Gasthof , und kam zum Mittagsessen selbst wieder zu ihm hinaus . - Er erzählte ihm : Walter habe den Morgen schon einigemal im Gasthofe nach ihm fragen lassen ; ... » was wird er wollen ? « - » Vielleicht eine Ausfordrung « , sagte Florentin . - » Leicht möglich , daß er sich von Ihnen beleidigt hält ! « - » Sie sehen « , sagte Florentin , indem er auf seinen Degen zeigte , » ich habe eine Vorbedeutung gehabt . - Die Uniform ist überhaupt gar nicht übel ; gewisse Menschen haben Respekt vor einer Uniform , weil diese das einzige ist , wodurch sie selbst sich Respekt zu schaffen wissen . « Während sie noch am Tisch saßen , kam folgendes Billett : » Florentin wird es nicht vergessen haben , daß er zur Musik abgeholt wird . Die Tante freut sich sehr , ihn diesen Abend zu sehen . Bereiten Sie ihn darauf vor , lieber Freund , daß er Waltern hier finden wird , und bitten Sie ihn in meinem Namen , des gestrigen fatalen Auftritts nicht weiter zu gedenken . Es war ein Mißverständnis . Walter hat seinen Irrtum eingesehen , und es wird nur auf Florentin ankommen , daß uns der Abend Friede und Freude bringt . Betty . « » Es war also eine Aussöhnung ! « sagte Florentin . - » Ich traue dem nicht so ganz « , sagte der Doktor ; » wegen einer Aussöhnung hätte er sicherlich nicht so oft nach Ihnen fragen lassen . « - » Ich wollte nur , Betty wäre nicht dabei zu schonen , mir ist er im innersten Herzen fatal . « - » Lassen wir ihn jetzt . Die Gräfin ist heiter und sehr wohl ; ich mußte ihr viel von Ihnen erzählen , sie hörte jedes Wort mit ganz besonderem Interesse an . Es sind auch Briefe vom Schloß diesen Morgen gekommen . Juliane und Eduard befehlen Ihnen ja hierzubleiben , bis sie herkommen . « - » Wollen sie kommen ? Wann ? « - » Vielleicht noch heute , in den nächsten Tagen aber gewiß . « Achtzehntes Kapitel Am Eingange des Hauses ward Florentin nach einem Seitenflügel gewiesen . Er trat in einen hochgewölbten Gang ; zwischen den Säulen gingen mehrere Personen still hinauf , nach dem Ende des Ganges , wo sich eine große Flügeltüre öffnete . Es war alles feierlich ernst ; die Schritte hallten von dem Boden wider ; die Idee eines Wohnhauses war verschwunden , es war der Eingang zum Tempel . Jetzt öffneten sich die Flügeltüren für ihn , ein hoher Dom umfing ihn . Er hörte noch die letzten Worte der Messe , die Versammlung erhob sich von ihren Knien , einige einzelne verweilten noch in tiefer Andacht . Der Orgel gegenüber befand sich ein Monument . Florentin ging näher hinzu , um es zu betrachten . Auf einem Sarkophag ruhte ein Genius in Gestalt eines Kindes , die Fackel entsank verlöschend seiner Hand ; es war nicht gewiß , ob er tot oder schlafend abgebildet war . Auf den Seiten des Sarkophags zeigten sich in halb erhobener Arbeit die Horen , die traurend , mit verhülltem Angesicht , eine nach der andern hinschlichen ; über dem Monument befand sich das Gemälde der heiligen Cäcilia , der Beschützerin der Tonkunst und Erfinderin der Orgel . Florentin erschrak fast , als er seine Augen zu dem Bilde aufhob ; es war die göttliche Muse , die in lichter , freudenreicher Glorie des großen Gedankens , über Tod und Trauer siegend schwebte . Das Gemälde jener heiligen Anna , das ihn , als er es zuerst gesehen , so ergriffen hatte , war nur ein schwacher Abglanz dieser Herrlichkeit . Im Anschauen verloren , vergaß er es völlig , daß es Clementinens Porträt sei , von dem er schon soviel gehört hatte . Nichts was an Menschen und Menschenwerk erinnert , war seiner Seele dabei gegenwärtig , nie hatte er die Göttlichkeit der Musik so verstanden , als vor diesem Angesicht . Die Sonne warf im Untersinken noch einen blendenden Strahl durch die hohen Fenster , die weißen Kerzen schimmerten blaß hindurch , alle Gegenstände leuchteten auf eine seltsame Weise , und bewegten sich wie Geister . Der Strahl fiel gerade auf das Gesicht der heiligen Cäcilia ; Farben und Züge waren verschwunden , es war nur ein blendender Glanz ; Florentin hätte in die Knie sinken mögen vor dieser Herrlichkeit . - Die Betenden standen auf : zuletzt erhob sich langsam von den Stufen des Altars die Gräfin Clementina . Es war eine edle schlanke Gestalt , etwas über die gewöhnliche Größe . Ein schwarzes glänzendes Kleid floß in reichen Falten bis zu ihren Füßen herab , und bedeckte die Arme bis zur weißen , feinen Hand . Auf der linken Seite trug sie ein Kreuz von Diamanten ; ein langer schwarzer Schleier verhüllte Kopf und Haare , so daß man nur die erhabene Haltung wahrnehmen konnte , auch das Gesicht war ganz davon verdeckt ; in der einen Hand , die sich auf Betty stützte , hielt sie ein weißes Tuch , die andre trug herabhängend eine Rolle . So wankte sie , sichtbar ermattet , vor Florentin vorüber , ohne ihn wahrzunehmen , ihre Augen blieben fest am Boden geheftet . Neben dem Monument war ein halb vergitterter Sitz , dort setzte sie sich ; Betty und einige junge Mädchen , die ihr gefolgt waren , bemühten sich geschäftig um sie her ; diese entfernten sich , und Clementina blieb allein . Sie hatte ihren Schleier aufgeschlagen , und sah die Blätter durch , die nun aufgerollt vor ihr lagen . Ihr Gesicht zeigte mehr als Reste ehmaliger erhabener Schönheit ; die Züge standen im reinsten , edelsten Verhältnis , aber eine Marmorblässe bedeckte sie . Waren ihre Augen unter den schöngewölbten Lidern gesenkt , so schien sie mit der leuchtenden Stirn , den bleichen , mit