ihnen bestimmt wären . - So endete der Tag und Frau Hildegard freute sich , dem Sohne im Bette wieder wie sonst die Hand reichen zu können , und in diesem Gefühle gelobte sie zur glücklichen Vermählung desselben , die Mutter Maria mit dem heiligen Kinde , die am Hause nur schlecht gemalt , vom Regen ausgelöscht war , wieder auffrischen zu lassen . Der gute Sohn sann aber inzwischen darauf , wie er seiner Mutter eine stete Gesellschaft lassen könnte und berechnete sich , wie viel Dank er dem alten Fingerling schuldig sei und wie dieser auch so einsam lebe . Da trug er ihr vor , ob sie sich nicht mit dem guten Manne vermählen wolle , im Grunde wären sie doch in Hinsicht aller Wirtschaftsangelegenheiten längst mit einander verbunden ; habe sie wegen ihres Schwindels sich sonst schon gegen ihren Willen vermählt , warum wolle sie jetzt nicht ihrem Alter und ihrer Bequemlichkeit dieselbe Gefälligkeit erweisen . Die Mutter wies das zwar von sich , sie sei schon neunzig Jahre , aber der Sohn meinte dennoch durch zu dringen , weil sie von ihrer Seite den Plan machte , Apollonien mit Meister Kugler zu verheiraten , wenn ihr entlaufener Mann für verschollen erklärt wäre , so daß ein Tag sie alle in gehörige Verbindungen versetzen könne . Der Mensch denkt und Gott lenkt . Am Morgen wurde Anna sehr erschreckt , sie konnte sich nicht gleich erinnern , wo sie erwache , das Zimmer erschien in der Morgenhelle anders , als Abends in der Lampenerleuchtung . Sie rief die Mutter , aber diese hatte schon Zimmer und Bett verlassen , und erst allmählich besann sie sich auf alles . Sie strählte ihre Haare am Fenster und flocht sie auf , des herrlichen Anblicks über den blumenreichen Garten erfreut und darum weniger eilfertig : das alles sollte nun bald ihr Eigentum sein , in dem Gedanken fühlte sie ein stolzes Glück . Ein sanfter Wind wogte mit Ästen und Gesträuchen und wie er diese einmal stärker niederbeugte , sah sie die Mutter auf einer Gartenbank neben Berthold sitzen , wie er sie herzlich küßte . Sie zitterte , sie wollte nicht glauben , aber der Wind trat immer stärker auf und es war nicht zu zweifeln ; mm suchte sie alles auf , Berthold und die Mutter zu entschuldigen , aber nichts wollte die Heftigkeit ihres Zorns erleichtern , als ein Strom von Tränen . Als sie noch weinte und ehe sie sich bezwingen konnte , trat die alte Frau Hildegard an ihrem Stabe ein und ließ durch ein paar Mädchen ein elfenbeinernes Schränkchen auf den Tisch in die Mitte der Stube setzen . Die Mägde gingen fort , die Alte hatte zu schwache Augen , um gleich die Tränen der künftigen Schwiegertochter wahrzunehmen , auch war sie sehr beschäftigt , die Seltsamkeiten des Schränkchens sorgsam auszupacken , so gewann Anna Zeit , sich etwas zu fassen . - » Das Schränkchen « , sagte Hildegard , » enthält den Mahlschatz der guten Mutter unsres Bertholds , wie wird sie sich freuen , wenn ein Blick aus jener Welt ihr gegönnt ist , diese Zeichen ihrer Liebe in Zeichen der Liebe ihres Sohnes verwandelt zu sehen . Ich , die ich viel älter war , als sie , sollte das alles noch vor meinem letzten Stündlein erleben . « - Anna kannte nichts von dem Geräte , freute sich aber an aller zierlichen Arbeit , während sie ungeduldig nach dem Fenster hinblickte , ob ihre schmerzliche Wahrnehmung sich ihr zu größerm Kummer wiederhole . - Frau Hildegard erklärte ihr nun die Bedeutung jeder einzelnen Gabe des Mahlschatzes . » Der Kranz mit drei Eicheln auf einem Stiele bezeichnet « , sagte sie , » die Unschuld , welche bisher unter dem höchsten Schutze der Dreieinigkeit gestanden , ihn überreichst du meinem Berthold am Hochzeittage , wogegen er dir die goldne Kette mit den Rubinen als ein Anerkenntnis deiner Unschuld verehrt . Dies ist das silberne Armgeschmeide , das ihr einander anlegt , als Zeichen , daß eure Hände nicht mehr frei sind . Dies ist der Schaugroschen , den du als Mietsgeld von dem Manne empfängst , ein Zeichen der treuen Dienste , die du ihm und seiner Wirtschaft leisten mußt . Dafür übergibst du ihm in der Hochzeitnacht dies feine Hemd , das du noch mit seinem Namen sauber zeichnest , und für das Hemde gibt er dir am Morgen diesen aus Silberdraht geflochtenen Gürtel , an welchem eine Geldtasche und ein Küchenmesser hängt , als Zeichen , daß du gegen jedermann das dir anvertraute Gut schützen sollst . « - Anna dankte ihr unter Tränen für alle die guten Lehren , sie wolle fleißig und treu wirtschaften , wenn nur Berthold gleiche Treue gegen sie erweise . Das Geheimnis ließ sich der Anfrage Hildegards nicht bergen , und Anna vertraute ihr , was sie eben gesehen und was vielleicht noch geschehe . Hildegard war betroffen , sie sagte , wenn auch jetzt zu diesen Zärtlichkeiten nur die Erinnerung der Stelle , wo er sich zuerst mit Apollonien begrüßt , den Stoff hergegeben habe , so sei freilich eine Rückkehr zu dem Jugendgefühle eine sorgliche Sache , weswegen sie immer noch wünsche , daß jene beiden einander ehelichen möchten und daß Anna einen Jüngling ihres Alters erwähle . Der Rat brachte die Jungfrau auf , sie schwor , daß sie ohne Berthold nicht leben könne , daß sie auch von Luther feierlich eingesegnet sei . Da gab ihr Hildegard den Trost , sie möchte nur schweigen und tun , als ob nichts sie kränke , damit nicht Unfrieden in die Ehe gesäet würde , sie wolle dafür sorgen , daß Apollonia nicht im Hause bleibe , so sei doch der Umgang weniger häufig . Zum Glück sei das artige Haus des Nachbars feil , das solle der Sohn für Apollonien kaufen und einrichten lassen . Sehr unbefangen , wie es der Unschuld ihres Herzens ziemte , traten