ist es mit dem Tabea-Haus . Es kommt – darin seine Bestimmung erfüllend – allerdings Armen- und Waisenkindern zugut , aber immer nur Waisenkindern aus dieser oder jener oft sehr entfernten Stadtgemeinde , während noch kein Siethener Kind als Pflegling in das Haus aufgenommen werden konnte , selbst dann nicht , wenn beide Eltern weggestorben waren . Es ist eben in solchem Falle der nächsten Anverwandten Amt und Ehrensache , für die Verwaisten einzutreten , und sie würden sich mit einem nicht zu tilgenden Makel behaften , wenn sie sich dieser Pflicht entschlagen wollten . Und ablehnend wie gegen Tabea-Haus und Leichenhalle verhalten sich die Siethener auch gegen die Wohltat einer selbständigen Pfarre , trotzdem ihnen , wie schon hervorgehoben , ein sehr bedeutendes und vollkommen ausreichendes Kapital zu diesem Zwecke zugesichert wurde . Hier spricht nun freilich außer Gewohnheit und Pietät auch noch ein drittes und viertes mit : Argwohn und unendliche Schlauheit . Aus Tradition und eigner Erfahrung weiß der Bauer , daß sich an jedes Geschenk über kurz oder lang eine Pflicht zu knüpfen pflegt , und dieser aus dem Wege zu gehn , ist er unter allen Umständen entschlossen . Ein Pfarrhaus ist bewilligt worden , gut ; aber es kann doch eine Zeit kommen , ja , sie muß kommen diese Zeit , wo die Fenster im Pfarrhause schlecht , die Staketenzäune morsch und die Dachziegel bröcklig werden . Und wer tritt dann ein ? Von wem erwartet man dann die Hilfe ? Natürlich von der neuen Kirchengemeinde , der der neukreierte Herr Pfarrer nunmehr vielleicht seit lange schon , seit einem Menschenalter und länger in Ehren und Würden vorgestanden hat . Und das will der Bauer nicht . Er weiß nichts von timeo Danaos , aber er hat alle darin verborgene Weisheit und Vorsicht in seinem Gemüte und jederzeit abgeneigt den Beutel zu ziehen , auch wenn es sich erst um weit , weit ausstehende Dinge handelt , bleibt er lieber Filial , als daß er sich der Auszeichnung eines eignen Pfarrsitzes 52 erfreuen sollte . Der Kirchhof , auf den wir jetzt zurücktreten , ist reich an Steinen und Kreuzen , auf denen einzelne klangvolle Namen zu lesen sind . » Ernst Karl Leopold von Uslar-Gleichen « und an andrer Stelle : » Hier ruht Frau Clara von Chaumontet , geb . Gräfin zu Dohna « . Beide waren Scharnhorstsche Verwandte , die hier vom Tod überrascht oder doch zu früher Lebensstunde von ihm gebannt und festgehalten wurden . Aber auch solche ruhen hier , die der Tod an diese Stelle nicht unerbittlich bannte , sondern die sich ' s umgekehrt als einen letzten Wunsch ausbaten , hier ruhen zu dürfen . » Ihrem Wunsche gemäß ruht hier Sophie Elisabeth Luise Honig , geboren zu Berlin den 17. März 1790 , gestorben ebendaselbst den 21. November 1843 . « Ihr Vater hatte Siethen bis Ende des Jahrhunderts besessen , und in Kindertagen hatte sie hier gespielt . Hier zwischen den Gräbern . Es war ihr in Erinnerung geblieben , und nun verlangte sie ' s nach dieser Stelle , der einzigen vielleicht , an der sie glücklich gewesen war . Eine größere , von einem Eisengitter eingefaßte Grabstätte liegt in der Mitte des Kirchhofs , fast dem Tabea-Hause gegenüber . Es ist die Stätte , wo beide Johannas von Scharnhorst , Mutter und Tochter ruhn . Ein Steinkruzifix , wie das Gröbensche , steht zu beider Häupten und nur zu Füßen des Gekreuzigten erhebt sich an dieser Stelle noch eine zweite Figur : eine betende Maria . Blumen und Efeu wachsen über die Gräber hin und Trauereschen umstehen das Gitter . In den Sockel des Kruzifixes aber sind folgende Namen und Daten eingetragen : » Johanna von Scharnhorst , geborne Gräfin von Schlabrendorf , geboren am 22. April 1803 , gestorben am 6. Januar 1867 . « Und links daneben : » Johanna von Scharnhorst , den 16. November 1825 zu Trier geboren , den 13. Oktober 1857 zu Wildbad dem Herrn entschlafen . « * Und nun nehmen wir Abschied und schreiten ohne weitere Säumnis aus dem Dorf auf die schmale Dammstelle zu , die , genau halbenwegs zwischen den Schwesterdörfern , eine mit wenig Bäumen bestandene Landenge bildet und nach rechts hin einen Blick auf den Siethener und nach links hin auf den Gröbener See gestattet . In gleicher Schönheit breiten sich beide vor uns aus , aber während der mehr flachufrige Gröbener See sich endlos auszudehnen und erst am Horizont inmitten einer im blauen Dämmer daliegenden Hügelkette seinen Abschluß zu finden scheint , ist der Siethener enger und dichter umstellt und die Parkbäume neigen sich über ihn und spiegeln sich darin . Auf beiden ruht derselbe Frieden und dieselbe Schwermut . Und diese Schwermut ist ihr Zauber . Ein matter Luftzug geht und nur matter noch geht und klappert die Mühle . Die Wasserente taucht , und aus der Tannenschonung steigt ein Habicht auf , um die letzten Sonnenstrahlen einzusaugen , – jetzt aber verflimmert es rot und golden im Gewölk und im selben Augenblick schießt er wieder ins Dunkel seiner Jungtannen nieder . Auch die Mühle schweigt und der Wind . Und alles ist still . Der Scharnhorst-Begräbnisplatz auf dem Berliner Invalidenkirchhof Der Scharnhorst-Begräbnisplatz auf dem Berliner Invalidenkirchhof » Grüß euch Gott , ihr teuren Helden , Kann euch frohe Zeitung melden : Unser Volk ist aufgewacht ; Deutschland hat sein Recht gefunden ; Schaut , ich trage Sühnungswunden Aus der heilgen Opferschlacht . « Max von Schenkendorf Johanna von Scharnhorst ruht auf dem Dorfkirchhofe zu Siethen , alle anderen von Scharnhorsts aber , Kinder wie Enkel , ruhen auf dem Invalidenkirchhofe zu Berlin und zwar in einem Halbkreis um das ihrem berühmten Vater , beziehungsweise Großvater ebendaselbst errichtete Grabdenkmal her . Dies Grabdenkmal entstand in den zwanziger Jahren , einer Gegenströmung unerachtet , an der es damals nicht fehlte und auch viel früher schon nicht gefehlt hatte . Die Anfänge davon zeigten sich bereits unmittelbar nach dem Tode