Fieber , Liebe , nicht wahr ? - Es ist hohe Zeit daß ich aufhöre . 36. Lais an Aristipp . Welcher ungnädigen Nymphe bist du zur Unzeit in den Weg gekommen , Aristipp ? Wüßte ich nicht , wie wenig das war , das dich in so wunderbare Seelenzuckungen zu setzen scheint , und daß ein Löffel voll Wein , sey es auch vom besten Cyprier , niemanden berauschen kann , du hättest mich beinahe glauben gemacht , es sey dein Ernst . Aber vermuthlich wolltest du nur einen kleinen Versuch machen , wie weit du es in der Manier des jungen Kleombrotus bringen könntest . Ich würde dich beklagen , wenn du wirklich so wenig ertragen könntest als du vorgibst . Gut indessen , daß du mich gewarnt hast . Ich werde mir ' s gesagt seyn lassen , und mich wohl hüten , dich glücklicher zu machen als dir zuträglich ist . Wenn ein Tröpfchen Nektar in einem Becher voll Wasser dir schon so stark zu Kopfe steigt , was für Unheil würde eine ganze Trinkschale unvermischten Göttertranks in deinem Gehirn anrichten ? Ernstlich zu reden , lieber Aristipp , muß ich fast vermuthen , daß du mich über die kleinen Untreuen , wozu dich die schöne Timandra , vielleicht ohne Absicht und Wissen , verleitet , sicher machen willst . Wenn das deine Meinung wäre , mein Freund , so hättest du das unrechte Mittel ergriffen . Bleibe , wenn ich dir rathen darf , in deinem gewöhnlichen Ton , und verlass ' dich wegen des Uebrigen auf mich . Ich weiß wie viel man euch zu gut halten muß , und bei mir bist du vor den zwei häßlichsten Weiblichkeiten , der Eifersucht und der Rachlust , sicher . Ich werde immer ehrlich und aufrichtig mit dir verfahren , aber ich erwarte auch das Nämliche von dir . Syrakus , sagt man , hat die schönsten Weiber in ganz Griechenland . Findest du es wirklich so ? Sage mir gelegentlich ein Wort hierüber , und melde mir zugleich , wie meine neue Freundin mit ihrem sophistischen Liebhaber , oder wie man es nennen muß , haushält ? Etwas Kunst wird sie nöthig haben , wenn sie so viel Gewalt über ihn behalten will , als schlechterdings nöthig ist , wenn ein Mann sich glücklich durch uns fühlen soll . Doch sie ist in einer guten Schule gewesen , und die ehemalige Geliebte des Alcibiades kann des Raths einer Anfängerin nicht bedürfen . Wenn ich sie recht gesehen habe , so ist viel feiner Sinn , um nicht Schlauheit zu sagen , unter der naiven Einfalt versteckt , die ihr eine so eigene Anmuth gibt , und desto sichrer wirkt , weil sie mit Geist und Güte des Herzens verbunden ist . Sie ist wirklich ein liebenswürdiges Weib , und ich erlaube dir , ihr so gut zu seyn als dein Freund Hippias es gerne sehen mag . 37. Aristipp an Lais . Ich glaube wirklich , daß ich dir jüngst in einer Art von Fieber geschrieben habe , Laiska . Was ich schrieb mögen die Götter wissen ! Ich weiß nichts weiter davon , als daß in den ersten acht Tagen nach der Abfahrt von Korinth die Erinnerung an dich mein ganzes Wesen dermaßen ausfüllte , daß keine andere Vorstellung Platz neben ihr finden konnte . Wenn du glaubst , daß ein solcher Zustand ziemlich nah an Wahnsinn gränze , so bin ich völlig deiner Meinung ; oder vielmehr , um entschiedener Wahnsinn zu werden , hätte er vielleicht nur noch acht Tage dauern müssen . Indessen war ' s doch schon ein gutes Zeichen , daß mir nicht so ganz wohl bei der Sache war als wenn ich Kleombrotus gewesen wäre . Ich stand schon im Begriff mit einem Arzt davon zu sprechen , als wir , zu gutem Glücke , von Hermokrates , einem der angesehensten Männer der Stadt , zu einem großen Gastmahl eingeladen wurden . Die Gesellschaft war auserlesen , die Bewirthung ( um alles mit Einem Worte zu sagen ) Sicilianisch ; und wie die Fröhlichkeit nach und nach rauschender ward , gingen auch die großen Becher immer fleißiger herum . Ich schonte den herrlichen Syrakuser unsers reichen Wirthes nicht , und siehe da ! am folgenden Morgen , als ich meinen kleinen Rausch ausgeschlafen hatte , stand ich so heiter , unbefangen und lichtstrahlend vom Lager auf , als Helios115 aus den Armen der Thalassa.116 Du siehest , liebe Laiska , daß man an dem Gehirn eines ächten Sokratikers nicht so leicht verzagen darf . Indessen sind wir , wie gesagt , über das Gefährliche der Nympholepsie117 , über die du , Grausame , mich noch gar bespotten konntest , gänzlich einverstanden ; nur gegen die Folge , die du daraus ziehest , hab ' ich eine starke Einwendung . Der Satz , worauf du deinen Schluß gründest , mag in vielen Fällen gelten ; aber auf die Liebe läßt er sich nicht anwenden . Mit dieser Leidenschaft ist es ( übrigens ohne Vergleichung ) wie mit gewissen Krankheiten , wo eine kleine Gabe eben derselben Arzney das Uebel vermehrt , eine starke hingegen die trefflichste Wirkung thut . Auf diese Gefahr wag ' es also immerhin mit mir , schöne Hebe ! Vergiß daß ich nur ein Sterblicher bin , reiche mir die Nektarschale so voll wie einem Olympier , und du wirst Wunder sehen ! Timandra , die dich - liebt wäre vielleicht zu viel gesagt , mehr als von irgend einem schönen Weibe gefordert werden kann - aber , die dich neidlos bewundert , ist auf dein Andenken und deine Theilnehmung stolz . Sie scheint sich in ihrer neuen Lage wohl zu gefallen , und mein Egoist lebt in einer sehr vergnüglichen Ehe mit ihr . Er kann sich keine bessere Hausfrau wünschen , sie keinen Mann bei dem sie es in allen Stücken besser hätte ; so daß ich nicht sehe , warum ihre Verbindung