, als ich ihm bedeutete , daß ich keine Zeit hätte . » Nur en ganz en kurzen Augenblick . Nur ä paar Worte . « Der Schweiß lief ihm übers Gesicht , und er zitterte vor Aufregung . » Kann man hier auch ungestört mit Ihnen sprechen , Herr von Pernath ? Ich möcht ' nicht , daß der - der Hillel wieder hereinkommt . Sperren Sie doch lieber die Tür ab , oder geh ' mer besser ins Nebenzimmer « , - er zog mich in seiner gewohnten , heftigen Art hinter sich drein . Dann sah er sich ein paarmal scheu um und flüsterte heiser : » Ich hab mir ' s überlegt , wissen Sie , - das von neilich . Es is besser so . Es kommt nix hereaus dabei . Gut . Vorüber is vorüber . « Ich suchte in seinen Augen zu lesen . Er hielt meinen Blick aus , krampfte aber die Hand in die Stuhllehne , solche Anstrengung kostete es ihn . » Das freut mich , Herr Wassertrum , « sagte ich , so freundlich ich konnte , » das Leben ist zu trüb , als daß man es sich gegenseitig noch mit Haß verbittern sollte . « » Rein , als ob man ein gedrücktes Buch reden hört , « grunzte er erleichtert , wühlte in seinen Hosentaschen und zog wieder die goldene Uhr mit den verbogenen Sprungdeckeln hervor , » und damit Sie sehen , ich mein ' s ehrlich , müssen Sie die Kleinigkeit da von mir annehmen . Als Geschenk . « » Was fällt Ihnen denn ein , « wehrte ich ab , » Sie werden doch wohl nicht glauben - « , da fiel mir ein , was Mirjam über ihn gesagt hatte , und ich streckte ihm die Hand hin , um ihn nicht zu kränken . Er achtete nicht darauf , wurde plötzlich weiß wie die Wand , lauschte und röchelte : » Da ! Da ! Hab ' ich ' s doch gewußt . Schon wieder der Hillel ! Er klopft . « Ich horchte , ging ins andere Zimmer zurück und zog zu seiner Beruhigung die Verbindungstür hinter mir halb zu . Es war diesmal nicht Hillel . Charousek trat ein , legte , wie zum Zeichen , daß er wisse , wer nebenan sei , den Finger an die Lippen und überschüttete mich in der nächsten Sekunde und ohne abzuwarten , was ich sagen würde , mit einem Schwall von Worten : » Oh , mein hochverehrter , liebwerter Meister Pernath , wie soll ich nur die Worte finden , Ihnen meine Freude auszudrücken , daß ich Sie allein und wohlauf zu Hause antreffe . « - - - Er sprach wie ein Schauspieler , und seine schwülstige , unnatürliche Redeweise stand in so krassem Gegensatz zu seinem verzerrten Gesicht , daß ich ein tiefes Grauen vor ihm empfand . » Niemals hätte ich , Meister , es gewagt , in dem zerlumpten Zustande zu Ihnen zu kommen , in dem Sie mich gewiß schon des öfteren auf der Straße erblickt haben , - doch , was sage ich : erblickt ! haben Sie mir doch oft huldreich die Hand gereicht . Daß ich heute vor Sie hintreten kann mit weißem Kragen und in sauberem Anzug , - wissen Sie , wem ich es verdanke ? Einem der edelsten und leider - ach - meist verkannten Menschen unserer Stadt . Rührung übermannt mich , wenn ich seiner gedenke . Selber in bescheidenen Verhältnissen , hat er dennoch eine offene Hand für Arme und Bedürftige . Von jeher , wenn ich ihn traurig vor seinem Laden stehen sah , trieb es mich aus tiefstem Herzen heraus , zu ihm zu treten und ihm stumm die Hand zu drücken . Vor einigen Tagen rief er mich an , als ich vorüberging , schenkte mir Geld und versetzte mich dadurch in die Lage , mir gegen Ratenzahlung einen Anzug kaufen zu können . Und wissen Sie , Meister Pernath , wer mein Wohltäter war ? - Mit Stolz sage ich es , denn ich war von jeher der einzige , der geahnt hat , welch goldenes Herz in seinem Busen schlägt : Es war - Herr Aaron Wassertrum ! « - - - - Ich verstand natürlich , daß Charousek seine Komödie auf den Trödler , der nebenan lauschte , gemünzt hatte , wenn mir auch unklar blieb , was er damit bezweckte ; keinesfalls schien mir die allzuplumpe Schmeichelei geeignet , den mißtrauischen Wassertrum hinters Licht zu führen . Charousek erriet offenbar aus meiner bedenklichen Miene , was ich dachte , schüttelte grinsend den Kopf , und auch seine nächsten Worte sollten mir wahrscheinlich sagen , daß er seinen Mann genau kenne und wisse , wie dick er auftragen dürfe . » Jawohl ! Herr - Aaron - Wassertrum ! Es drückt mir fast das Herz ab , daß ich ihm nicht selbst sagen kann , wie unendlich dankbar ich ihm bin , und beschwöre Sie , Meister , verraten Sie ihm niemals , daß ich hier war und Ihnen alles erzählt habe . - Ich weiß , die Selbstsucht der Menschen hat ihn verbittert und tiefes , unheilbares - ach , leider nur zu gerechtfertigtes Mißtrauen in seine Brust gepflanzt . Ich bin Seelenarzt , aber auch mein Gefühl sagt mir , es ist am besten : Herr Wassertrum erfährt nie - auch aus meinem Munde nicht - wie hoch ich von ihm denke . - Es hieße das : Zweifel in sein unglückliches Herz säen . Und das sei ferne von mir . Lieber soll er mich für undankbar halten . Meister Pernath ! Ich bin selbst ein Unglücklicher und weiß von Kindesbeinen an , was es heißt , einsam und verlassen in der Welt zu stehen ! Ich kenne nicht einmal den Namen meines Vaters . Auch mein Mütterlein habe ich niemals von Angesicht zu Angesicht gesehen .