklavenmarkt , setzte indessen hinzu , daß , da die Kleine doch eigentlich nicht zu den wirklichen Menschen zu rechnen und das Zuchthaus nur molestiere , so stände sie zu Befehl , wenn der Herr zehn Dukaten zur Stadtarmenkasse zahlen wolle . Severino zog sogleich seinen Beutel hervor und zählte die Dukaten ab . Chiara und ihre alte Großmutter , beide hatten die ganze Verhandlung gehört , fingen an zu heulen und zu schreien und wollten sich nicht trennen . Da traten aber die Häscher hinzu , schmissen die Alte auf den Leiterwagen , der zum Abfahren bereit stand , der Polizeileutenant , der vielleicht seinen Beutel in dem Augenblick für die Stadtarmenkasse halten mochte , steckte die blanken Dukaten ein , und Severino schleppte die kleine Chiara fort , die er dadurch möglichst zu beruhigen suchte , daß er ihr auf demselben Markt , wo er sie gefunden , ein hübsches neues Röcklein kaufte und sie überdies mit Zuckerwerk fütterte . - Es ist gewiß , daß Severino damals eben das Kunststück mit dem unsichtbaren Mädchen im Kopf hatte und in der kleinen Zigeunerin alle Anlagen fand , die Rolle der Unsichtbaren zu übernehmen . Neben einer sorgfältigen Erziehung suchte er auf ihren Organism , der zu einem erhöhten Zustande besonders geeignet , zu wirken . Er brachte diesen erhöhten Zustand , in dem ein prophetischer Geist in dem Mädchen aufglühte , durch künstliche Mittel hervor , - denkt an Mesmer und seine furchtbaren Operationen - und versetzte sie jedesmal , wenn sie wahrsagen sollte , in diesen Zustand . Ein unglückliches Ungefähr ließ ihn wahrnehmen , daß die Kleine nach empfundenem Schmerz vorzüglich reizbar war , und daß dann ihre Gabe , das fremde Ich zu durchschauen , bis zum Unglaublichen stieg , so daß sie ganz vergeistigt schien . Und nun geißelte sie der entsetzliche Mensch jedesmal vor der Operation , die sie in den Zustand des höhern Wissens versetzte , auf die grausamste Weise . Zu dieser Qual kam noch , daß Chiara , die Ärmste , oft tagelang , wenn Severino abwesend , sich zusammenkrümmen mußte in jenem Verschlag , damit , dränge selbst jemand in das Kabinett , doch Chiaras Gegenwart ein Geheimnis bliebe . Ebenso machte sie die Reisen mit Severino in jenem Kasten . Unglücklicher , fürchterlicher war Chiaras Schicksal als das jenes Zwerges , den der bekannte Kempelen mit sich führte , und der , in dem Türken versteckt , Schach spielen mußte . - Ich fand