fuhr sie fort ... In einer jener Anwandlungen von Thatkraft und Muth , die schon längst bei mir aufgehört hatten , schrieb ich an Monsignore Ceccone und warnte ihn , er möchte auf der Hut sein und aus dem Kloster eine gewisse - kleine Wölfin entfernen ... Die Visitation durfte ohnehin kein Kind im Kloster dulden ... Dann auch noch warnte ich ihn vor den unbesonnenen Plaudereien Pascarello ' s in Trastevere ... Ich hatte mich genannt und durfte nicht erstaunen , unmittelbar darauf den Besuch des Monsignore selbst zu empfangen ... Ich fand in Ceccone einen Mann von hinreißendem Benehmen , angewiesen auf die Gunst der Frauen ... Ich für mein Theil fühlte , daß ich nichts mehr für einen solchen Mann besaß , als höchstens etwas Verstand und das unendlichste Vedürfniß nach Beistand , das zuweilen die Menschen bindet , besonders wenn sie nicht gut sind ... Gefällig sein heißt bei vielen , nur seine Macht zeigen wollen ... So entdeckte sich mir Ceccone ganz , dankte für meine Theilnahme , warnte vor Fefelotti , der sein Feind seit frühester Jugend und schon von der Schule wäre , und machte mir den Vorschlag , daß ich einen Palast bezöge , den er für mich miethen wollte , wenn ich Olympia zu mir nähme ... Noch mehr ! Es wäre ihm lieb , sagte er , wenn ich ihr einen Namen , vielleicht von meiner Verwandtschaft gäbe ... Ich ging auf diese Vorschläge ein ... Ich gab Olympien den Namen , den ich in diesem rauhen und grausamen Lande zurückgelassen habe , Maldachini ... Den Grafentitel , den das Kind bekam , bezahlt man in Rom ... Principe Rucca ' s Urgroßvater war vor hundert Jahren ein Bäcker ... Benno horchte nur ... Meine Lage besserte sich ... Sie wurde glänzend ... Ceccone sammelte Schätze und hatte eine solche Liebe zu seiner Tochter , daß sie ihm , wenn wir noch in den Zeiten des » großen « Nepotismus lebten , eine Fürstenkrone werth wäre ... Die Krone des Prinzen Rucca entspricht nur noch der jetzigen Stellung des römischen Stuhls ... Aber die Zähmung der jungen Wölfin ist mir nicht gelungen ... Sie ist eine Blume , die aus Blut emporgesprossen ... Ihr Dasein verdankt sie einem Haß , der sich in Liebe nur verstellte ... Lucrezia Biancchi suchte die Bekanntschaft im Hause des Inquisitors durch eine Wäscherin , die für ihn arbeitete ... Sie begleitete diese , nahm ihr zuweilen die Uebergabe der Wäsche ab ... So begann ein Roman , den sie benutzte , um den Feind der jungen Freiheit Italiens wie Judith den Holofernes zu ermorden ... Wir haben ein schönes Land , aber - wilde Menschen ... Noch werden die Zeiten eisern werden ... Benno war zu ergriffen , um von den Brüdern Lucrezia Biancchi ' s , von den Oheimen der » Gräfin « , zu sprechen , von der Nähe des alten Professors Luigi ... Schlimme Stunden werden auch noch für uns allein kommen , mein Sohn ! seufzte die Mutter ... Olympia hatte nie einen Wunsch , der unerfüllt blieb ... Sie heirathet den Principe nicht , um seine Liebe oder seinen Namen zu haben , sondern nur , um eine Frau zu sein ... Dadurch erst gewinnt ein Weib größere Freiheit ... Mein Sohn , Rom hat keine Erziehung , keine Bildung - keine Tugend - ... Es hat nur Leidenschaft und Verstellung - Wir haben die Formen der Devotion ... Diese vertreten den öffentlichen Anstand ... Alles Uebrige ist die größere oder geringere Kunst der Verstellung ... Tugend ist nur da , wo die natürliche Empfindung sie zugleich mit hervorruft , oder nur da , wo sie schon die natürliche Begleiterin von Stolz und Liebe ist ... Ein Staat von Priestern , die unter einem unnatürlichen Gesetze leben , kann nichts anderes hervorbringen ... Ich habe es einmal erfahren , was ein in Rom entstandener freisinniger Gedanke kosten kann ... Ceccone neigt , wie das im Alter so geht , zu politischen Verbesserungen und ist in seinem innersten Herzen Italiener , ja mehr noch , Römer ... Olympia sowol wie ich arbeiten auf die Erhöhung Italiens - eine Zukunft , die ohne Bruch mit Oesterreich nicht denkbar ist ... Benno sah sich betroffen um ... Die Diener hätten hören können ... Schon näherte man sich den volkreichen Vorstädten ... Seine Besorgniß war ungegründet ... Fefelotti , fuhr die Mutter unerschrocken fort , der gleichfalls inzwischen Cardinal wurde , erhob sich wie die Schlange , die ein Fuß nicht ganz zertreten hat ... Diesen Winter war es ... Da begannen die Intriguen der immer mächtiger werdenden Jesuiten ... Ich sollte auf der Reise hieher , die schon lange zu Olympiens Ausbildung beschlossen war , die Anklage erhalten , die Gattin zweier Männer gewesen zu sein ... Zum Glück , wie ich hier wol sagen kann , starb der Kronsyndikus ... Aber die Intrigue ruhte nicht ... Wir haben uns der Feinde versichern müssen ... Ceccone versprach dem Al Gesù , seinen Befehlen zu gehorchen - ! ... Ja ! erwiderte die Mutter wie eine Römerin , die nur triumphiren wollte mit dem Berichte : Fefelotti ist gestürzt und in ein Erzbisthum verbannt ... Weit von Rom entfernt , im Piemontesischen , krümmt er sich jetzt , racheschnaubend , aber ohnmächtig ... Wir fühlen seine Hand nicht mehr ... Warum staunst du ? ... Benno unterdrückte seine Empfindungen ... In solche Umtriebe des Ehrgeizes machtbegehrender Priester mischt sich das Wohl der Staaten , die Freiheit der Völker , die Erleuchtung der Gewissen ! ... Die Mutter kam auf diese Vorstellungen nicht ... Sie sprach von Olympien ... Ihre ersten Lebensjahre wurde sie im Kloster verborgen gehalten ... Das Kloster liegt nicht einsam ... Man hatte Ursache , das Schreien des Kindes zu ersticken ... Man erstickte es durch Liebkosungen und die Gewähr jedes Wunsches ... Ein Nein ! gab es nicht bei Nonnen , die über eine Entdeckung zitterten ... Daß sie