hinter der Karte eine lange Rolle von Louis . Bouverot wollte diese Rolle nicht bezahlen ; » er habe « ( sagt ' er ) » nichts gesehen . « - » Wozu sitzt Ihr Croupier denn dort ? « sagte Schoppe und erklärte sie für Betrüger , wenn sie nicht zahlten . Man zahlte ihm , um größern Schaden zu vermeiden , den Gewinst . Er nahm ihn kalt und schied mit den Worten an die Pointeurs : » Meine Herren , Sie spielen hier doch mit ausgemachten Betrügern ; aber bloß weil ich sie kenne , haben sie mich bezahlt . « Unter dem Steif-und Blaßwerden der Interessenten ging er langsam mit seiner breitschultrigen gedrungnen Figur und mit seinem Knotenprügel unversehrt davon . - Augusti wünschte von Herzen - der Verfolgung wegen - , daß Bouverot den Bibliothekar nicht mehr kenne . Zu Hause fanden sie eine Einladung vom Minister auf Tee und Souper ; » die arme Tochter ! « ( sagte Augusti ) » Dieses Bouverot wegen muß die Halbblinde morgen an die Tafel . « - - Indes sieht sie doch unser Jüngling endlich wieder , und nur ein Frühlingstag sondert ihn vom teuersten Wesen ab ! - Hat Augusti recht : so trifft meine Bemerkung hier ein , daß ein guter Filou immer der motivierende Hecht wird , der den frommen Karpfensatz der Stillen im - Teiche zum Schwimmen bringt ; die versteckte Blattermaterie , die kalte Kinder auf einmal lebendig macht . 38. Zykel Lianens Augen heilten , aber nur langsam ; die Natur wollte sie nicht auf einmal aus ihrem düstern Kerker in die Sonne führen ; jetzt konnte sie erst , wie die Philosophen , mehr Licht als Gestalten erkennen . Gleichwohl gab der Minister den Kabinettsbefehl , sie müsse übermorgen die Harmonika spielen , bei dem Souper erscheinen und sogar den Salat machen und dabei ihre Blindheit maskieren . Er befahl zuweilen unmögliche Dinge , um so viel Ungehorsam zu finden , als sein Zorn zum Bestrafen brauchte ; gewisse Leute sind den ganzen Tag schon im voraus voll Ärger für irgendeine Zukunft , gleich dem Urinphosphor , der immer unter dem Mikroskope kocht , oder den Eisenhütten , worin jeden Tag Feuer auskommt . - Die Ministerin sagte dazu ein sanftes festes Nein . Über die Harmonika , sagte sie , habe sie in seinem Namen den Doktor gefragt , der es streng ' verboten , und das übrige sei eine Unmöglichkeit . Hier konnt ' er schon , so gut wurd ' es ihm , über mehrere Dinge ungehalten werden , besonders über das Fragen des Doktors , das aber gar noch - nicht geschehen war ; er wurde toll genug und schwur , er handle nach seinen Prinzipien und frage den Teufel nach fremden . Dieses Prinzip war dasmal der deutsche Herr . Die obige Anekdote nämlich - Bouverots Fürsorge für den reisenden Erbprinzen - oder die Absicht dabei war an beiden Höfen assemblee- und tafelfähig , und nur dem Fürsten Luigi verdeckt ; denn an Thronen gibt es fast für niemand Geheimnisse ( kaum für seine Frau ) als für den , der darauf sitzt , wie in Schallgewölben die Leute in fernen Winkeln alles laut vernehmen , nur der nicht , der in der Mitte steht . Der deutsche Herr war also im Hohenfließer Systeme die wichtige Pfortader und Lungenpulsader , womit auch Froulay sich wässern wollte . Dieser mußte durchaus der Gegenwart und der Zukunft oder zweien Herren dienen , von denen der Haarhaarer sehr bald seiner werden konnte . Bouverot war nicht bloß an Froulay den Minister , sondern auch den Vater geknüpft ; ein Mann wie er , der sich aus Italien ein ganzes Kunstkabinett nachfahren lässet und dessen Kunst-Kenntnisse eben ihn und den Fürsten so lange verknüpfen , mußte eine Madonna von solcher Karnation wie Liane und aus der römischen Schule und die noch dazu , von der Leinwand abgelöset , sich als eine volle atmende Rose bewegte , ein solcher mußte dergleichen zu schätzen wissen . Heiraten konnt ' er die Rose nicht wollen , da er deutscher Herr war . Er hatte sie seit seiner welschen Reise nicht gesehen - der Graf auch nicht - beiden wollte sie der Minister zeigen als eine Zahlperle von besonderer Weiße und Figur . Froulay hatte - was überhaupt öfter ist , als man denkt - gleich viel Eitelkeit und Stolz ; diesen gegen den Tadel , jene für das Lob . Aber ich müßte nun ein Turnierbuch schreiben , um sein Toben , Rennen , Lanzenstoßen in einem Gefechte , wo er unter den Fahnen der Feindschaft , der Eitelkeit und Habsucht diente , nur zum Teil auf die Nachwelt zu bringen . Er war so wenig totzujagen als ein Wolf . Alle Waffen waren ihm gleich , und er nahm immer schärfere und giftigere . In den alten gerichtlichen Zweikämpfen zwischen Mann und Frau stand gewöhnlich der Mann bis an den Magen in einem Loche , um seine Stärke zur weiblichen herabzubringen , und sie schlug gegen ihn mit einem in einen Schleier gewickelten Stein ; in den ehelichen aber scheint der Mann im Freien zu stehen und die Frau in der Erde und hat oft nur den Schleier ohne den Stein . - In diesem Gefechte stellte sich ein glänzender Friedensengel zwischen beide und fing die Wunden auf , nämlich Liane . Die Tochter , die eine schwärmerische Liebe für die Mutter und die weibliche Achtung des stärkern Geschlechts für den Vater hatte , und die so unendlich unter dem Zwiespalte litt , fiel der Mutter um den Hals und bat sie , ihr das zu erlauben , was der Vater fordere - sie wolle alles gewiß so machen , daß man nichts merke , sie wolle sich recht anstrengen und vorher besonders üben - ach er werde sonst ihrem armen Bruder nur noch ungewogner - diese Uneinigkeit bloß ihrentwegen sei ihr so schmerzlich und vielleicht schädlicher als das Harmonika-Spiel