polnischen Verwandten und entweder mit ihrem Thun und Treiben einverstanden oder er kümmerte sich nicht darum , wie er sich denn überhaupt um nichts kümmerte , was auf seinen Gütern geschah . Dieses Benehmen , das in L. sehr hart beurteilt wurde , fand gerade an dem Assessor seinen strengsten Richter . Hubert hätte in einer solchen Stellung natürlich weit energischer gehandelt und all die geheimen Umtriebe sofort niedergeschlagen und vernichtet ; er wäre der ganzen Provinz einleuchtendes Beispiel gewesen , hätte sich den Staat zum Danke verpflichtet und überhaupt alle Welt in Erstaunen gesetzt . Da er aber leider nicht Herr von Wilicza , ja nicht einmal Regierungsrat war , so blieb ihm nichts übrig , als die zweifellos vorhandene Verschwörung vorläufig erst zu entdecken , und darauf richtete sich denn auch sein ganzes Sinnen und Trachten . Von all diesen Dingen war freilich nicht die Rede in dem Gespräche der beiden Herren . Man durfte es dem gutmütigen Doktor Fabian doch nicht merken lassen , daß der Besuch bei ihm eigentlich nur dem brennenden Wunsche entsprang , endlich einmal Eingang in das Schloß zu finden , und so mußte denn ein Vorwand herhalten , der allerdings für den Assessor von Interesse war , den er aber füglich bei dem Administrator hätte zur Sprache bringen können , wo er und Fabian bisweilen zusammentrafen . » Ich habe eine Bitte an Sie , Herr Doktor , « begann er nach den ersten Einleitungs- und Begrüßungsreden , » einen kleinen Anspruch an Ihre Gefälligkeit , Es handelt sich dabei allerdings nicht um mich , sondern um die Franksche Familie , deren Haus Sie ja öfter besuchen . Sie sind als ehemaliger Lehrer des Herrn Nordeck jedenfalls des Französischen mächtig ? « » Ich spreche es allerdings , « antwortete der Doktor , » bin aber in den letzten Jahren etwas aus der Uebung gekommen . Herr , Nordeck liebt die Sprache nicht , und hier in Wilicza erweist man ihm und mir die Rücksicht , ausschließlich deutsch mit uns zu reden , « » Ja , ja , die Uebung ! « siel der Assessor ein , » die ist es eben , die dem Fräulein Margarete fehlt . Sie sprach ganz allerliebst französisch , als sie vor einigen Jahren aus der Pension zurückkam , aber hier auf dem Lande mangelt ihr jede Gelegenheit dazu . Da wollte ich Sie denn ersuchen , bisweilen mit der jungen Dame französisch zu lesen oder zu sprechen ; es fehlt Ihnen ja nicht an Zeit , und mich würden Sie dadurch ganz außerordentlich verbinden . « » Sie , Herr Assessor ? « fragte Fabian betreten , » Ich muß gestehen , es befremdet mich einigermaßen , daß ein solcher Vorschlag von Ihnen ausgeht , und nicht von Herrn Frank oder dem Fräulein selbst . « » Das hat seine Gründe , « sagte Hubert in würdevollem Tone . » Sie werden vielleicht schon bemerkt haben – und ich mache ja auch durchaus kein Geheimnis daraus – , daß ich gewisse Wünsche und Absichten hege , die sich in nicht allzuferner Zeit verwirklichen dürften . Mit einem Worte – ich betrachte das Fräulein als meine künftige Braut . « Der Doktor bückte sich schnell nieder , um ein Blatt Papier aufzuheben , das am Boden lag , und das er angelegentlich betrachtete , obwohl es unbeschrieben war . » Ich gratuliere Ihnen , « entgegnete er einsilbig . » O , das muß ich vorläufig noch ablehnen , « lächelte der Assessor mit unbeschreiblicher Selbstzufriedenheit . » Wir haben uns gegenseitig noch nicht ausgesprochen , wenn ich auch sicher auf ein Ja rechnen darf . Offen gestanden , ich möchte erst als Regierungsrat , der ich baldigst zu werden hoffe , mit meiner Werbung hervortreten ; eine solche Stellung macht doch immer größeren Eindruck , und Sie müssen wissen , Fräulein Frank ist eine sehr gute Partie . « » Wirklich ? « » Eine ausgezeichnete Partie ! Der Administrator ist ohne Zweifel ein reicher Mann , Was hat er in den zwanzig Jahren hier allein an Gehalt und Tantieme bezogen ! Es ist ja auch ausgemacht , daß er seine Stellung nur verläßt , um selbst Gutsherr zu werden , und ich weiß , daß er zu diesem Zweck ganz bedeutende Kapitalien flüssig macht . Fräulein Margarete und ihr Bruder , der gegenwärtig auf der landwirtschaftlichen Akademie studiert , sind die einzigen Kinder ; ich kann auf eine hübsche Mitgift und dereinst auf ein gar nicht unbedeutendes Erbteil rechnen . Nebenbei ist die junge Dame ja auch ein reizendes , liebenswürdiges Mädchen , das ich anbete . « » Nebenbei ! « sagte der Doktor ganz leise , aber mit einer bei ihm ungewöhnlichen Bitterkeit . Dem Assessor entging der Ausruf ; er fuhr mit großer Wichtigkeit fort : » Frank hat bei der Erziehung seiner Kinder nichts gespart ; seine Tochter ist lange Zeit in einem der ersten Institute P.s gewesen und hat dort alles mögliche gelernt , zu meiner großen Befriedigung , denn Sie werden wohl begreifen , Herr Doktor , daß mir in meiner künftigen Stellung die höhere Bildung meiner Frau unerläßlich ist . Man muß doch repräsentieren , und da halte ich mich verpflichtet , schon jetzt dafür zu sorgen , daß die gesellschaftlichen Erfordernisse , wie Klavierspiel und Französisch , nicht in Vergessenheit geraten . Wenn Sie also in Bezug auf das letztere die Güte haben wollten – « » Mit Vergnügen , wenn Herr Frank und seine Tochter es wünschen , « sagte Fabian in gepreßtem Tone . » Gewiß wünschen sie es , aber eigentlich war ich es , der darin auf Ihre Gefälligkeit rechnete , « erklärte Hubert , der offenbar sehr stolz auf seine kluge Idee war . » Als Fräulein Margarete neulich klagte , daß sie nahe daran sei , ihr Französisch ganz zu verlernen , geriet der Administrator auf den Gedanken , ihr bisweilen den Sprachlehrer aus der Stadt kommen zu lassen