. Rechts : Caroline Christiane Emilie Gräfin von Schlabrendorf , geb . von Ryssel , geb . 4. Oktober 1797 , gest . 2. September 1858 . Das Kruzifix ist einer süddeutschen Arbeit nachgebildet und zeichnet sich durch Stil und Schönheit aus . Seine vergoldeten Nägelköpfe fielen ein paar vorüberziehenden Strolchen zum Raube , die hier mit frecher Hand eine Verstümmlung übten ; aber die Verstümmlung hat dem Heilandsbild in nichts geschadet , und nur ernster und ergreifender sprechen seitdem seine dunklen Male . Siethen jetzt Auch Siethen hat nur ein märkisches Durchschnittsansehen , verfügt aber , ebenso wie Gröben , über Denkmäler , alte und neue , von einem gewissen historischen Interesse . Dahin gehören die Kirche , der Kirchhof und vor allem auch die Stiftungen , die die beiden Scharnhorstschen Frauen , Mutter und Tochter , hier ins Leben riefen . Unter diesen Stiftungen steht das 1855 interimistisch , in seiner gegenwärtigen Gestalt aber erst 1860 als Erziehungs- und Waisenhaus gegründete Tabea-Haus obenan . Es ist ein schlichtes , einstöckiges Gebäude , das baulich wenig auffällt . In einem Vorgarten spielen Kinder und überraschen ebenso sehr durch den freundlichen Ausdruck ihrer Augen , wie durch die Sauberkeit und Gleichförmigkeit ihrer Tracht . Über das Walten in diesem Hause , desgleichen über die Bestimmung , Einrichtung und Ausschmückung seiner Räume , geh ' ich hinweg und begnüge mich eines Bildes Erwähnung zu tun , das in dem in Front gelegenen Empfangszimmer hängt . Es ist ein von dem Maler Professor Remy herrührendes Bildnis Fräulein Johannas in Diakonissentracht , aus dem all das spricht , was ihr Wesen ausmachte : Güte , Demut , frommer Sinn und eine dem Irdischen bereits abgewandte Freudigkeit . Auch jene blühenden Farben fehlen nicht , die , mehr als damals geahnt , auf eine nur kurze Pilgerschaft hindeuteten . Gegenüber dem Tabea-Hause liegt die ( wie die Gröbensche ) wohl auch dem dreizehnten Jahrhundert entstammende Feldsteinkirche . Während aber die Gröbener in den fünfziger Jahren einen Neubau erfuhr , erfuhr die Siethener eine bloße Renovierung . Diese richtete sich unter anderm auch auf Wiederherstellung der sehr malerischen aber zum Teil verblaßten und unscheinbar gewordenen Wappenschilde , die die Wandung der Emporen umkleideten und ungefähr einer Namensaufzählung aller Familien , mit denen die Schlabrendorfs einst versippt und verschwägert waren , entsprachen . Aus der Reihe dieser Familien nenn ' ich nur folgende : Pfuel , Hake , Katte , Waldenfels , Wuthenow , Schlieben , Putlitz , Krummensee , Burgsdorf , Schulenburg , Thümen , Blumenthal , Schöning , Arnim , Wedel , Bellin . Über minder gekannte geh ' ich hin und hebe nur noch hervor , daß es die beiden Kusinen Johanna von Scharnhorst und Agnes von Scharnhorst waren , die sich dieser mühevollen und Jahr und Tag in Anspruch nehmenden Arbeit unterzogen . Aus der Kirche treten wir auf den schönen im Schutze prächtiger Bäume gelegenen Kirchhof hinaus und werden an seiner nordwestlichen Einfassungsmauer eines ansehnlichen , in romanischem Stile gehaltenen Baues ansichtig , der unsere Neugier weckt . Auf unsere Frage hören wir , daß es die schon erwähnte Grabkapelle samt Leichenhalle sei , die Frau von Scharnhorst – auch darin einem von der Tochter geäußerten Wunsche willfahrend – um das Jahr 1860 und zwar unter Aufwand ziemlich bedeutender Mittel errichtet habe . Zu Nutz und Frommen der Siethener aber – nur in Absicht und Vorstellung . In Wirklichkeit ist noch kein Toter aus Siethen in diese Halle gestellt und noch kein Totengebet über ihn hin in der unmittelbar anstoßenden Kapelle gesprochen worden . Und hier ist nunmehr die Stelle gegeben , wo Kritik geübt werden muß , ich weiß nicht , ob mehr an den Siethenern oder an den zwei frommen Frauen . Dieser letzteren Tun und Wirken war unzweifelhaft in hohem Maße segensvoll und förderte nicht bloß , wie sich statistisch nachweisen ließe , jegliches Gute , sondern stimmte die Dorfbevölkerung auch zu ganz aufrichtigem und in mehr als einem Falle zu geradezu bewunderndem Dank . An dieser erfreulichen Hauptsache wird nichts geändert . Aber andrerseits gingen beide Damen in ihrem Hochfluge gelegentlich zu weit , und wie Kaiser Joseph einst dem österreichischen Volke mehr Aufklärung gab , als es haben wollte , so gaben hier die Scharnhorstschen Damen ihren Siethenern ein Maß von Fortschritt , Wohltat und Hilfe , das über das Verständnis und jedenfalls über Wunsch und Bedürfnis all derer hinausging , die dadurch beglückt werden sollten . Beide Damen verkannten die bäuerliche Natur , unterließen es , die Macht der Gewohnheit und Sitte gebührend in Rechnung zu stellen , und scheiterten deshalb in allem , was über die direkte persönliche Hilfe hinauslag und im besten Sinne reformatorisch gemeint , aufs Allgemeine hin angesehen sein wollte . Dies zeigte ich bei jeder ihrer Stiftungen : bei Grabkapelle , Leichenhalle , Tabea-Haus , und zwar in immer gleicher oder doch verwandter Weise . Die Grabkapelle samt Leichenhalle war darauf berechnet , namentlich bei Typhusepidemien vor den Gefahren der Ansteckung zu schützen . Aber das war lediglich im Sinne der Humanität und keineswegs im Sinne der Siethener gedacht . In Siethen verstieß es gegen das Herkommen , und jeder Tagelöhner und Büdner sagte : » Gefahr hin , Gefahr her . Es paßt sich nicht und ist schlecht und feige , solcher Gefahr aus dem Wege gehen zu wollen . Unser Vater oder Kind ist nun tot , ist uns genommen nach Gottes Willen , und ob wir ' s bequem haben oder nicht , dieser Tote , solange er über der Erde , gehört in unser Haus und uns liegt es ob , an seinem Sarge zu wachen , unbekümmert darum , ob er uns nachzieht oder nicht . « Es mag dies vor dem Verstande schlecht bestehen , vor dem Herzen desto besser , und ich habe nicht den Mut , einer Gemeinde zu grollen , die lieber ihre Leichenhalle zerfallen sehn , als ihre Toten vor dem Begräbnis aus dem Auge lassen will . Ein Ähnliches