nämlich , gerührt von dem Elende einer armen Frau , die mit einem kleinen Kinde auf der Pilgerfahrt von der heiligen Linde ins Kloster einkehrte , ihren- « Hier unterbrach ein Besuch die Erzählung des Leibarztes , und es gelang mir , den Sturm , der in mir wogte , zu verbergen . Klar stand es vor meiner Seele , Francesko war mein Vater , er hatte den Prinzen mit demselben Messer ermordet , mit dem ich Hermogen tötete ! - Ich beschloß , in einigen Tagen nach Italien abzureisen und so endlich aus dem Kreise zu treten , in den mich die böse feindliche Macht gebannt hatte . Denselben Abend erschien ich im Zirkel des Hofes ; man erzählte viel von einem herrlichen bildschönen Fräulein , die als Hofdame in der Umgebung der Fürstin heute zum erstenmal erscheinen werde , da sie erst gestern angekommen . Die Flügeltüren öffneten sich , die Fürstin trat herein , mit ihr die Fremde . - Ich erkannte Aurelien . Zweiter Teil Erster Abschnitt Der Wendepunkt In wessen Leben ging nicht einmal das wunderbare , in tiefster Brust bewahrte Geheimnis der Liebe auf ! - Wer du auch sein magst , der du künftig diese Blätter liesest , rufe dir jene höchste Sonnenzeit zurück , schaue noch einmal das holde Frauenbild , das , der Geist der Liebe selbst , dir entgegentrat . Da glaubtest du ja nur in ihr dich , dein höheres Sein zu erkennen . Weißt du noch , wie die rauschenden Quellen , die flüsternden Büsche , wie der kosende Abendwind von ihr , von deiner Liebe so vernehmlich zu dir sprachen ? Siehst du es noch , wie die Blumen dich mit hellen freundlichen Augen anblickten , Gruß und Kuß von ihr bringend ? - Und sie kam , sie wollte dein sein ganz und gar . Du umfingst sie voll glühenden Verlangens und wolltest , losgelöset von der Erde , auflodern in inbrünstiger Sehnsucht ! - Aber das Mysterium blieb unerfüllt , eine finstre Macht zog stark und gewaltig dich zur Erde nieder , als du dich aufschwingen wolltest mit ihr zu dem fernen Jenseits , das dir verheißen . Noch ehe du zu hoffen wagtest , hattest du sie verloren , alle Stimmen , alle Töne waren verklungen , und nur die hoffnungslose Klage des Einsamen ächzte grauenvoll durch die düstre Einöde . - Du , Fremder ! Unbekannter ! Hat dich je solch namenloser Schmerz zermalmt , so stimme ein in den trostlosen Jammer des ergrauten Mönchs , der in finstrer Zelle der Sonnenzeit seiner Liebe gedenkend , das harte Lager mit blutigen Tränen netzt , dessen bange Todesseufzer in stiller Nacht durch die düstren Klostergänge hallen . Aber auch du , du mir im Innern Verwandter , auch du glaubst es , daß der Liebe höchste Seligkeit , die Erfüllung des Geheimnisses , im Tode aufgeht . - So verkünden es uns die dunklen weissagenden Stimmen , die aus jener , keinem irdischen Maßstab meßlichen Urzeit zu uns herübertönen , und wie in den Mysterien , die die Säuglinge der Natur feierten , ist uns ja auch der Tod das Weihfest der Liebe ! - - Ein Blitz fuhr durch mein Innres , mein Atem stockte , die Pulse schlugen , krampfhaft zuckte das Herz , zerspringen wollte die Brust ! - Hin zu ihr - hin zu ihr - sie an mich reißen in toller Liebeswut ! - » Was widerstrebst du , Unselige , der Macht , die dich unauflöslich an mich gekettet ? Bist du nicht mein ! - mein immerdar ? « Doch besser wie damals , als ich Aurelien zum erstenmal im Schlosse des Barons erblickte , hemmte ich den Ausbruch meiner wahnsinnigen Leidenschaft . Überdem waren aller Augen auf Aurelien gerichtet , und so gelang es mir , im Kreise gleichgültiger Menschen mich zu drehen und zu wenden , ohne daß irgend einer mich sonderlich bemerkt oder gar angeredet hätte , welches mir unerträglich gewesen sein würde , da ich nur sie sehen - hören - denken wollte . - - Man sage nicht , daß das einfache Hauskleid das wahrhaft schöne Mädchen am besten ziere , der Putz der Weiber übt einen geheimnisvollen Zauber , dem wir nicht leicht widerstehen können . In ihrer tiefsten Natur mag es liegen , daß im Putz recht aus ihrem Innern heraus sich alles schimmernder und schöner entfaltet , wie Blumen nur dann vollendet sich darstellen , wenn sie in üppiger Fülle in bunten glänzenden Farben aufgebrochen . - Als du die Geliebte zum erstenmal geschmückt sahst , fröstelte da nicht ein unerklärlich Gefühl dir durch Nerv und Adern ? - Sie kam dir so fremd vor , aber selbst das gab ihr einen unnennbaren Reiz . Wie durchbebten dich Wonne und namenlose Lüsternheit , wenn du verstohlen ihre Hand drücken konntest ! - Aurelien hatte ich nie anders als im einfachen Hauskleide gesehen , heute erschien sie , der Hofsitte gemäß , in vollem Schmuck . - Wie schön sie war ! Wie fühlte ich mich bei ihrem Anblick von unnennbarem Entzücken , von süßer Wollust durchschauert ! - Aber da wurde der Geist des Bösen mächtig in mir und erhob seine Stimme , der ich williges Ohr lieh . » Siehst du es nun wohl , Medardus , « so flüsterte es mir zu , » siehst du es nun wohl , wie du dem Geschick gebietest , wie der Zufall , dir untergeordnet , nur die Faden geschickt verschlingt , die du selbst gesponnen ? « - Es gab in dem Zirkel des Hofes Frauen , die für vollendet schön geachtet werden konnten , aber vor Aureliens das Gemüt tief ergreifendem Liebreiz verblaßte alles wie in unscheinbarer Farbe . Eine eigne Begeisterung regte die Trägsten auf , selbst den älteren Männern riß der Faden gewöhnlicher Hofkonversation , wo es nur auf Wörter ankommt , denen von außen her einiger Sinn anfliegt , jählings ab , und es war