sehr bestimmte Ton dieser Erklärung hätte einen anderen Zuhörer vielleicht gereizt , der junge Marchese dagegen schien eine unverkennbare Genugthuung dabei zu empfinden . „ Ich zweifle nicht im Geringsten daran , daß Sie mit dieser Forderung in Ihrem Rechte sind , “ erwiderte er mit großer Wärme . „ Das ganze Wesen der schönen Frau spricht dafür . Welch ein imponirender Anstand und welche vollendete Lieblichkeit der Erscheinung ! Ich habe noch nie eine Frau gesehen , die beides so zu vereinigen weiß . “ „ Wirklich ? “ In Hugo ’ s Stimme verrieth sich eine keineswegs angenehme Ueberraschung , als er seinen Begleiter ansah , dessen Wangen lebhaft geröthet waren und dessen Augen blitzten . Der Capitain sagte kein Wort weiter , aber seine Miene sprach deutlich genug aus , was er dachte . „ Ich glaube , dieser Idealmensch fängt jetzt auch an , sich um etwas Anderes zu kümmern , als um Arien und Recitative – das ist aber ganz und gar überflüssig . “ Droben in der Veranda stand Beatrice allein ; sie war Reinhold und dem Lord nicht gefolgt , die gleichfalls hinabstiegen . Ihre Hand vergrub sich mechanisch in das nasse Weinlaub , während die dunklen Augen starr auf die See gerichtet waren , und doch schien sie nichts von der ganzen Umgebung zu sehen . In düsteres Sinnen verloren , hing sie nur dem einen Gedanken nach , den die Lippen jetzt aussprachen , als sie halb drohend , halb angstvoll flüsterte : „ Was war das zwischen den Beiden ? “ Der Herbst war gekommen und hatte Fremde und Einheimische vom Meeresstrande und aus den Gebirgen wieder zurückgeführt in den großen , ewig steten und ewig bewegten Mittelpunkt Italiens . Freilich war es kein Herbst , wie er im Norden die Natur zu Grabe geleitet , mit düsteren Regentagen , rauhen Sturmnächten , wogenden Nebeln , Reif und Nachtfrösten . Hier lag er mild in goldiger Klarheit und unbeschreiblicher Schönheit über der weiten Ebene , von der endlich die Sommergluth gewichen war , über dem Gebirge , das sonst Tag für Tag von heißem Dunst umzogen , von weißen Wolken umlagert , jetzt wieder seine blauen Linien unverhüllt zeigte , und über der Stadt , wo die große Woge des Lebens , die einige Monden lang träger gerollt war , nun mit neuer Macht emporfluthete . Auch Signora Biancona war bereits zurückgekehrt . Ihr Aufenthalt in S. hatte ein ebenso unerwartet schnelles Ende genommen , wie der Reinhold ’ s in Mirando . Diesen schien es [ 540 ] auf einmal nicht länger zu dulden an dem sonstigen Lieblingsorte . Fast unmittelbar nach jener stürmischen Seefahrt bestand er mit Entschiedenheit darauf , daß der ursprüngliche Plan wieder aufgenommen und die längst beschlossene Villeggiatur im Gebirge angetreten werde . Die Einwendungen , ja selbst die offen gezeigte Empfindlichkeit des Marchese , der auf eine längere Anwesenheit seiner Gäste gerechnet hatte , waren umsonst ; denn auch Beatrice schloß sich mit einer Art von Hast dem Plane Rinaldo ’ s an , und so blieb Cesario denn allein in Mirando zurück , während die Uebrigen in das Gebirge gingen , von wo sie soeben zurückgekehrt waren . – Es war in den Vormittagsstunden In ihrem Boudoir saß Signora Biancona , den Kopf auf den Arm gestützt und die Hand in den dunklen Locken vergraben , in der Stellung einer eifrig Zuhörenden . Ihr gegenüber hatte der Capellmeister Gianelli Platz genommen . Was auch seine wahre Gesinnung gegen den vielbeneideten Rinaldo sein mochte , er war doch allzuklug , um dem in der Künstlerwelt wie in der Gesellschaft Allmächtigen nicht äußerlich all die nöthige Rücksicht und Unterordnung zu zeigen , und der schönen Primadonna gegenüber war er nun vollends ganz Ergebenheit und Aufmerksamkeit ; das zeigte sich in Ton und Haltung , als er , das vorhin begonnene Gespräch fortsetzend , sagte : „ Sie hatten befohlen , Signora , und das war genug für mich , um sofort alle Hebel in Bewegung zu setzen . Ich bin so glücklich , Ihren Wunsch erfüllen und Ihnen die genauesten Mittheilungen über den bewußten Gegenstand machen zu können . “ Beatrice hob in lebhafter Spannung den Kopf . „ Nun ? “ „ Dieser Signor Erlau , “ fuhr der Maestro fort , „ ist in der That , wie Sie vermuthen , ein Kaufmann aus H. Er muß wohl zu den Reichsten seines Standes gehören ; denn er tritt hier überall als Millionär auf . In der Nähe von S. hatte er die ganze Villa Fiorina für sich und seine Familie gemiethet , und auch hier hat er eine der theuersten Wohnungen inne . Der Haushalt ist sehr vornehm eingerichtet , die Dienerschaft zum Theil aus Deutschland mitgebracht . Auch besitzt er bedeutende Empfehlungen an seine Gesandtschaft , von denen er jedoch noch keinen Gebrauch gemacht hat , da sein leidender Zustand ihn zur Zurückgezogenheit nöthigt . Die Uebersiedelung bewerkstelligte er überhaupt nur , um sich der Behandlung eines unserer berühmtesten Aerzte zu unterwerfen – “ „ Das Alles weiß ich bereits , “ unterbrach ihn Beatrice ungeduldig . „ Als ich den Namen hörte , zweifelte ich nicht daran , daß es sich um jenen Consul handelte , in dessen Hause auch ich während meines Aufenthaltes in H. verkehrte . Aber die Dame , welche sich in seiner Begleitung befindet , die junge Signora ? “ „ Ist – seine Nichte , “ erklärte Gianelli , der nach dem ersten Worte eine absichtliche Pause machte . Die Sängerin schien nachzusinnen . „ Sie wurde mir allerdings als Signora Erlau genannt . Eine Anverwandte also . Ich habe sie damals nicht gesehen . Sie wäre mir sicher aufgefallen ; solch eine Gestalt übersieht man nicht so leicht . “ Der Maestro lächelte mit boshaftem Ausdrucke . „ Sie soll allerdings den gleichen Namen wie ihr Pflegevater führen ; sie soll Wittwe sein , soll ihren Gatten schon vor Jahren verloren haben – wenigstens wünscht