mit Leib und Leben der Eurige und werde gegen alle Spaniolen und Meineidigen zu Euch stehen . Eure Pferde und Leute sind unten bereit . Noch ist es möglich , wenn die Prätigauer uns den Rücken decken , nach der Rheinschanze durchzudringen . Begegnet uns Volksgesindel , so reiten wir es nieder . « Herzog Heinrich hieß diesen mutigen Vorschlag , welcher seinen eigenen Entschluß aussprach , mit einer zustimmenden Kopfbewegung gut und schritt , Herrn Sprecher flüchtig grüßend , rasch dem Ausgange zu . Aber schon war er ein Gefangener . Als Wertmüller die Türe des Vorsaales aufriß , ertönte von unten her Gemurmel zahlreicher Stimmen und schleifendes Geräusch treppansteigender Füße . Man vernahm Sporengeklirr und gedämpften Wortwechsel . Der Herzog blieb stehen und legte die Hand an den Degen . Vor der Tür zauderten und drängten sich Gestalten , die einen in Waffen , die andern in Staatstracht . Keiner wagte es , sich voranzustellen . Jetzt wichen sie zur Seite und gaben Raum . Georg Jenatsch trat aus ihnen hervor und überschritt die Schwelle . Ihm folgten Guler , der Graf Travers und ein stattlicher Mann in bürgermeisterlichem Ornate und goldener Kette mit großgeschnittenem , fleischigen Gesicht und leicht schielenden Augen . Der Oberst Jenatsch , hinter dessen entschlossenen Schritten die andern nicht ungern zurückblieben , näherte sich barhaupt mit starren blassen Zügen dem Herzog , der stolz und fragend vor ihm stand . Seine Stimme klang ruhig und seltsam kalt , als er zu reden anhob : » Erlauchter Herr , Ihr seid in unserer Gewalt . Unser Aufstand ist Gegenwehr und gilt nicht Euch , sondern der Krone Frankreich . Was Euch dunkel blieb , ist uns klargeworden : Der Kardinal will den von Euch mit uns vereinbarten Vertrag nicht unterzeichnen . Er will uns festhalten und im Tauschhandel des in Aussicht stehenden allgemeinen Friedensschlusses als französische Ware verschachern . Das Pfand Eurer reinen Ehre , das er uns in die Hände gab , würde er leicht verscherzen . So hat uns der König von Frankreich und sein Kardinal dazu getrieben bei unserm Erbfeinde billigere Hilfe zu suchen , die uns auch gewährt wurde . Gott weiß , was es uns gekostet hat unsere Freiheit unter Spaniens Schild zu stellen . – Was wir von Euch verlangen und warum Ihr es uns gewähren werdet , das kann ich Euch mit wenigen Worten darlegen . Vor Eurer Rheinschanze strömt Bündens ganzer Landsturm zusammen . Die Regimenter rücken in Chur ein . Ich habe sie ihres Gehorsams gegen Euch entbunden und den Eid ihrer Treue den Häuptern unserer drei Bünde schwören lassen . Die Österreicher stehen am Luziensteig , die Spanier bei der Festung Fuentes , beide mit Übermacht . Auf ein Wort von mir überschreiten sie die Grenze . – Seht hier meine spanisch-österreichischen vom Kaiser selbst und vom Gubernatore Serbelloni unterzeichneten Vollmachten ! « – und er entfaltete zwei Papiere . » Lecques kann Euch nicht befreien , denn bei seiner ersten Bewegung gegen die Alpenpässe rücken die Spanier von Fuentes her ins Veltlin . – Ihr seht , Euer Heer ist von allen Seiten eingeklemmt ; nur Ihr könnt es Euerm Könige retten , und Ihr tut es , wenn Ihr dieses Übereinkommen unterzeichnet . « – Jenatsch nahm ein drittes Papier aus der Hand des Bürgermeisters von Chur und las : » › Die Rheinschanze und das Veltlin werden von den Franzosen geräumt . Sie verlassen Bünden als Freunde und in kürzester Frist . Der Herzog Heinrich Rohan , Pair von Frankreich und Generallieutenant der französischen Armee , bleibt als unser Bürge in Chur , bis zur Vollziehung dieses seines mit uns geschlossenen Übereinkommens . Und dies Übereinkommen verspricht der erlauchte Herzog bei seiner Ehre auch dann in Treuen zu vollziehen , wenn Gegenbefehl vom französischen Hofe einträfe . – ‹ So steht es . Wir haben nicht das Recht , erlauchter Herr , Eure Liebe zu Bünden anzurufen , denn wir haben uns ohne Euch und wider Euch geholfen . Aber bedenkt , daß Ihr , wenn Ihr den Vertrag nicht unterzeichnet , dieses Land , das gewohnt ist , Euch als seinen guten Engel zu verehren , durch Euren Widerstand in blutiges , unabsehbares Elend stürzt . « – Der Herzog nahm die Rolle nicht . Er wandte sich mit einer zornigen Träne ab , dann sagte er und seine Stimme bebte : » Ich habe schon vielen Undank erfahren – aber noch nie ist mir auf so bittere Weise mein Vertrauen mit Verrat und die von mir dem Rechte des Kleinen erwiesene Ehre mit Schlangenbissen und Schmach heimgezahlt worden . – Ich unterzeichne nicht . – So tief kann ich Frankreich und seinen Feldherrn unmöglich erniedrigen . « Die Stille , die jetzt entstand , wurde durch einen Tumult vor der offen gebliebenen Türe unterbrochen . Durch das die Treppen füllende Volk drängte sich ein breitschultriger , rothaariger Kriegsmann und man hörte ihn dringend nach dem General Jenatsch fragen . Unwirsch rief ihm dieser entgegen : » Ihr stört hier , Hauptmann Gallus ! Was gibt ' s ? « » Ich muß Eure Ordre haben « , rief die rohe Stimme . » Janetts Prätigauer wollen den neuen Eid nicht schwören . Sie meinen , Ihr verhandelt sie an die spanischen Pfaffen , und sagen , sie hätten Frankreich geschworen und gehorchten niemandem als dem Herzog . « Jenatsch war vor Wut totenbleich geworden . Er warf den Kopf nach dem Sprechenden herum und schrie ihn heiser an : » Mein Regiment gegen sie vorgeführt ! Erschießt sie alle ! « Dann wandte er sich wieder dem Herzog zu und drohte , wie außer sich , mit erstickter Stimme : » Ihr Blut über Euch , Herzog Rohan ! « Der Herzog zuckte und stand eine Weile in schmerzlichem innern Kampfe . Endlich ergriff er mit zitternder Hand die auf dem Tische liegende Rolle , wandte sich und schritt der Türe seines Arbeitszimmers zu , die der ihm folgende