lebende Schwester des Grafen Leo war Frau Johanna von Scharnhorst , geb . Gräfin von Schlabrendorf . Sie trat ihr Erbe ( Gut Gröben ) an und da sie , wie weiterhin erzählt werden wird , einige Jahrzehnte vorher auch in den Besitz von Siethen gekommen war , so waren jetzt beide altschlabrendorfschen Güter wieder in den Händen einer geborenen Schlabrendorf vereinigt . Freilich nur auf kurze Zeit . Ein Jahr nur von 1858 bis 1859 . Eh ' ich aber von diesem Wiederaufgeben des Gesamtbesitzes spreche , sprech ' ich , zurückgreifend , über den Lebensgang der Frau von Scharnhorst bis zu jenem Zeitpunkte ( 1858 ) , wo Gröben ihr zufiel . Komtesse Johanna wurde , wie schon hervorgehoben , am 22. April 1803 aus der zweiten Ehe des Grafen Heinrich von Schlabrendorf , die derselbe mit einem Fräulein von Mecklenburg geschlossen hatte , geboren . Es scheint , die Mutter starb früh und überließ Erziehung und Fürsorge dem exzentrischen Vater , der sich dieser Aufgabe denn auch auf seine Weise , d.h. widerspruchsvoll unterzog . Er liebte die Kleine schwärmerisch und duldete beispielsweise nicht , daß sie von jemand anderem als von ihm oder einer ihr beigegebenen Bonne berührt wurde . Sollte sie spazierenfahren , so stand er bereit , um ihr kavaliermäßig die Hand zu reichen , oder sie , solange sie noch klein war , in den Wagen hineinzuheben . Aber diese Galanterien erfuhren doch auch wieder Ausnahmen und waren jedenfalls von nicht allzu langer Dauer . Als die Reisepassion über ihn kam , schwand ihm die Lust , sich um das Komteßchen noch weiter zu kümmern , und er begnügte sich von nun an damit , sie nach hierhin und dorthin in allerlei Pensionen zu geben , am liebsten in ländliche Pfarrhäuser , in denen oft die wunderlichsten Zustände herrschten und Albernheiten und Unpassendheiten um den Vorrang stritten . Aber all dies berührte sie wenig , und glücklichere Tage kamen , als der alte Graf mehr und mehr zurücktrat , und die mütterliche Verwandtschaft der immer reizender werdenden Komtesse sich dieser anzunehmen begann . In Sommerzeit war sie mit in den Ostseebädern , am häufigsten in Doberan , und in einer Vierschimmel-Equipage ging es dann über die Felder hin oder auch wohl bis an den Heiligen Damm , wo zweierlei gleich wichtiges und gleich großes zu sehen war : der Hof und das Meer . Aber dies alles liegt unbestimmt zurück und klarere Bilder treten uns aus dem Jugendleben der Gräfin erst von dem Tag an entgegen , wo sich die gesamte Familie , Geschwister und Vetterschaft , in Trier zusammenfand , um im Hause des alten General von Ryssel die Vermählung zwischen Emilie von Ryssel und Graf Leo von Schlabrendorf zu feiern . Unter den Schlabrendorfs , die mit erschienen waren , war auch Komtesse Johanna , damals erst siebzehn Jahr alt , und der alte Spruch sollte sich bei dieser Gelegenheit aufs neue bewahrheiten » auf jeder Hochzeit eine neue Verlobung « . Ihr Tischnachbar war August von Scharnhorst , Rittmeister in dem damals zu Trier in Garnison stehenden 8. Ulanenregiment , und ungefähr um dieselbe Zeit , in der Graf Leo das schwiegerelterliche Haus in Trier aufgab , um das kurz zuvor erstandene Gröben zu beziehen , erfolgte die Verlobung und bald danach auch die Verheiratung des tischnachbarlichen Paares : des Rittmeisters August von Scharnhorst und der Komtesse Johanna von Schlabrendorf . Aber auch die Tage dieses Paares waren in Trier gezählt . Wie Gröben , so geriet auch Siethen , das seine Besitzer innerhalb der letzten dreißig Jahre mehrfach gewechselt hatte , mal wieder zu Verkauf und Graf Leopold , als er davon hörte , fragte sofort bei Schwester und Schwager an , » ob sie vielleicht geneigt seien , das plötzlich wieder frei gewordene Siethen käuflich an sich zu bringen ? « Unter gewöhnlichen Verhältnissen würde die Frage wahrscheinlich mit einem » Nein « beantwortet oder noch viel wahrscheinlicher gar nicht gestellt worden sein , in Trier aber lagen die Dinge bereits außerhalb des Gewöhnlichen , indem August von Scharnhorst durch einen Sturz vom Pferde sich sehr erheblich und zwar bis zur Dienstunfähigkeit verletzt , auch infolge davon sein Entlassungsgesuch bereits eingereicht hatte . So wurde denn freudig zugestimmt und 1825 der Ankauf von Siethen bewerkstelligt , das nun – so wenigstens ging der Plan – für das junge Scharnhorstsche Paar eine gleich glückliche Heimstätte werden sollte , wie das Schwesterdorf Gröben es für das Schlabrendorfsche bereits war . Aber dieser Plan scheiterte . Des um diese Zeit bereits als Major aus dem Dienste geschiedenen Rittmeisters von Scharnhorst gesundheitliche Störungen waren größer als geglaubt , er kränkelte viel , und schon ein halbes Jahr nach Übernahme des Gutes starb er in Berlin ( Oktober 1826 ) , wohin er sich in ärztliche Behandlung begeben , und ließ in Siethen ein kaum einjähriges Töchterchen und eine dreiundzwanzigjährige Witwe zurück . Ein hartes Los war dieser gefallen . Und doch hatte sie dreierlei , was ihr das Leben allmählich wieder lebenswert machte : das Kind , die Schwägerin drüben in Gröben und als drittes den Wetteifer mit dieser in allen guten Werken . Im Beglücken anderer erhob sie sich zu neuer Kraft , und als die Tochter ( auch eine Johanna ) zu jedermanns Freude heranwuchs und immer mehr das Licht ihres Lebens wurde , da kam ihr auch ein Gefühl des Glückes wieder und in und mit ihm die Hoffnung , die mehr ist als das Glück . Aber diese Hoffnung erblaßte vor der Zeit und schwand endlich hin für immer . Die Tochter erkrankte , von einem hitzigen Fieber befallen , und starb im schwäbischen Wildbad , wohin sie sich in Begleitung ihrer damals noch lebenden Gröbener Tante begeben hatte . Das war im Herbst 1857 . Untröstlich war die Mutter , die nun in Einsamkeit den Rest ihres Lebens durchlebte . Eh ' ich aber diesen Lebensausgang schildere , versuch ' ich zuvor ein Bild der zu früh