sie selbst leistet , und über die sie sich ein hochmüthiges Zeugniß gibt . Ach , Sulpicia kennt Euer Geschlecht nicht , und hört den Rath derjenigen nicht , deren Erfahrungen sie belehren könnten ! Das Weib , das dem Geliebten die ganze Fülle ihrer Liebe zeigt , handelt höchst unklug ; diejenige aber , die von ihm eine gleiche Stärke und innige Erwiederung fordert , zeigt , daß sie nicht die geringste Menschenkenntniß hat . Tiridates ist jung , schön , beliebt und gesucht , tausend lockende Abenteuer , tausend üppige Gestalten winken ihm auf allen Seiten , und er soll die herkulische Kraft besitzen , dem Allem zu widerstehen , und aus diesen schimmernden Freudenkreisen freudig und ohne Rückblick in die Arme seiner kränkelnden , verblühten , verstimmten Geliebten zu fliegen ? Wahrlich , das ist zu viel von einem so gebrechlichen Wesen gefordert ! In wenig Tagen wird er zum Heere abgehen ; denn der Feldzug ist schon eröffnet . Nun wird Sulpiciens Qual verdoppelt beginnen . Ich fürchte mich darauf , sie nach seinem Abschiede wieder zu sehen , wenn Entfernung , Ungewißheit und Furcht ihr ohnehin bewegtes Gemüth in noch heftigere Spannung bringen werden . Auch Agathokles wird mit ihm Nikomedien verlassen - dann bin ich ganz einsam in der großen menschenvollen Hauptstadt . Er eilt diesmal sehr fortzukommen , es ist , als brennte hier der Boden unter seinen Füßen . Nun wahrlich , von dem Fehler der Eitelkeit , wenn ich ihn je gehabt hätte , würde ich hier ganz geheilt werden müssen . Schreibe mir bald und oft , lieber Bruder ! Deine Briefe werden eine Liebe , eine höchst nothwendige Abwechslung in das tödtende Einerlei bringen , in welchem mein Leben hier dumpf verschleicht . Wahrlich , wenn sich das nicht bald ändert , so werde ich meine ganze Munterkeit verlieren , und ein Gegenstück zu Sulpicien werden . Leb ' wohl ! Fußnoten 1 Hesperien , ein Name von Italien . 2 In den ägyptischen Tempeln standen Symbole , die unter Thier- und Pflanzengestalten allerlei Andeutungen , und geheimnißvolle Lehren für die Eingeweihten enthielten . Der Pöbel betete sie als Götter an . Die Diana von Ephesus , als Sinnbild der allernährenden Natur , wurde als eine hohe Frau mit vielen Brüsten vorgestellt . 3 Cappadocische Sclaven wurden zum Tragen der Sänften gebraucht . 44. Agathokles an Phocion . Hierapolis1 , im Mai 302 . Eine mörderische Schlacht ist vorüber , in der Tausende ihr Leben verloren haben , in der auch mir der Tod furchtbar nahe war , und ohne Constantins heldenmüthige Liebe mich unter die Myriaden seiner Opfer gerissen hätte . Wir sind geschlagen , und stehen am rechten Ufer des Euphrats . Das Lager ist bei Hierapolis aufgeschlagen , ich aber bin meinem Feldherrn , meinem Retter in die Stadt gefolgt , wohin ihn seine Wunde sich bringen zu lassen nöthigte , seine Wunde , die er für mich empfangen hatte . Er schläft im anstoßenden Zimmer , und ich eile dir Bericht von unserem Schicksal und meinem Leben zu geben , damit kein vergrößerndes Gerücht dich beunruhigen , und bei der Gewißheit unsrer Niederlage mein Schweigen dich mit Sorge um mich erfüllen möge . Galerius , der schon das vorige Jahr vergebens auf eine Gelegenheit geharrt hatte , Valerians schimpfliches Ende und die Schmach des römischen Namens durch einen entscheidenden Sieg an den Persern zu rächen , suchte jetzt , vielleicht mit mehr Hast als Klugheit , eine Schlacht zu liefern . Ein unglückliches Verhängniß hieß ihn die unabsehlichen Sandgefilde von Carrhae2 zum Schauplatze wählen , wo schon einst Crassus mit seinen Legionen in dem verrätherischen Boden und der glühenden Hitze seinen Untergang gefunden hatte . War er falsch berichtet , oder traute er sich allzuviel zu , genug , er griff wider den Rath aller seiner Kriegsobersten die weit überlegenen Perser wüthend an . Das Gefecht wurde heiß , die Römer erkannten die Ueberzahl der Feinde , ihre Gefahr , aber auch die Ehre ihres Namens , und die Schmach , die sie zu rächen hatten . Es wurde mit unerhörter Tapferkeit gestritten , allein der sandige Boden wich treulos unter unsern Füßen , und der Sonne senkrechter Strahl entglühte unsre Rüstungen zur unerträglichen Last . Die Perser , stets durch frische Schaaren ersetzt , erneuten sich unaufhörlich , wie das Haupt der Hydra , und boten unsern müden Armen immer frische Gegner dar . Ihre ganze Macht warf sich auf den Mittelpunkt unseres Heeres , wo Galerius befahl , er wurde durchbrochen , und nun war Verwirrung und Unordnung allgemein . Nur Constantin hatte Besonnenheit und Mäßigung genug , um seine Schaaren , unverwirrt von dem allgemeinen Lärmen , in festgeschlossenen Gliedern gegen die Brücke zu ziehen , die über den Euphrat führt , und in ihr die Hoffnung unsres Rückzugs zu erhalten . Die zerstreuten Haufen flohen jetzt in wilder Hast dem Strome zu , und Viele fanden in den Fluthen ihr Grab . Tiridates , auf den , als die Hauptursache des Krieges , jeder Perser seine Aufmerksamkeit gerichtet hielt , und der , zu stolz eine unrühmliche Sicherheit durch Verkleidung zu erkaufen , an Waffen , Helmbusch und der Heroengestalt vor Allen kenntlich , auch jetzt noch durch die Reihen sprengte , und erhielt , was noch zu erhalten war , sah sich auf einmal allein von einem großen Trupp Perser umringe . Widerstand war nicht möglich . Er gab dem Pferd die Sporen , und sprengte an den Euphrat3 . Die Feinde hatten ihn ereilt , keine Rettung blieb als in den Wogen . Er stürzte mit der ganzen Rüstung in die schäumende Fluth , ich hielt ihn für verloren , aber mit Riesenkraft kämpfte er gegen das Element , und erreichte das ziemlich ferne Ufer , wo ihn die Unsrigen mit lautem Freudengeschrei empfingen . Jetzt suchten die Perser unserm kleinen Haufen den Uebergang zu erschweren , aber Constantin vertheidigte die Brücke mit eben so viel Besonnenheit als Muth