Alles ruhig . Ich bin sofort hierher geeilt . “ Gabriele wollte antworten , aber die Stimme versagte ihr ; sie brachte keinen Laut über die Lippen . Raven sah in das holde , blasse Antlitz , aus dem die Qual dieser letzten Stunden noch deutlich genug zu lesen war . Er machte eine Bewegung , als wolle er das junge Mädchen an seine Brust reißen , aber noch siegte die gewohnte Selbstbeherrschung . Er ließ den Arm wieder sinken , nur ein tiefer Athemzug entrang sich seiner Brust . „ Und nun , Gabriele , “ sagte er , wiederhole mir die Worte , „ mit denen Du mich vorhin im Wagen von Dir stießest ! “ „ Welche Worte ? “ fragte Gabriele beklommen . „ Die Unwahrheit , mit der Du Dich und mich zu täuschen versuchtest ! Wiederhole es mir jetzt , Auge in Auge , daß Du Winterfeld liebst , ihn allein , daß Du ihm angehören willst ! Wenn Du das kannst , so sollst Du kein Wort , keine Bitte weiter von mir hören , aber – sprich es noch einmal aus ! “ Das junge Mädchen wich zurück . „ Laß mich ! Ich – laß mich , um Gotteswillen ! “ Textdaten zum vorherigen Teil < < < > > > zum nächsten Teil zum Anfang Autor : W. Heimburg Titel : Um hohen Preis aus : Die Gartenlaube 1878 , Heft 22 , S. 355 – 358 Fortsetzungsroman – Teil 14 [ 355 ] „ Nein , ich lasse Dich nicht , Gabriele ! “ brach Raven mit vollster Leidenschaft aus . „ Einmal muß es ja doch ausgesprochen werden , was Du längst weißt und was ich wußte , von dem Tage an , wo ich zum ersten Male in diese sonnigen Kinderaugen blickte . Aber ich hörte ja aus Deinem eigenen Munde , daß Du einen Andern liebtest . Der dreißig Jahre ältere Mann , mit ergrauendem Haar und den unerwiderten heißen Gefühlen wäre dem Fluche der Lächerlichkeit verfallen , wenn er Dir die Wahrheit eingestanden hätte , und ich , beim Himmel , ich wollte nicht lächerlich sein . Aber heut sah ich , wie Du zittertest um meinetwillen wie Du Dich mitten in die Gefahr werfen wolltest , die mich bedrohte , um mir zur Seite zu bleiben , und jetzt wagst Du es nicht , jene Worte zu wiederholen , weil Du fühlst , daß es eine Lüge ist , die wir Beide mit unserem Glücke bezahlen . Jetzt endlich muß es klar werden zwischen uns . Ich liebe Dich , Gabriele , und habe gegen diese Liebe gekämpft mit dem ganzen Aufgebot meiner Kraft und meines Stolzes . Der Traum sollte zu Ende sein ! – Das vermessene Wort hat sich schwer genug an mir gerächt . In dem Augenblicke , wo ich sie niederzwingen wollte , erhob sich die Leidenschaft in ihrer ganzen Riesengewalt und lehrte mich ihre Macht kennen . Ich hüllte mich in Schroffheit und Eiskälte Dir gegenüber . Ich suchte Rettung in der Trennung , in der Arbeit , im Kampfe mit den feindlichen Elementen , die sich jetzt von allen Seiten gegen mich erheben – es war vergebens . Von Dir hatte ich mich losgerissen , und Dein Bild stand vor mir im Wachen wie im Traume ; es drängte sich in die einsamste Arbeitsstunde hier und in die wildbewegteste Thätigkeit draußen , und wenn ich im Kampfe meinen Gegnern die Stirn bot , dann brach es wie Sonnenschein durch das Sturmgewölk , das mich umgab , und riß all mein Denken und Fühlen zu Dir zurück , zu Dir allein . Du mußt mein werden oder ich muß Dich von mir lassen auf ewig ; jedes Dritte würde uns Beiden nur Verderben bringen . Antworte , Gabriele , wen liebst Du ? Wem galt die Angst und Zärtlichkeit , die ich in Deinen Blicken las ? Ich warte auf die Entscheidung . “ Er stand vor ihr , als erwarte er wirklich eine Entscheidung über Tod und Leben . Gabriele hörte halb betäubt dem Ausbruch einer Leidenschaft zu , die ein nur zu lautes Echo in ihrer eigenen Brust fand . Was Raven aussprach , das war ja nur der Wiederhall ihrer eigenen Gefühle . Auch sie hatte gekämpft und gerungen mit ihrer Liebe ; auch sie hatte versucht , einer Macht zu entfliehen , aus deren Bereich es kein Entfliehen gab . Vor dieser Flammengluth , die mit elementarer Gewalt aus dem Innern des sonst so kalten , ernsten Mannes hervorbrach , sank Alles zusammen , was dem jungen Mädchen bisher Leben und Lieben geschienen , auch der Jugendtraum , der einst das ganze Leben auszufüllen versprach . Es war eben nur ein Traum gewesen , mit traumhaft dunklen Regungen und Ahnungen , die erst jetzt Form und Gestalt gewannen . Gabriele war erwacht ; sie schaute der echten vollen Leidenschaft in ’ s Antlitz , und wenn sie auch fühlte , daß jene vulcanische Natur mit ihren düsteren Tiefen und ihrem lodernden Feuer weit eher vernichten als beglücken konnte , sie bebte nicht mehr davor . Was sie bisher Glück genannt , verbläßte und verschwand wie ein matter Schemen vor dem Flammensturme , der ihr hier entgegenwogte . Das junge Mädchen machte noch einen letzten Versuch , sich an die Vergangenheit zu klammern . „ Georg – er liebt mich und vertraut mir – er wird namenlos unglücklich , wenn ich ihn verlasse . “ „ Nenne den Namen nicht ! “ fuhr Raven auf ; sein Auge sprühte im wildesten Hasse . „ Erinnere mich nicht immer wieder daran , daß dieser Mann allein es ist , der zwischen mir und meinem Glücke steht ! Es könnte verhängnißvoll für ihn werden . Wehe ihm , wenn er es versuchen sollte , Dich bei Deinem übereilten Worte zu halten ! Ich werde Dich davon lösen , sei es mit Güte oder Gewalt . Was bist Du