hätten alle wieder rote Jacken an ... Und rote Jacken , die wollte keiner mehr , die hätten die Leute jetzt über ... Er sagte , Sie müßten ihnen andere Jacken anziehen , Herr Professor ; anders ging es nicht . « Krause verfärbte sich und rang anscheinend nach Luft . Endlich hatte er sich seine Rolle zurecht gelegt und fuhr nun los , indem er den Berserker ganz kunstgerecht spielte . » Zühlke , ' raus . Was soll das heißen ? Lepke ist verrückt geworden . Raus sag ' ich . « Und während Zühlke ging , tobte Krause vor seinen Schülern immer noch weiter und stürzte schließlich dem armen Zühlke nach , vor sich hinbrummend , daß er dem Kerl noch ein paar ordentliche Redensarten an den Kopf schmeißen müsse . Dabei warf er die Klassentür forsch zu und sah nun auch wirklich den Korridor hinunter . Da ging Zühlke noch , das Bild unterm Arm . » Zühlke ! « » Herr Professor ... « » Zühlke kommen Sie noch mal her . Wissen Sie was , stellen Sie das Bild da hinter die Tür , aber so , daß die Jungens es nicht sehen , wenn sie ' rausstürzen , und sagen Sie Lepken , ich würde den Kerls andere Jacken anziehen . Und grüßen Sie Lepken . Er ist doch wohl ? « » Ganz wohl , Herr Professor . « » Na , denn is es gut . « Und sofort die Wutmiene wieder aufsetzend , trat er in den Klassensaal zurück , um noch einiges über den unverschämten Kerl zu sagen . « So Gentz in seiner zweiten echtesten Geschichte , die mir , neben anderem , auch dadurch unvergeßlich geblieben ist , daß er ( wir sprachen gerade von einem durch » Schneidigkeit « sich auszeichnenden Künstler ) schmunzelnd hinzusetzte : » Und sehen Sie , so ist der nu gerade auch . « Und wer wollte es bezweifeln , daß er zu solchem Ausspruch ein Recht hatte ! Gibt es doch nur ganz wenig Menschen , die frei von solcher Komödianterei sind ; andere , die sich wohl frei davon machen möchten , können ' s nicht , weil sie ' s von Geschäfts wegen nicht dürfen . Verbleibt uns , zum Schluß , noch ein Wort über W. Gentz , den Maler . Auch hier wieder können wir seinen eigenen Aufzeichnungen folgen . » ... Ich bin der Ansicht « , so schreibt er , » daß die Kunst modern , d.h. zeitgemäß sein müsse . Ich verehre die alten Künstler im höchsten Grade , ja , finde , daß sie in ihrem Kreise so Vollendetes geleistet , daß es nicht übertroffen werden kann . Ich nenne nur die Sixtinische Madonna und die Gestalten des Phidias . Die moderne Kunst muß also andere Wege einschlagen oder andere Gebiete kultivieren , um damit konkurrieren zu können . Naturalismus – Realismus . Zum Beispiel ein Pferd wie das des ersten Napoleon auf dem winterlichen Rückzuge ( von Meissonier ) hat nie ein alter Maler so gut gemalt ; gemütvolle und humoristische Genreszenen wie Knaus ebensowenig . Das Studium alter Kunst halte ich aber für gut , vielleicht für notwendig . Es gehört schon große Kraft dazu , die Alten so nachzuahmen , daß diese Nachahmungen daneben bestehen können . ( Lenbach . ) Meiner Neigung nach bin ich Idealist , und doch hat mich meine Naturbegabung nicht dazu befähigt , ideale , phantastische Gestalten und Seelenschilderungen hervorzubringen . Ich habe mich deshalb auf die pittoreske Seite der Natur beschränken müssen . Ich bin mehr Kolorist . Der Farbenzauber übt den größten Reiz auf mich aus , besonders der Tizians , der wohl auf diesem Gebiet das Vollendetste schuf . Den Stil halte ich in der Kunst für notwendig , Stil dahin aufgefaßt , daß er das Triviale , Gemeine , Alltägliche von der Kunst fernzuhalten , aus dem Darzustellenden auszuschließen habe . Stil besitzen demnach auch Rembrandt und Menzel . 33 Die Kunst soll nach Vollendung streben , soll ehrliche , gründliche Arbeit verrichten und , soweit dies die modernen » Impressionisten « tun , schließe ich auch diese Richtung innerhalb der Kunst ( Fr. von Uhde , Max Klinger ) von der Kunst selbst nicht aus . Leider aber wenden sich auch viele junge Künstler dieser Richtung zu , die , bei unleugbarem Talent , doch nicht Energie genug haben , gründlich zu arbeiten und zunächst nur auffallen wollen , was durch den Impressionismus und Intentionismus , dieser äußersten Linken , allerdings möglich ist . Es ist natürlich , daß ein Künstler das Naheliegende , das Heimatliche , das Vaterländische vollendeter als das Fremde zu schildern vermag . Sollte aber nicht , wie die Wissenschaft , so auch die Kunst dazu berechtigt sein , den ganzen Erdball in ihr Gebiet zu ziehen ? Würde jede Nation für sich nur ihr Nationales in Betracht ziehen , so würde zwar dadurch auch der Erdball zur Darstellung gelangen , es müßte dann aber , wenn man sich vor Erstarrung und Enge bewahren wollte , doch immer wieder ein großartiger Kunstaustausch stattfinden , der in der tatsächlichen Anerkennung einer Gleich- oder Mitberechtigung , dem Wesen des Nationalismus doch wieder widersprechen würde . « So W. Gentz über seine Kunstrichtung , Bemerkungen , denen ich , abschließend , ein paar Worte hinzufügen möchte . So gewiß Paris , seit Horace Vernets Tagen , und vielleicht früher schon , reich an Orientmalern ist , so gewiß ist W. Gentz unter uns ein Unikum geblieben , derart , daß wir vielleicht keinen Künstler haben , selbst große Meister wie Menzel und Knaus nicht ausgeschlossen , mit denen wir eine so bestimmte Vorstellung verknüpfen , wie mit W. Gentz . Er ist Kairo , Jerusalem , Konstantinopel , er ist Sklavenkarawane , Harem , Judenkirchhof und dazwischen Wüste mit Tempeltrümmern und Pyramiden und Fluß und See mit Pelikanen und Flamingos . Die Bilder , die davon abweichen ,