Sein und Wesen so fernab liegt von dem meinen , ich weiß es nicht , aber diese Liebe ist mir zum Verhängniß geworden . Ich habe dagegen gekämpft mit der ganzen Willenskraft des Mannes , mit der ganzen Gewissensangst des Priesters , ich bin davor geflohen bis in die fernste Einsamkeit , es war alles umsonst ! wie ein Dämon hing sich diese Leidenschaft an jeden meiner Gedanken , stahl sie sich in jeden meiner Träume und wühlte jede Faser meines Innern auf , wenn ich scheinbar kalt und verschlossen meiner Umgebung gegenüberstand . Was ein Mensch nur ringen und streiten kann , das habe ich gethan , aber es giebt eine Grenze auch für die menschliche Willenskraft , und die meinige hat jetzt ihr Ende erreicht ! Ich unterliege ! “ Er wartete vergebens auf eine Antwort . Lucie hatte beide Hände vor das Gesicht geschlagen , die blendende Helle , welche auf einmal niederfloß , traf sie mit der ganzen schmerzenden Gewalt wie der erste Lichtstrahl den blind Gewesenen . Geliebt von diesem Manne ! Ihr galten die Regungen dieser dämonischen Tiefe , die sich so jäh ihr und nur ihr allein entschleierte ! Es war das zweite Mal in ihrem Leben , daß man es wagte , dem jungen Mädchen von Liebe zu sprechen . Einst hatte Graf Ottfried vor ihr auf den Knieen gelegen und um Erhörung gefleht , und während seine Schmeichelworte ihr Ohr betäubten und ihre kindische Eitelkeit in dem Triumphe schwelgte , tönte die rauschende Musik aus dem hell erleuchteten Ballsaal herüber , wo die Paare vorüberschwebten . Hier – rauschte nur der Wind in den Todtenkränzen und das ewige Licht glühte nieder auf die Beiden , die eben jener Ort für ewig trennte , der sonst zwei Menschen eint für das ganze Leben . Hier kniete Niemand vor ihr , aufrecht stand jene hohe Gestalt ihr gegenüber , und die dunkelglühende Leidenschaft , welche ihr entgegenfluthete , hatte nichts gemein mit den Tändeleien des Grafen . Schien es doch fast , als sei sie dem Hasse verwandt , als sei jedes dieser Worte , die dumpf und gepreßt von seinen Lippen kamen , nur dem innern Widerstreben abgerungen , das sich noch immer empörte gegen die „ Naturgewalt “ , die ihn zu ihr zog . Und doch wühlte es ihre ganze Seele auf bis in die tiefsten Tiefen . Ihr war , als sänke die ganze Vergangenheit hinab auf Nimmerwiederkehr und mit ihr auch das Kind , das bisher spielend Alles hingenommen , Alles weggelacht und weggescherzt hatte , als sei das ganze Leben nur eine sonnige Wiese , über die man hinwegtanzen könne , und was sich statt dessen vor ihr erhob , so ernst , so geheimnißvoll und feierlich , das war nicht jene Liebe , die sie sich geträumt , aber es nahm mit räthselhafter Gewalt ihr ganzes Wesen gefangen . Der Schatten , den jene dunkle Gestalt von jeher auf ihren Weg geworfen , gewann jetzt Form und Leben , sie wußte jetzt auch , weshalb sie diese Augen geflohen hatte und daß die Flucht umsonst gewesen war . – Es war todtenstill in dem düstern Raume , langsam verließ Benedict seinen Platz und trat an ihre Seite . „ Sie schweigen ? “ sagte er ruhiger , aber tonlos . „ Ich wußte es , daß mein Bekenntniß Ihnen nur Schrecken und Abscheu einflößen konnte , aber einmal mußte die Last herunter von der Brust ! Vielleicht gehe ich nun leichter in die Entscheidung , die meiner wartet , und dem Verurteilten ist ja noch ein letztes freies Wort erlaubt . Ich habe Ihren Frieden gestört , aber glauben Sie mir , Lucie : was ich ertragen habe , ehe es so weit kam , ist wohl die paar Thränen werth , welche Ihnen diese Stunde kostet , die vielleicht schon morgen vergessen ist . Leben Sie wohl ! “ Es schien , als wolle sich beim Abschied die frühere Weichheit noch einmal Bahn brechen , aber das Lebewohl überfluthete schon wieder die ganze Bitterkeit des Mannes , der sich unverstanden wähnte . Er wandte sich stürmisch ab und ließ sie allein . Aber mit seiner Entfernung löste sich auch der Bann , der das junge Mädchen regungslos gefesselt hielt , sie fuhr auf und machte eine Bewegung , ihm nachzueilen . „ Bruno ! “ [ 185 ] Es war ein Laut flehender , unaussprechlicher Angst , mit welchem Bruno ’ s Name an die Wände schlug , ein Ton , wie er noch niemals aus diesem Kindesmunde gekommen ; aber es war zu spät , der junge Priester befand sich bereits draußen im Freien . Sie sah sich allein in der dämmernden Kirche , stärker schwankte die Ampel über dem Hochaltar , stärker wehte der Luftzug herein und wie von Geisterhand berührt löste sich einer der Todtenkränze von der Wand und fiel schwer zu Boden – Lucie schauerte zusammen . – Eine fremde Gestalt erschien nunmehr in der Kirchenthür und in der nächsten Minute stand ein kleiner alter Mann an der Seite des jungen Mädchens . „ Wenn es dem Fräulein jetzt gefällig wäre , ich stehe zu Diensten , “ begann er höflich . Lucie sah ihn verstört an . „ Wer sind Sie ? “ „ Ich bin der Meßner ! Hochwürden der Herr Caplan hat mir befohlen , bei dem jungen Fräulein zu bleiben und es sicher zurückzubringen nach – ? “ „ Nach N. ! “ war die leise halb erstickte Antwort . „ Nach N. ? “ wiederholte der Alte verwundert . „ Dahin geht der Herr Caplan ja eben auch , da hätte er das selbst thun können ! Nun , er meint vielleicht , der Weg über die wilde Klamm ist nicht für solche Füßchen , wie die Ihrigen ; wir gehen natürlich die Fahrstraße . “ Lucie erwiderte nichts , mechanisch folgte sie dem Manne , in dessen Schutz sie Benedict gegeben , aber sie ging