- Ich that , als könnte ich , da ich doch einmal bei Meister Pascarello in der Nähe war , bei dieser Gelegenheit , obgleich ich eine Herzogin war , auch wol mein Osterlamm selbst bestellen ... Hoheit , sagte er , warum sind Sie nicht zehn Minuten früher aus Ihrer Andacht erwacht ! Soeben hatte ich noch fünf Lämmchen , weiß wie Schnee , so unschuldig , daß sie die heilige Agnes mit in den Himmel hätte nehmen können ! ... Ich bedauerte ... Hätt ' ich diese Ehre geahnt ! fuhr er fort . Aber , den Heiligen sei Dank , die Kleinen kommen wenigstens in gute Hände und Gott segne , daß ihre Wolle dem Pascarello Ehre macht ! ... Wer erhielt sie denn ? fragte ich ... Der ehrliche Metzger zeigte über die Tiber hinweg und sprach : Wenn die Thierchen gebraten werden , Hoheit , einen solchen vornehmen Rost haben Sie doch nicht ! Ich glaube fast , der des heiligen Laurentius selbst wird dazu genommen ! ... Ich ahnte eine Bestimmung für die Kirche und Meister Pascarello erzählte mir noch eine Geschichte , die in Rom jedermann weiß ... Im Kloster der Nonnen , die man die » Lebendigbegrabenen « nennt , werden die Lämmer gezogen , aus deren Wolle die weißen , drei Finger breiten Schulterbinden , Pallien genannt , gefertigt werden , die Rom jedem neuernannten Bischof der Christenheit zuschickt ... Die Achselklappen zu den Uniformen der großen römischen Armee ... Die Lämmer können ihre zarteste Wolle nur jung liefern , werden nach der Schur geschlachtet und der Heilige Vater bewirthet mit dem Fleisch jährlich die zwölf Apostel , denen er die Füße wäscht ; es sind Arme , die zu dieser Ehre schon lange auf einer Liste verzeichnet stehen ... In dem Kloster sagte Meister Pascarello , muß ein Wolf hausen oder eine Wölfin - verbesserte er sich - ; denn ich habe die Ehre , des Jahres viel Lämmer dorthin zu liefern , mehr als in einem Jahr in der Christenheit Bischöfe sterben und neue gewählt werden ! ... Seltsam ! ... sagte ich gleichgültig und - betete mich wieder in meine dunkle Gasse bei Piazza Navona zurück , in der ich wohnte ... Ich erzählte diesen Vorfall einem Prälaten , der mich oft besuchte , obgleich ich ihn nicht mochte wegen seines giftigen und intriguanten Wesens ... Leider hatt ' ich ihm schon mehr von meinen Lebensverhältnissen vertraut , als ich hätte thun sollen ... Es ist der jetzige Cardinal Fefelotti , wie man weiß , der Feind Ceccone ' s ... Benno hatte diesen Namen als jetzigen Nachbar des Grafen Hugo in Castellungo heute nennen hören ... Auch wußte er , daß Olympia ' s Mutter im Kloster der » Lebendigbegrabenen « lebte ... Er fürchtete die Aufregung der Mutter und sagte : Laß es ! ... Du wirst mir noch oft erzählen können ... Eine solche Stunde kommt uns nicht so bald ! erwiderte sie seufzend ... In Rom ! ... Ich verlasse Wien ... sagte er ... Nein ! rief die Mutter leidenschaftlich , umschlang und küßte ihn ... Ich gehe nach Rom ... Heute noch ... Cäsar ! rief die Herzogin wie im Ausbruch des äußersten Schmerzes und - doch voll Freude ... Nach einiger Sammlung fuhr sie fort : Fefelotti machte eine schlaue Miene und sagte : » Daraus erkenne ich ja die Wahrheit eines Gerüchtes ! Monsignore Tiburzio könnte , mein ' ich , von dieser kleinen Wölfin leicht seinen Cardinalshut zerrissen bekommen « ... » Sie wissen « , setzte er hinzu , » daß Tiburzio im nächsten Conclave den Purpur erhalten wird « ... Die Züge Fefelotti ' s verzerrten sich noch häßlicher , als sie schon von Natur sind ... Ich sah , daß er über einen Plan brütete ... Ceccone war schon damals der mächtigste Mann in Rom ... Er hatte die Revolution gebändigt , die Carbonari verbannt oder eingekerkert ; man wußte , daß ihn eine Römerin , Lucrezia Biancchi , hatte ermorden wollen ... Olympia ist das Kind einer neuen Judith ! sagte Benno ... Alle Welt weiß es jetzt ... bestätigte die Mutter ... Aber damals noch nicht ... Der Generalinquisitor Ceccone schlug die Untersuchung des Mordanfalls einer jungen Wäscherin auf ihn nieder und brachte die Mörderin heimlich zu den » Lebendigbegrabenen « ... Das fanatische Mädchen , das ihre Ehre geopfert hatte um ihn zu tödten , kam dort nieder ... Olympia wurde im Kloster fünf Jahre alt ... Es war ein Kind der Sünde - ein Kind der Lüge , der Wollust , des Mordes ... Von solcher Wildheit des Blutes war sie , daß sie mit den kaum geborenen Lämmchen spielend oft eines erwürgte ... Das Opfern dieser Lämmer ist eine heilige Procedur , die am Fest der heiligen Agnes öffentlich vollzogen wird ... An der Wolle soll noch jetzt niemand eifriger spinnen , als die schon in der Geburt ihres Kindes vom nicht abgewarteten Milchfieber irrsinnig gewordene Lucrezia - ... Was ist Wahrheit ! klagte es tief schmerzlich in Benno ' s Gemüth ... Ein riesiges Gebäude steigt auf , ein stolzer Dom ... Die Pfeiler ragen wie über felsenfestem Grunde ... Die Wölbungen sind wie für die Ewigkeit berechnet ... In den Rissen wächst , mit buntestem Farbenreiz sie verdeckend , die Flora der Phantasie und des Gemüths ... Die heiligste Andacht nimmt diese weißen Pallien mit den vier schwarzen Kreuzen darauf als die Sinnbilder jenes verlorenen Lamms , das der gute Hirte gesucht - und wie macht sich das alles in Wirklichkeit ! ... » Rom blüht und gedeiht doch ! « hatte Hammaker beim Vorschlag eines neuen , » falschen Isidorus « gesagt - ... Die Mutter schien diesen schneidenden Contrast nicht nachzufühlen ... Die Römer nehmen , was von ihnen kommend die katholische Welt andachtsvoll verehrt , wie ihr tägliches Brot und als sich ganz von selbst verstehend ... Ich gönnte Fefelotti nicht den Triumph seiner Intrigue ,