nicht , zu erklären - Graf Hugo wäre von seinem Unfall zu sehr erschüttert , um mit ihm geschäftlich zu verkehren ... Er würde demzufolge seine Reise nach Italien beschleunigen ... Der Chorherr wurde unwillig ... Er beklagte , den Abend nicht frei zu haben , um ihm diesen Plan gründlich durch eine Zerstreuung auszureden ... Er scherzte und sagte , er würde zu der Italienerin gehen , die heute früh schon um seinetwillen ihr stilles Hans alarmirt hätte und die würde ihn schon festhalten ... Wissen Sie denn nicht , welche Connexionen Ihnen für Italien und Rom entgehen ? ... Die Menschen muß man , gleichviel ob sie gut oder schlecht sind , blos als Material benutzen , um sich daraus das Leben auf seine Weise zu gestalten ... Bleiben Sie heute Abend zu Hause , lesen Sie für diese möglicherweise folgenschwere Audienz im Conversations-Lexikon drüben bei mir , machen Sie ' s wie die Großen , wenn sie imponiren wollen ... Den ersten besten Artikel z.B. über die Muschelkalkversteinerungen lernen Sie auswendig und bringen Sie das Gespräch durch eine einzige geschickte Wendung auf - urweltliche Austern - Sie wissen , die Diplomatie beißt da immer an - und lassen Sie dann einige entsprechende Citate von Cuvier und andern fallen , so sind Sie ein gemachter Mann ! Denn man wird glauben , » urweltliche Austern « wären bei Ihren Kenntnissen das tägliche Brot ... Nein , nein ! ... Der Fürst steht freilich schon , hör ' ich , auf dem Standpunkt des Fertigseins , wo sich ein Großer nach einer Audienz nicht mehr sagt : Wie hat mir der Mann gefallen ? sondern : Wie hab ' ich ihm gefallen ? ... Aber das Ereigniß bleibt darum merkwürdig an sich ! ... Sie bleiben und nehmen jedes Anerbieten ... Unser Curs steht noch leidlich ... Einmal fängt man überhaupt an ... Gewiß , gewiß ! ... Ich werde Sie reisen lassen ! ... Der Chorherr schloß Benno fast ein ... Es war acht Uhr ... In der Ferne hörte Benno das Rollen in den Straßen ... Es war wie das Rauschen des Meeres ... Nun begannen diese Abende der Geselligkeit ... Diese Sicherheit der Lüge und des Zwanges ... Mit Herzen voll Trauer können andere lächeln ... ... Wegtändeln sollst auch du solche Lebensbürden ! ... Sollst morgen - nach diesem Heute ? ... Nein , wie könntest du , ohne Aufsehen und mit einem triftigen Grund , schnell und ungehindert von dannen kommen ? ... Er ordnete seine Effekten ... Da wurde an seine Thür gepocht und der Mohr des Principe Rucca , in weißen Kleidern mit Goldtressen , erschien , um ihn abzurufen ... Der Wagen stünde unten ... sagte er in gebrochenem Italienisch ... Benno entschuldigte sich und zeigte auf seine Haustoilette ... Der Mohr verstand nur halb , ging und kam mit dem Principe selbst ... Aber mein Himmel , rief dieser , was ist das ! Sie hatten uns ja versprochen - ... Vergebung , Hoheit , ich bedauere - Ich fühle mich nicht wohl ... Aber der Cardinal erwartet Sie ja schon ... Sie müssen kommen ! ... Benno schützte seine Erschöpfung vor , die Nachwirkung der traurigen Eindrücke des Tages ... Auch eine wichtige Einladung auf morgen in der Frühe ... Principe Rucca machte eine Physiognomie , wie ein Kind , dem man ein Naschwerk versagt ... Seine rothe gestickte Uniform schien er einen Augenblick zu vergessen ... ... Sein schwarzes Bärtchen wäre ihm ohne Zweifel sonst ebenso wichtig gewesen wie sein großer Stern auf der Brust - das Pflaster hatte er abgelegt - Jetzt zerzupfte er vor einem Spiegel die Feder an seinem Galahut ... Ich kann mich ja nicht sehen lassen ! sagte er ... Der Cardinal wollte Sie schon mit dem Bisthum überraschen für Ihren - Herrn - Bruder - nicht wahr ? ... Die Herzogin hat ihm alles erzählt ... Die Gräfin hat sogleich an den Onkel geschrieben : Der heiligste Priester der Welt ist gefunden ! ... Die Sühne für die Existenz eines Fefelotti auf Erden ! Der Bruder des Herrn Baron von Asselyn ! ... O machen Sie keine Scherze ... Kommen Sie ! ... Ich wage ohne Sie nicht zum Cardinal zu fahren ... Ihr Bruder soll sogleich nach Wien kommen ... Wenn er nur etwas Italienisch spricht , so braucht er nur hier an unserer Kirche » Maria zum Schnee « dreimal zu celebriren und ist Bischof von Robillante ... Das Uebrige findet sich ... Benno blieb bei seiner Weigerung ... Der Principe mußte in seinen Wagen allein zurückkehren ... Er ging wie ein Kind , das eine große Strafe fürchtet , und verlangte fast einen Schwur , daß Benno morgen im Palatinus beim Diner nicht fehlte ... In höchster Aufregung blieb Benno zurück ... Er hatte an Bonaventura , an den Onkel Dechanten , an seinen Bruder , den Präsidenten schreiben wollen ... Nun ging er rathlos in seinem Zimmer auf und nieder ... Es schlug neun ... Es schlug zehn ... Da klopfte es heftig am Hausthor und in dem stillen Priesterhause wurde es noch einmal lebendig von einer lauten Stimme , die nach ihm fragte ... Er erkannte Harry Zickeles , der ihm noch einen an sein Haus adressirten Brief von dreifachem Porto brachte ... Ich dachte , daß es Ihnen angenehm sein würde , den Brief bald zu haben - sagte er , als er sich erschöpft niedergelassen ... Aber daß Sie zu Hause sind ! Wer hätte das erwartet ! ... Ganz Wien ist voll von dem Unglück mit der armen Angiolina , das Sie erleben mußten ... Mein Bruder Percival laßt auf sie eine Ode drucken ... Der Graf muß in Verzweiflung sein ... Ich war in der Josephstadt ... Ein neues » Ausstattungsstück « ... Charmant für die dortigen Kräfte ... Aber morgen speisen Sie bei uns ? ... Nein ? ... Warum nicht ? ... O dann kommen Sie den Abend ! ... Der