empfand ein Grauen vor dem Gedanken , von einer solchen Frau sich etwas zum Genusse vorsetzen zu lassen . Danke ! sagte er kräftig und setzte mit Entschlossenheit den Hebel an die Erinnerung der Alten , indem er fortfuhr : Marzahn war so durstig und doch wollt ' er nicht ein Ende machen und heirathen . Warum , Frau Ursula , wollt ' er denn nicht heirathen ? Aber die Antwort auf diese Frage blieb aus . Die Ideenverwirrung der Alten war so eigenthümlich , daß sie kichernd zu Louis sagte : Bist schmuck ! Hast doch auch schon ein Mädchen ? Der Blinde lachte laut auf und machte den plumpen Scherz : Hei ! So war ' s recht ! Ja ! Es ist ein Freier für Dich , Ursula ! Der Dreizehnte , wenn Du willst ! Herr , sie wäre im Stande , noch mit Euch Hochzeit zu machen . Faßt ihr einmal an ' s Kinn ! Ich wette , sie hat mehr Haare am Kinn als Ihr unter der Nase ! Ich kann mir denken , fuhr Louis den Scherz nicht beachtend fort , ich kann mir denken , daß Eure Freier , Frau Ursula , gefragt haben : Wem gehört denn der kleine hübsche Junge da ? Ist das Euer eigner lieber kleiner Taugenichts ? Das ist ' s ! sagte Zeck . Sie hörten dann , fuhr Louis fort , das ist meines Bruders Kind . Was wollt Ihr ? sagtet Ihr . Es gehört dem Bruder ... Sie glaubten ' s aber nicht , fiel Zeck ein . Ursula hörte nur zu , wie wenn etwas ihr Wildfremdes besprochen wurde . Und zu sagen , von wem das Kind käme , wer die Mutter wäre , Das war durch einen Schwur verboten ? Und durch das Geld , das sie durchgebracht hat ! setzte Zeck grimmig hinzu . Da war ' s dann Euer Sohn - Doktor Lehmann ' s Sohn ! lachte Zeck . Murray schauderte , weil ihm von Wort zu Wort das Verhältniß ganz klar wurde . Und Marzahn war der schlimmste Eurer Freier ? fuhr Louis mit einer für Murray bewunderungswürdigen Kunst der Inquisition fort . Der wollte nichts wissen von Doktor Lehmann ' s Sohn ! O Das wäre der Teufel , sagte Zeck . Der verspielte ihr Geld und nannte sie dann , wie man Weiber nicht nennen soll , wenn sie ' s auch sind - Wegen dieses Kindes ? Nein Herr , da war ' s ja schon todt , als Marzahn an die Reihe kam . - Es war ein andrer - der Vierte , der Fünfte ... Wie alt wurde er denn , der kleine Wurm ? Ich denke , ein anderthalb Jahre - nicht wahr , Urschel ? Du nahmst es ja in die Stadt , als ich krank lag . Mir war schlecht damals , Herr . Als ich wieder Besinnung faßte , war Paul gestorben . Urschel , Du hast ja den Todtenschein von Paul . Gib ihn mal her ! Die Herren brauchen ihn . Paul soll erben . Wieviel denn , Herr ? Wol an zehntausend Thaler ! sagte Louis frischweg , um aus den halben Thatsachen herauszukommen . Zeck starrte . Seine Augen rissen sich groß auf . Hört sie wol ein Wort von Allem , was wir sprechen ? rief er zornig . Gib den Todtenschein vom Paul ! Paul Zeck ! Hörst Du nicht ? Ursula band sich ihr Tuch vor ' m Spiegel fester und nahm dabei eine Nadel in den Mund . Den Todtenschein vom kleinen Baron ! wiederholte Zeck , ihr in ' s Ohr schreiend . Ursula steckte ruhig die Nadel in das Kopftuch . Warum lacht Ihr , Frau Marzahn ? Ist der kleine Baron wirklich todt ? fragte Louis . Murray sah gespannt ... Die Schwester zeigte auf die dunkle Wiese unter dem kahlen Ebereschenbaum . Murray mußte aufstehen , weil er in der Nähe des Fensters saß und sich gern zurückgezogen hielt . Wo ist der kleine Baron ? wiederholte Louis . Ursula that , als suchte sie den kleinen Baron auf der Wiese und lachte dabei . Sie ist verrückt ! sagte Zeck . Im Sommer sagte sie einmal zu mir : Jakob , sagte sie , ich habe den Baron gesehen ; sie meinte unsern Bruder , und zeigte auf einen Baum , der da auf der Wiese stehen muß . Da hätte sie ihn im Mondschein gesehen . Louis und Murray fühlten , daß hier schwer , ja unmöglich eine vernünftige Auskunft zu finden war . Sie konnten daher nichts dagegen haben , daß der Blinde den Hammer nahm und an einen kleinen Schrank , der neben einer alten Uhr an der Wand hing , mit furchtbarer Gewalt einen Schlag verführte . Ursula sprang jetzt hinzu und schrie . Geld hat sie nicht ! sagte Zeck wüthend und auf den Schrank schlagend ; das gibt sie alles an die Männer . Dem Heunisch , dem Faullenzer , stopft sie ' s ein , seit Jahren , daß sie wie toll in seinen rothen Bart verliebt ist . Aber Papiere sind da . Den Todtenschein vom Paul muß sie haben ! Ursula schrie und rang mit dem Bruder ; doch schon war der kleine Schrank aufgesprungen und Papiere , Bücher , Flaschen , Büchsen fielen wirr durch einander herunter . Es war ein trauriger Anblick , zu sehen , wie Ursula mit dem Blinden rang , um ihn von der Zerstörung und der Durchsuchung dieser Gegenstände abzuhalten . Murray erfaßte ein Grauen . Er erkannte einige dieser Büchsen und Gläser . Sie stammten aus seiner früheren Kupferstecherwerkstatt her und enthielten ätzende Gifte . Rührt nichts an ! schrie Zeck . Es ist Gift ! Die Hexe will den Schein nicht geben ! Sie will sagen , der Paul lebt noch ! Dabei wühlte die schmutzige Hand in dem Schrank und trat Alles , was ihr