, daß er uns gnädig ist und seinen Willen tut nach seinem Rat und nicht nach unserem verkehrten Denken . « Und dieser Rat und Wille war , daß sie von uns genommen werden sollte . Wenige Tage , nachdem dieser Brief geschrieben , stellten sich heftige Fieberphantasien ein , in denen die Kranke wunderbare Gesichte hatte ; sie sah Gott und Christum und sprach mit ihnen , und nach einer dieser Erscheinungen sagte sie fest und freudig : » Und wenn du gefragt wirst , ob die Herrlichkeit des Herrn wirklich so groß sei , dann sage getrost und getreulich : ja . « Wir aber waren daheim mit unseren Gedanken unausgesetzt um sie , geteilt zwischen Furcht und Hoffnung . Und auch am 13. Oktober abends versammelten wir uns alt und jung wieder in der erleuchteten Kirche zu Siethen und beteten unter vielen Tränen um Erhaltung ihres teuren Lebens . Aber um eben diese Stunde ging ihre Seele in die ewige Heimat ein . Ihre Hülle wurde nach Siethen übergeführt und im Beisein vieler Hunderte von nah und fern begraben . Auch das alte Fräulein von Görtzke kam von Groß-Beuthen her herüber und sagte bewegt : » Es war doch ein reich gesegneter Tag , an dem sie auf diese Erde kam . « * Alles , was der Mutter noch an Lebensfreude geblieben war , war nun dahin , und das einfache Haus , das seitens der Tochter vor wenig Jahren erst zum Troste Verwaister gegründet worden war , es war jetzt wie mitgegründet für sie . Denn sie war auch verwaist , eine verwaiste Mutter , und der Tochter zu folgen der einzige Wunsch noch , der ihr Herz erfüllte . Sie sehnte sich nach Wiedervereinigung mit ihr und als der Todesjahrestag gefeiert werden sollte , sagte sie : » Mir ist , als ob wir heut ihren Geburtstag feierten . Ich fühle mich fremd und allein hier und möchte sie doch nicht wiedersehn auf dieser armen Erde . « Von Aufgaben war ihr nur noch eine geblieben : Ausführung alles dessen , was der Tochter einst ein Wunsch gewesen . Und sie begann damit . Aber eh ' ein Jahr um war , unterbrach ein neuer Todesfall das eben erst Begonnene : die verwitwete Gräfin Schlabrendorf starb und hinterließ ihr , der Schwägerin , das Gröbener Erbe . Dies hätte nun unter Umständen eine Freude sein können , aber es entsprach wenig den Frau von Scharnhorstschen Ansprüchen und Neigungen , und von dem Augenblick an fast , wo sie das Erbe hatte , beschäftigte sie der Wunsch , es wieder los zu sein . Sie fühlte sich durch dasselbe nicht gefördert und gehoben , sondern nur beengt und gebunden in dem , was ihr einzig und allein noch in der Seele lag , und so kam sie zu dem Entschlusse , beide Güter zu verkaufen . Aber an wen ? » Nur an einen Wohlhabenden « , so schrieb sie , » der meinen braven Leuten , wenn sie des Beistandes bedürftig sind , diesen Beistand auch leisten kann und leisten will – nur an einen wohlhabenden Mann von ehrenwerter und frommer Gesinnung will ich die Güter verkaufen , ohne Rücksicht auf einen höheren oder geringeren Preis . « Einen solchen Käufer glaubte sie schließlich in Herrn von Jagow-Rühstaedt , Erbjägermeister der Kurmark Brandenburg , gefunden zu haben , der denn auch , nach längeren Unterhandlungen , die beiden Güter für die Summe von 120000 Talern an sich brachte . Sie selbst erhob nur noch den Anspruch : in Gröben das Herrenhaus beziehen und es auf Lebenszeit als ihren Witwensitz ansehen zu dürfen . Diese Bedingung wurde gern erfüllt und im Frühjahr 1860 erfolgte Frau von Scharnhorsts Übersiedelung aus dem Herrenhause zu Siethen in das zu Gröben . Es wurd ' ihr sehr schwer , dieser Umzug und Ortswechsel , und ich finde darüber in einem mir vorliegenden Schwesternbriefe das Folgende . » Frau v. S. ließ mich rufen , und wir waren nun das letzte Mal in dem traulichen Siethner Herrenhause zusammen , in dem sie vierunddreißig Jahre lang in Segen gewirkt hatte . Sie war sehr ernst , las mit mir das zweiundvierzigste Hauptstück aus Thomas a Kempis Nachfolge Christi und rief dann ihre Leute herein , um sich von ihnen zu verabschieden . Alles weinte . Danach erhob sie sich , sah sich noch einmal in den alten Räumen um und ging endlich , meine Hand ergreifend , mit mir nach dem Asylhause hinüber . Da legte sie sich nieder und erst als sie wieder Fassung gewonnen hatte , fuhr sie nach Gröben , das nun , wider ihren Willen , ihr neues Heim geworden war . « In diesem lebte sie noch sieben Jahre , all jenen Aufgaben hingegeben , die die schöne Hinterlassenschaft ihrer Tochter Johanna bildeten . An die Stelle des alten Fachwerkhauses in Siethen , das fünf Jahre und länger als Zufluchts- und Pflegestätte gedient hatte , trat ein massiver Neubau , der den Namen » Tabea-Haus « erhielt , auf dem Kirchhof ebendaselbst entstand eine Grabkapelle nebst einer daran anschließenden geräumigen Leichenhalle , vor allem aber wurd ' ein Kapital angesammelt und deponiert , aus dem , nach Ablauf einer bestimmten Frist , ein Pfarrhaus und eine selbständige Siethner Pfarre gegründet werden sollte . Die Durchführung aller dieser Pläne bot ihr das , was ihr ein immer einsamer werdendes Leben überhaupt noch bieten konnte : den Trost und die Freude der Arbeit . Ebenso wuchs ihre Liebe zu den Kindern , deren Heiterkeit sie suchte wie der Fröstelnde die Sonne sucht . Endlich aber war die Stunde da , nach der sie sich seit lange gesehnt . » Als ich von Siethen herüberkam und ihre Hand faßte , kannte sie mich nicht mehr ; sie war ohne Bewußtsein . Der Geistliche las ihr , wie sie ' s in gesunden Tagen eigens gewollt hatte , Bibelsprüche vor , von denen sie den schönen Glauben unterhielt , daß