der Bruder hatte mit seinem Lebensblute die Schwester gerettet ! Eine Stunde war vergangen , der Kampf war unbedeutender und kürzer gewesen , als man es anfangs geglaubt . Die Feinde , die sich vom Walde her in einer nur kleinen Anzahl in der Grotte gesammelt , hatten jedenfalls die Absicht gehabt , das Schloß , in dem , wie man wußte , die Officiere einquartiert waren , möglichst geräuschlos zu überlassen , um die im Dorfe liegenden Mannschaften führerlos dem Angriffe der Hauptmacht preiszugeben der allen Anzeichen nach von der andern Seite her beabsichtigt war . Der zu früh ausgebrochene Alarm hatte jenen Plan vereitelt , der Angriff erfolgte nicht , und das Handgemenge an der Grotte konnte daher auch nur ein kurzes sein . Einige Franctireurs waren gefallen , ein halbes Dutzend gefangen , die anderen stoben in wilder Flucht in den Wald zurück . Bei dieser Gelegenheit ward auch der geheime Ausgang dorthin entdeckt und besetzt ; auch von den Deutschen waren Einige mehr oder weniger schwer verwundet , tödtlich keiner , Friedrich war das einzige Opfer . Man hatte ihn in Jane ' s Zimmer getragen und auf das dort befindliche Bett niedergelegt . Sie saß an seiner Seite , ihre eigene Verwundung hatte sich als ein unbedeutender Streifschuß herausgestellt , der sie allerdings am Auftreten hinderte und ihr die Flucht unmöglich gemacht hätte , sonst aber gefahrlos war . Doctor Behrend verzichtete , nachdem er den Verband angelegt , auf jede weitere Maßregel , er sah , daß sie jetzt nicht in der Stimmung war , eine solche Wunde zu beachten . Am Fenster des Gemaches stand Atkins und betrachtete schweigend die Gruppe . Jane hatte ihn in steigender Hast von dem Vorgefallenen unterrichtet , und aus den Zügen des Amerikaners waren der Spott und Sarkasmus verschwunden , ein tiefer Ernst war jetzt allein darin sichtbar . Da lag der so lange und schmerzlich Gesuchte , für dessen Auffinden die Eltern Reichtümer geopfert hätten , dem die Schwester gefolgt war über ' s Meer , durch die ganze Heimath bis hierher . Er war ihnen so nahe gewesen wochenlang , und sie hatten Beide so vornehm auf ihn herabgeblickt , hatten den armen Burschen mit Hochmuth und Hohn gekränkt und hatten ihn verspottet , wo sie nur gewußt und gekonnt . Freilich , ihm war nichts von allen jenen reichen Schätzen des Wissens und der Bildung zu Theil geworden , welche die Jugend seiner Schwester überströmt hatten . Arm und unwissend , in elender Dienstbarkeit war der Erbe einer Million aufgewachsen und herumgestoßen worden im Leben , bis er endlich einen gütigen Herrn fand , und die Stunde , welche zuletzt die Wahrheit enthüllte , welche ihn dem Reichtum , der Zukunft zurückgab , sie war auch seine Todesstunde . Doctor Behrend , den einige Worte Atkins ' von dem Zusammenhange unterrichtet hatten , vermochte keine Hoffnung zu geben . Die Wunde war unbedingt tödtlich , vielleicht wäre sie es nicht gewesen , hätte Friedrich , als er die Kugel empfing , sich sofort und allein in ' s Gebüsch gerettet , aber die furchtbare Anstrengung , mit der er Jane noch die ganze Strecke getragen , wurde verhängnißvoll , es war eine innere Verblutung eingetreten , er hatte nur noch kurze Zeit zu leben . Der Verwundete hatte bisher in tiefer Ohnmacht gelegen , jetzt regte er sich und schlug die Augen auf , sie hafteten zunächst auf dem Arzt , der am Fußende des Bettes stand . „ Es geht wohl zu Ende mit mir , Herr Doctor ? “ fragte er matt . Doctor Behrend trat zu ihm , er wechselte einen Blick mit Jane , ihr Auge verbot ihm die Antwort . „ Das nicht , Friedrich , aber Sie sind schwer verwundet . " Friedrich war bei vollster Besinnung , er hatte sehr wohl den Blick gesehen . „ Sie können es mir immer sagen , ich habe keine Furcht davor , Mein Herr “ – er wandte das Auge fragend zu Jane , „ sagten Sie nicht , Miß , mein Herr wäre verloren ? “ Jane verbarg das Gesicht in den Händen , sie litt eine doppelte Folter , die Bewachung verdoppelt , sie selbst unfähig , einen Schritt vorwärts zu thun , vor ihr der sterbende Bruder , und vielleicht fiel in diesem Augenblick auch Walther , sie vermochte nichts mehr dagegen , sie wich dem Unmöglichen . Friedrich verstand die stumme Antwort . „ Dann mag ich auch nicht mehr leben ! “ sagte er ruhig , aber mit vollster Entschiedenheit . „ Ich habe es gewußt , als er Abschied von mir nahm , und ich hätte es ohne ihn doch nicht ausgehalten ! " Er schloß wieder die Augen und lag bewegungslos wie vorhin , der Arzt trat zu Jane und beugte sich flüsternd zu ihr nieder . „ Ich kann Ihnen den Trost geben , daß das Unvermeidliche sich ruhig und fast schmerzlos vollziehen wird . Wenn Sie ihm aber noch etwas mitzutheilen haben – eilen Sie . “ Er verließ das Zimmer , um nach den übrigen Verwundeten zu sehen , auf ein leises Wort Jane ' s zog sich auch Atkins in das anstoßende Gemach zurück . Bruder und Schwester waren jetzt allein . Sie beugte sich über ihn , sein Gesicht hatte wieder ganz den gewöhnlichen Ausdruck , nur daß es jetzt matt und todtenbleich erschien ; er schien in der That kaum zu leiden , jener erst in der Todesgefahr aufflammende Zug war verschwunden und die Aehnlichkeit mit ihm . Sie fühlte , daß sie vorsichtig zu Werke gehen müsse , sollte der schwache Lebensfaden nicht allzu jäh zerrissen und ihm ein letzter Schmerz statt einer letzten Freude bereitet werden . Sie hatte die Kraft dazu . Es gab nur ein Wesen auf der ganzen Welt , das im Stande war , Jane die Selbstbeherrschung zu rauben . Auch am Sterbebett des Bruders behauptete sie ihr Recht , aber