das Bisthum Robillante frei geworden ... Man sagte , daß dem » schlechtesten Christen « eigentlich der » beste Christ « gegenüberzustellen wäre ... Ceccone dachte an einen Beaufsichtiger Fefelotti ' s , die andern an einen wirklich heiligsten Priester ... Der ist nicht zu finden ! hieß es allgemein ... Olympia besann sich eine Weile und sagte mit blitzenden Augen : Der beste Priester der Welt ist Pater Vincente bei den Alcantarinern ! ... Als man staunte , sagte sie : Ich stürzte ihn ins Unglück und er wollte für seine Gedanken büßen ! Macht ihn zum Bischof von Robillante ! ... Man ging auf den Plan ein . Um so mehr , als man erfuhr , daß dieser Bischofssitz in der Heimat des Paters Vincente liegt ... Er ist aus dem Thal von Castellungo gebürtig ... Castellungo ? unterbrach Benno ... Ein Thal am Fuße des Col de Tende im Piemontesischen ... Das Schloß von Castellungo gehört dem Grafen Hugo , von dem wir eben Abschied nahmen ! ... Die Mutter horchte auf und setzte hinzu : Ja , die Gegend ist ketzerisch ... Benno ' s Gedanken waren auf den » besten Priester der Welt « - auf Bonaventura gerichtet ... Pater Vincente , fuhr die Mutter fort , die seines hochgespannten Antheils gerade über diesen Vorfall staunte , hatte seine Schuld gebüßt und war vom General seines Ordens längst wieder in seinen alten Stand eingesetzt ; noch lebte er im Alcantarinerkloster , schlug aber die Ehre aus ... Er sagte , gerade vor jenem Thal von Castellungo wäre er geflohen ... So ist der Sitz noch unerledigt ... Vor jenem Thal wäre er - geflohen ? ... fragte Benno sinnend ... Wir erfuhren nichts davon durch Pater Vincente ... Andere erzählten , die Ketzer in jenem Thale hätten sein Gewissen verwirrt ... Vorzugsweise ein Eremit - ein Deutscher - Frâ Federigo ! rief Benno ... Den Eremiten Federigo kannte er von dem Nachmittag des vorjährigen Sommers , als Benno , Hedemann und Lucinde mit dem Gipsfigurenhändler Napoleone Biancchi zusammentrafen und den St.-Wolfgangsberg erstiegen ... Daß Bonaventura auch seinen Vater in dem Eremiten von Castellungo vermuthete , wußte er nicht , wenn er auch selbst zugab , daß Friedrich von Asselyn noch lebte ... Die Vision Paula ' s von diesem Winter war auch ihm bekannt geworden ; aber die Deutung , die ihr Bonaventura gegeben , war von diesem selbst schon aus Schmerz um seine Mutter nicht weiter ausgesprochen worden ... Das träumerisch ausgemalte Bild : Bonaventura - Bischof in jenem Thale , wo Paula vielleicht auf dem Schlosse die Herrin und die Gattin des Grafen Hugo wird - ! stand in magisch zauberhaftem Lichte einen Augenblick vor Benno ' s Auge ... Er sagte : O ich weiß einen Priester der Erde , der würdig ist , Fefelotti gegenüberzustehen ... Einen Vetter von mir , Bonaventura von Asselyn ... Ich nenn ' ihn Olympien und er hat den Bischofssitz ... sagte die Mutter ... Olympien ! ... Die Mutter wollte beginnen , von Olympiens Leidenschaft und dem Eindruck , den ihr Benno gemacht , zu sprechen ... Ihre Rede verhallte im Lärmen der jetzt wirklich erreichten Stadt ... Der Wagen durchflog die volkreichste Vorstadt ... Schon die vier Rosse allein machten auf dem Straßenpflaster ein Geräusch , das jede Verständigung im Wagen unterbrechen mußte ... Der ganze Schmerz , die ganze Freude des Erlebten fiel noch einmal auf die Herzen der beiden so wunderbar Verbundenen ... Die Herzogin riß an ihren Kleidern , in denen sie Angiolinens Haar verbarg , und rief : O mein Sohn ! Auch ich will nicht mehr leben ! ... Dann aber zog sie laut - fast lachend und wieder weinend den Sohn an ihre Brust ... Erschreckend vor den Blicken von Menschen , die hereinsahen , faltete sie die Hände krampfhaft gen Himmel und betete mit den Geberden einer Verzweifelnden ... Das ganze entfesselte Naturell der Südländerin machte sich geltend ... Oft schlug sie an die Stirn , als faßte sie nicht , was sie alles in diesen Stunden erlebt hatte ... Benno suchte sie zu beruhigen ... Der Graf , sagte sie , weiß nichts von den Gebräuchen unserer Kirche ... Erinnere ihn an die Seelenmessen ... Laß sie täglich lesen ! ... Täglich sehen wir uns dann bei diesen Messen und wären wir beide auch nur ganz allein zugegen ... In den Begegnungen mit Olympia und dem Cardinal freilich - unterbrach sie sich ... Mutter ! Wenn ich nicht offen deinen Namen bekennen kann , kann ich hier - dir nicht mehr begegnen ! rief Benno ... Cäsar - ! Cäsar ! rief die erregte Frau ... Aber , ich ahne , fuhr sie fort , du liebst und hast schon dein Herz vergeben - Es ist wahr , Olympia ist deiner nicht würdig ... Sie ist häßlich ... Nein , nur wenn sie haßt ... Sie ist schön , wenn sie liebt ... Sie liebt dich ... Sie gäbe den Principe hin ... Doch nein , nein ... Das darf nicht sein ... Benno sah , daß in seiner Mutter Verstand und Gemüth in stetem Kampfe lagen ... Sie sagte : Erweise dem Principe die Aufmerksamkeit , ihm heute zu Ceccone zu folgen ... Sei klug , sei vorsichtig mit Olympia ... Jeder Widerstand erhöht ihren Eigensinn ... Jetzt lad ' ich dich nicht ein , in den Palatinus zu folgen ... Nicht wahr ? ... Es war gewagt , daß wir dem Oheim nachkamen ? ... Olympia hatte keine Ruhe ... Der Principe Rucca deckt die Convenienz ... Wir haben tausend Verpflichtungen hier ... Auch die , daß wir die Vertreter der Heiligen sind ... Ich bin nie beim Cardinal ... Auch Olympia nie vor andern ... Der Cardinal kommt zu uns ... Morgen , mein Sohn ! ... Heute gehst du noch mit dem Principe ? ... Wir beide sehen uns so , wie wir fühlen - bei Angiolina ' s Seelenmetten ... Da