gleich anfangs eine Nonne aufnahmen , die Mutter wurde , machte die Habgier ... Ein Kloster ist bei uns für Wohlthaten und Geschenke , die man ihm spendet , zu allem fähig ... Diese Mönche und Nonnen gewöhnen sich so an die Vortheile , die ihnen die Besitzthümer ihres Klosters gewähren , daß sich die wunderbarste Einigkeit zwischen allen herstellt , wenn sie nur wissen : Das ist dein Antheil an dem gemeinsamen Gewinn ... Die Menschen der Entbehrung und Einsamkeit werden so ; sie handeln im Charakter eines Ameisenhaufens , der eine einzige Ameise voll Intelligenz ist ... Dem Kloster dann heimlich entführt und in meine Obhut gegeben , erlebte Olympia einige entschiedene Anwandlungen meiner Neigung , ihr eine Erziehung zu geben ... Der Erfolg war nicht ermunternd ... Lassen Sie das Kind sein , wie es ist ! sagte der zu einer Mischung von halb Trajan , halb Nero geborene Cardinal ... Nur ein Mensch von starkem Willen lebt siegreich in dieser halben Welt ! setzte er hinzu ... Oft sah ich mir in der Galerie Borghese das Bild an , das Rafael von Cäsar Borgia gemalt hat ... Ein Kopf wie ein Räuberhauptmann , voll schreckhafter Männerschönheit ... Macchiavelli machte aus ihm das Muster eines echten Fürsten ... So war Ceccone in seiner Jugend und Olympia ähnelt ihm ... Sie bekam schon als Kind galante Briefe und Gedichte von denen , die ihren Schutz begehrten ... Sie wählte sich selbst ihre Gesellschaft ... Sie ließ Schäferknaben von ihrer Hürde in der Campagna wegnehmen und in prachtvolle Kleider stecken , um mit ihnen spielen zu können ... Ebenso oft aber auch nahm sie ihre Gunstbezeigungen wieder zurück ... Ich hatte Scenen mit dem Cardinal voll äußerster Aufregung ... Er konnte so grausam sein und mir sagen : Madame , Sie sind die Kammerfrau einer Fürstin , nichts weiter ! ... Ich ertrug diese Ausbrüche des Dünkels und der Tyrannei , denn ich hatte zu viel gelitten und war angekommen an jenem schreckhaften Wendepunkt im Frauenleben , wo der Muth , die Hoffnung versiegt und uns die Angst vor dem Alter ergreift ... Benno drückte der Mutter die Hand und sprach : Trenne dich von dieser Welt und sei - ganz nur mein ! ... Wird das gehen ? sagte die Mutter schmerzlich lächelnd und - ablehnend ... Sie küßte seine Stirn ... Nein ! setzte sie in der That den Kopf schüttelnd hinzu ... Warum nicht ? ... lag in Benno ' s betroffenen Mienen ... Olympia hatte zum Glück die gute Eigenschaft , fuhr die Mutter ausweichend fort , daß ihr fester Wille zuweilen eine edle Sache ergriff ... Daß die Sache edel war , war dann nur ein Zufall ... Sie wählte immer nur diejenigen Standpunkte der Auffassung , die ihr der Zufall und eine persönliche Empfehlung boten ... So sind alle Vornehmen ... Brachte ein Pächter eine Bittschrift und hob ihr den Fächer auf , der ihr gerade entfallen war , so ruhte sie nicht , bis seine Wünsche erfüllt wurden ... Ebenso groß aber auch ihr Haß und ihre Rachsucht ... Einen jungen Geistlichen , der ihr die Beichte hörte , gab sie an , daß er sie im Beichtstuhl geküßt hätte ... Benno entsetzte sich ... Es war eine Lüge ... Sie führte diese Lüge mit allem Aufwand der Verstellung durch ... Der junge Priester hatte ihr einige Strafen auferlegt , denen sie sich nicht unterziehen wollte ... Der Unglückliche verdarb sein Schicksal vollends durch die seltsamste Grille von der Welt ... Er räumte ein , daß Olympia , damals vierzehn Jahre alt , recht gehabt hätte ... Es war ein Alcantarinermönch aus dem Norden Italiens , der der strengsten Regel der Franciscaner angehört ... Sie sah ihn eines Tages in der Sixtina und wollte ihn sofort zum Beichtvater ... Der Cardinal ließ den Pater Vincente aufsuchen und bestimmte ihn , in Rom zu bleiben ... Pater Vincente , bildschön , träumerisch von Natur , hatte durch seinen schweren Orden die Kraft der Nerven verloren ... Er erröthete bei jedem Wort , das man an ihn richtete ... Dennoch wurde er Olympia ' s Beichtvater und bezog das römische Kloster der Alcantariner ... Nach sechs Wochen endete dieser Roman in der Art , wie ich sagte ... Olympia rächte sich für seine Strenge und wollte ihm nicht länger beichten ... Sie log und alles sprach ihn frei ... Er aber - er hatte sich in der That in sie verliebt und gab etwas zu , was nur das Spiel seiner Phantasie gewesen sein mochte ... Er sagte : Ich habe sie geküßt ! 2 ... Der Unglückliche schmachtete fünf Jahre in einer Strafzelle der Alcantariner ... Olympia ist ein Teufel ! wallte es in Benno auf und es auszusprechen hinderte ihn nur der Gedanke an den Pater Sebastus und den Bruder » Abtödter « , die nach Rom zu den Alcantarinern geflüchtet waren ... Lucinde , Bonaventura traten vor sein irrendes Auge ... Die Mutter fuhr fort : Als Pater Vincente eingeräumt hatte , daß er Olympien im Beichtstuhl küßte , erschrak sie selbst und bereute nun ihre That ... Sie schrie und weinte darüber ... Sie lief zum Cardinal und warf sich ihm zu Füßen ... Sie küßte seine Zehen , was sie immer als Ausdruck der höchsten Schmeichelei für ihn thut , da sie so ausdrücken will , daß ihm die dreifache Krone beim Tod des Papstes nicht entgehen könnte ... Sie schwur , daß sie gelogen hätte und bat um die Freilassung des Priesters ... Der Cardinal that alles , was in seinen Kräften stand ... Aber Pater Vincente verharrte bei seiner Versicherung , er hätte sie geküßt und verdiene seine Strafe ... Da war bei seinem General nichts auszurichten ... Erst vor kurzem kam uns die Kunde von seinem Schicksal in Erinnerung ... Es war die Rede davon , daß neben Fefelotti , der jetzt auf seinem Erzbisthum Cuneo , auch Coni genannt , sich befindet , gerade auch