er hatte recht gesprochen . Eine Woche später und Meister Schreiner hobelte schon die Lindenbretter , wie ' s Graf Leo gewollt , und am 27. Juli 1851 stand sein Sarg an derselben Stelle , wo damals , als die große Kutsche von Groß-Beeren her zurückgeschwankt war , seine Wiege gestanden hatte . Viele Freunde kamen , und sie begruben ihn auf dem Gröbener Kirchhof und gaben dem Platz ein Gitter . Eine Stelle daneben aber ließen sie leer : eine Ruhestätte für seine Witwe . Gräfin Emilie von Schlabrendorf geb . von Ryssel Diese Witwe war Gräfin Emilie von Schlabrendorf geb . von Ryssel . An sie ging jetzt Gröben über , in dem ihr noch , durch volle sieben Jahre hin , ein segensreiches Wirken gestattet war . In brieflichen Mitteilungen über sie find ' ich das Folgende : » Die Gräfin , wie sie kurzweg genannt wurde , war eine Dame von seltener Begabung und Bildung . Was Gröben durch drei Jahrzehnte hin war , war es , ohne den mitwirkenden Verdiensten anderer zu nahe treten zu wollen , in erster Reihe durch sie . Sie gab den Ton an , sie bildete den geistigen Mittelpunkt , und war – übrigens ohne schön zu sein – mit jener anmutenden Vornehmheit ausgestattet , wie wir uns etwa die Goethesche Leonore denken . Ihr Interesse wandte sich allen Gebieten des Wissens zu , was ihr aber , meines Erachtens , eine noch höhere Stellung anwies , das war ihre mustergültige Hausfrauenschaft und ihr unbegrenzter , auf Näh und Ferne gerichteter Wohltätigkeitssinn . Immer bereit zu helfen , war doch die gleichzeitig von ihr gewährte geistige Hilfe fast noch trost- und beistandsreicher als die materielle , so reichlich sie diese bot . Es konnte dies geschehen , weil ihr die seltene Gabe geworden war , den ihr aus der Fülle der Erfahrung beinahe mehr noch als aus der Fülle des Glaubens zu Gebote stehenden Rat immer nur in einer allerschonendsten Weise zu spenden . In Grundsätzen streng , war sie mild in ihrer Anwendung und überall richtete sie die Herzen auf , wo ihre vertrauenerweckende Stimme gehört wurde . Selbstverständlich eigneten einer solchen Natur auch erzieherische Gaben , und da ihre Ehe kinderlos geblieben war , so war nichts natürlicher , als daß sie – wie zur Erprobung ihrer pädagogischen Talente-Kinder , namentlich junge Mädchen , ins Haus nahm . Es waren dies Töchter aus achtbaren aber einfach bürgerlichen Häusern , und ihr Erziehungstalent erwies sich in nichts so sehr , als in der Art und Weise , wie sie diese jungen Mädchen an allem , was das Haus gesellschaftlich gewährte , teilnehmen ließ und sie doch zugleich für die Lebensstellungen erzog , in die sie , früher oder später , wieder zurücktreten mußten . Es gelang ihr , ihren Pfleglingen eine Sicherheit im Auftreten und in den Formen zu geben , ohne daß infolge davon der gefährliche , weil so selten zu Vorteil und Segen führende Wunsch in ihnen aufgekeimt wäre , die bescheidenere Geburtsstellung mit einer anspruchsvolleren zu vertauschen . All das , ohne jemals durch Hervorkehrung dessen , was man Standesvorurteile nennt , auch nur einen Augenblick verletzt zu haben . Es war ihr eben einfach die Gabe geworden , in Liebe den Glauben zu wecken : › in allem lebt Gottes Wille , und wie es ist , ist es am besten ‹ « . So die Mitteilungen solcher , die die Gräfin noch persönlich gekannt haben . Aber eines vermiss ' ich darin : ein Hervorheben dessen , was ihr , ich will nicht sagen ausschließlich oder auch nur vorzugsweis , aber doch jedenfalls mitwirkend ihren Einfluß sicherte . Dies war ihr Katholizismus . Zunächst ihr Katholizismus als einfache Tatsache . Wer ein Auge für diese Dinge hat , dem kann es nicht entgehen , daß der Katholizismus , all seiner vielleicht berechtigten Klagen und Anklagen unerachtet , eine nach mehr als einer Seite hin bevorzugte Stellung unter uns einnimmt , und zwar am entschiedensten in dem Gesellschaftsbruchteile , der sich die » Gesellschaft « nennt . Es geht dies so weit , daß Leute , die sonst nichts bedeuten , einfach dadurch ein gewisses Ansehen gewinnen , daß sie Katholiken sind . Wie gering ihre sonstige Stellung sein mag , sie werden einer Art Religionsaristokratie zugerechnet , einer Genossenschaft , die Vorrechte hat und von der es nicht bloß feststeht , daß sie gewisse Dinge besser kennt und weiß als wir , sondern der es , infolge dieses Besserwissens , auch zukommt , in eben diesen Dingen den Ton anzugeben . Also zu herrschen . Unserer Gräfin Herrschaft aber verdoppelte sich und wurd ' erst recht eigentlich , was sie war , aus der weit über die bloße Tatsächlichkeit ihres Katholizismus hinausgehenden schönen und klugen Betätigung desselben . Sie war eine strenge Katholikin für sich , in der Berührung mit der Außenwelt jedoch , insonderheit mit der ihr in gewissem Sinne wenigstens unterstellten Gemeinde betonte sie stets nur das , was beiden Konfessionen das Gemeinschaftliche war , und übte die hohe Kunst einer Religionsäußerung , die der eigenen Überzeugung nichts vergab und die der an dern nicht kränkte . Sie hatte dies am sächsischen Hofe gelernt und zeigte sich beflissen , diesem Vorbilde schöner Toleranz in allen Stücken nachzuahmen . Es geschah dies in einer ganzen Reihe von Guttaten und kleinen Stiftungen , am erkennbarsten in dem einem Neubau gleichkommenden Umbau der lutherischen Gröbener Kirche , den sie , von der Vorahnung erfüllt , daß sie das Ende desselben nicht mehr erleben würde , durch Kapitalsdeponierungen sicherstellte . Den 2. September 1858 starb sie , sechzig Jahre alt , und wurde , den dritten Tag danach , ihrem ausdrücklichen Willen gemäß , auf dem protestantischen Kirchhofe der Gemeinde beigesetzt . Gröben selbst aber fiel an die Schwägerin der Gräfin , an die noch lebende Schwester des bereits 1851 verstorbenen Grafen Leo . Frau Johanna von Scharnhorst , geb . Gräfin von Schlabrendorf Diese noch