einrückte . Er brachte stets seine Urlaubszeit auf dem Gute zu , aber während die junge Witwe sehr zurückgezogen gelebt hatte , war Gernsbach jetzt ein gastfreies Haus mit dem angenehmsten Verkehr , und die Heilsberger wußten das zu schätzen . Auf der Terrasse saßen Frau Major Hartmut und Herr Notar Treumann , der noch immer Vorstand des historischen Vereins und Mitarbeiter der » Burgwarte « war , aber die Polemik mit dem Neustädter Tageblatt hatte aufgehört . » Gegen den besiegten Feind muß man Großmut üben , und Neustadt ist gar nichts mehr ! « pflegte Treumann zu sagen . Diese Großmut wurde ihm um so leichter , als jener Redakteur mit der fossilen Beleidigung längst verduftet und das Tageblatt überhaupt sehr zahm geworden war , seit es nicht mehr die Ronaldschen Interessen vertrat . Der Besuch des alten Herrn war diesmal übrigens kein zufälliger . Man erwartete heute in Gernsbach seinen Neffen Ernst und » seine Nichte Edith , geborene Marlow « , wie er nie versäumte hinzuzusetzen , denn man kannte ja die Bedeutung dieses Namens in der Finanzwelt . Sie kamen von der Hochzeitsreise . Wilma Hartmut hatte sich nicht verändert , es war noch dieselbe zarte , anmutige Erscheinung , aber man sah es ihr an , daß sie jetzt eine glückliche Frau war . Da erschien drüben in der Allee der Major zu Pferde und neben ihm auf einem Pony Lisbeth . Sie gewahrten die beiden auf der Terrasse und bogen ab , das ging quer durch die Wiesen in vollem Trabe . Das Blondhaar der Kleinen flatterte im Winde , aber sie saß fest im Sattel und zügelte das kleine , lebhafte Tier mit Sicherheit . » Halt ! « kommandierte Hartmut , und der große Fuchs und der kleine Pony standen wie die Mauern . Der Major grüßte militärisch , was Lisbeth mit großer Sachkenntnis wiederholte , dann stiegen sie ab und übergaben die Pferde dem herbeikommenden Diener , und Arnold führte sein Fräulein Tochter im Triumphe dem Gaste vor . » Sehen Sie sich dies Mädel an ! « sagte er , » die reitet schon besser als ihre Mama . Furcht kennt sie nicht , das geht über Stock und Stein – meine Schule ! « » Ja , so reite ich immer mit dem Papa ! « rief die jetzt zwölfjährige Lisbeth , die auf dies Lob offenbar sehr stolz war . » Sah es nicht lustig aus ? « » Etwas halsbrechend sah es aus , « versetzte der Gefragte . Lisbeth lachte und stahl einige Stückchen Zucker vom Theetische , um die Pferde damit zu füttern , aber es fiel ihr nicht ein , die Steintreppe zu benutzen . Sie setzte sich quer auf die Brüstung und turnte dann mit einem kühnen Sprunge hinunter , was ihr ein tadelndes » Aber Lisbeth « der Mutter und ein lautes » Bravo ! « von seiten des Vaters eintrug . » Das hat Kraft und Leben ! « rief er , » Rede mir nicht darein , Wilma , Lisbeth ist ein Prachtmädel ! « » Aber viel zu wild für ein Mädchen , « warf Wilma ein . » Das ist deine Schuld , du machst einen vollständigen Jungen aus ihr mit deiner Erziehung . « » Nein , das ist deine Schuld , « widersprach Arnold . » Warum bist du mir die Jungen schuldig geblieben ? Jetzt muß ich mich an der Lisbeth schadlos halten . – Also nun sind wir versammelt zum Empfange ! Sehen Sie nicht so feierlich aus , Onkel Treumann , wir sind im Familienkreise . Bei der Hochzeit hatten Sie allerdings noch einen heillosen Respekt vor der Millionärin . « » Respekt ? « wiederholte Treumann halb beleidigt . » Ich konnte meiner Nichte doch nicht näher treten bei dem großen , glänzenden Feste . Ich habe von jeher für sie geschwärmt , das wissen Sie ja von der ersten Begegnung her auf dem Burgberge . « » Aber damals glaubten Sie im vollen Ernst , der dumme Junge , der Maxl , würde den Preis davontragen ! « rief der Major lachend . » Der erholt sich jetzt in Karlsbad von dem Schrecken . Gallenzustände ! so schrieb er wenigstens an Ernst , von dem er sich natürlich das Reisegeld geben ließ . « » Das hat mein Mann auf dem Gewissen , « sagte Wilma vorwurfsvoll zu dem Notar gewandt . » Wir waren ja gerade in Berlin , als Ernst sich verlobte , und begegneten Max auf der Straße . Da erzählte ihm Arnold die Neuigkeit mit einer Schonungslosigkeit – « » Bitte , mein Kind , das hast du mißverstanden , « unterbrach sie Hartmut . » Ich war im Gegenteil äußerst zart und schonend . – Siehst du , Maxl , so geht es ! sagte ich tröstend . Du hattest schon längst abgeschlossen mit der Zukunft deines Bruders damals in Heilsberg , als du um die Millionärin freitest , und nun bekommt er die Million und die schöne Frau ! Den Ernst liebt sie nun einmal , und dich konnte sie nicht ausstehen . Aber tröste dich , du bekommst schon noch irgend ein Ehegespons . – Da wurde er erst grün , dann gelb , murmelte von › Verrat ‹ und stürzte davon wie ein Besessener , und jetzt trinkt er Sprudel , um sich dies Farbenspiel wieder abzugewöhnen . Mich soll nun wundern , wie lange der Maxl noch hausieren geht mit seinem hübschen Gesicht und seiner Dummheit . Er wird doch endlich unter die Haube kommen ! « Treumann zuckte nur mit verächtlicher Miene die Achseln . Er liebte es nicht , wenn von » diesem Menschen « gesprochen wurde , den er nicht mehr als seinen Neffen betrachtete . Er hatte ihn in Acht und Bann gethan und blieb in diesem Punkte unbeugsam . Da kam Lisbeth die Treppe hinaufgestürmt und rief atemlos : » Sie kommen ! Sie kommen !