! Gott soll dich schützen auf der Reise - Gott , von dem ich auch nach diesem bösen Ochsenhandel noch glauben werde , daß er nicht trag ist und seiner Liebe nicht müde wird . « Als Herr Pienzenauer das Haus verlassen hatte , blieb hinter ihm ein hetzendes Gewimmel . Nur Vater Someiner - als er vernahm , um was es sich handelte - beteiligte sich nicht an diesem Aufruhr und kehrte mit dem Anschein unerschütterlicher Ruhe zu seinen Pergamenten zurück . Sein abgemagertes Gesicht war gelb . Er empfand diese dunkle , zwischen Lampert und dem Fürsten spielende Vertraulichkeit , von der er sich ausgeschlossen sah , als eine neue , schwere Kränkung . Und der Sohn begann in des Vaters Augen zu einem wühlenden Feinde zu werden , der ihn aus Amt und Würden wie aus der Gnade des Fürsten zu verdrängen suchte . Vom Stifte wurden drei gute Pferde geschickt . An zweien war Packung und Sattelzeug mit grauen Reiseschabracken überschnallt . Mutter Someiners Abschied von Lampert wurde eine lange und harte Sache . Als der Sohn sich vom Vater verabschieden wollte , erhob sich der Amtmann gar nicht von seinem heiligen Sessel . Er nickte nur und sprach : » Ja , ja , schon gut ! Reit nur ! Auf der hohen Schul zu Prag ist wohl doziert worden , wie man sich schön Kind macht bei seinem Fürsten ? « Wortlos schwang Lampert sich in den Sattel , faßte mit der rechten Faust den Zügel und legte den linken Arm wieder in die schwarze Binde . » Leb wohl , Mutter ! « Als die Pferde im Mondschein über das grobe Pflaster davonklapperten , kam es in der Amtsstube zwischen Frau Marianne und ihrem Gatten zu einem fürchterlichen Auftritt , der für die sorgenvolle Mutter mit heißen Tränen und für den tiefgekränkten Fürstendiener mit einem vernunftwidrigen Tobsuchtsanfall endete . Zwischen dem heiligen Peter und dem heiligen Zeno stand der Krieg erst vor der Entwicklung . Doch in dem einst so friedsamen Hause Someiner schlug die um der Ochsen willen aufgebrochene Fehde bereits ihre grimmigen Schlachten . 9 In der gleichen Vollmondnacht , in welcher Lampert Someiner dem Salzburger Grenzwall am Hangenden Steine zujagte , erreichte Franzikopus Weiß mit seinem Gesandtschaftswagen das steile Ufer der Salzach . Die Räder knatterten sanft auf schöner Straße . In Herzog Heinrichs Landen gab es gut gepflegte Wege . Die hatte er nötig für seine vielen Truppenzüge . Auch sonst noch hatten diese guten Straßen einen Nutzen . Sie lenkten fast den ganzen italienischen Handel durch niederbayrisches Gebiet und zu Herrn Heinrichs ertragsreichen Mautschranken . Viel Geld verdiente er an diesen guten Straßen , die seine fronenden Bauern bauen und erhalten mußten . Und in keinem Reichsland gab es Wege , die so sicher waren . Machte sich ein Straßenräuber unliebsam bemerkbar , so hatte er flink die Harnischreiter Herzog Heinrichs auf den Fersen und wurde ohne juristische Umständlichkeiten an den nächsten Baum befördert . Der unversöhnliche Vetter Ludwig zu Ingolstadt , der kein Freund von Todesurteilen war , hatte über den Vetter Heinrich das bissige Wort geprägt : » Zu Landshut und Burghausen henkt man , wie man im Spittel hustet ! « Aber die Handeltreibenden rühmten es dem Herzog Heinrich nach , daß man in seinem Lande reise wie in einem Rosengarten . Freilich , viele rote Blutrosen hatten im Straßenstaube blühen müssen , bis der niederbayrische Rosengarten so sicher wurde . Auf solch einer sicheren Straße konnte auch Franzikopus reisen , ohne viel Geleit zu führen . Er hatte nur zwei gewaffnete Reiter und zwei dienende Brüder mit aufmerksamen Gesichtern bei sich . Seine beiden Läufer hatte er schon am Nachmittage vorausgeschickt , um dem Herzog seine Ankunft melden zu lassen . Das Geschäft , das Franzikopus brachte , war es wert , daß Herr Heinrich für eine halbe Nacht des Bettes vergaß . Von der hohen Waldböschung , über die sich die Straße zum Tal der Salzach hinuntersenkte , konnte man im hellen Mondlicht die befestigte Stadt Burghausen , Herzog Heinrichs Sommerresidenz , gut überschauen . Gleich einer langen steinernen Schlange zog sich da drüben die Doppelzeile der Bürgerhäuser am Ufer des rauschenden Flusses hin . Zwischen den Dächern stand die Pfarrkirche wie ein hochgewachsener Hirte zwischen kleinen Schafen . Von der Salzach bog sich ein breiter Wasserarm um den steilen Schloßberg herum , auf dem sich mit Wällen , Palisaden , Mauern , Türmen und vielen Dächern das herzogliche Schloß erhob gleich einer zweiten kleinen , langgestreckten Stadt , die von fünf Schluchten in sechs getrennte , durch Fallbrücken verbundene Festungen zerschnitten wurde . Die vielen Dächer waren überleuchtet vom friedlichen Glanz des Mondes . Kleine Fenster schimmerten wie blanke Silbermünzen ; andre , hinter denen noch Licht war , blinkten rötlich wie Sterne bei dünnem Nebel . Vor dem untersten Burgtor kletterte Franzikopus aus dem Wagen und ließ einen schön geschnitzten , mit blauem Stahl beschlagenen Schrein herausheben , der die Geschenke des heiligen Zeno von Reichenhall enthielt . Seinen Troß mußte der Kaplan bei der Torwache zurücklassen . Zwei Soldknechte des Herzogs trugen den Schrein . Auf langem Wege ging es durch fünf Burghöfe , die beim Geflacker der Pfannenfeuer von Wachen wimmelten . Es ging vorbei an hohen Kornkammern , Haferkästen und Arsenalen . Fünf Zugbrücken fielen vor Franzikopus und stiegen hinter ihm wieder auf . Unter dem Tor des Schloßhofes empfing ihn der Kastellan , führte ihn zu einer trüb erleuchteten Halle und verschwand , um den Gast bei Herzog Heinrich zu melden . Während Franzikopus in einem Lehnstuhl ruhte , überlegte er seine Anrede . Die ersten Worte verlangten Vorsicht . Sprach man den Herzog lateinisch an , so wurde er verdrießlich , weil er kein Latein verstand und das bekennen mußte . Und begrüßte man den Herzog in deutscher Sprache , so wurde er ärgerlich bei dem Gedanken : » Der redet Deutsch , weil er weiß , daß ich Lateinisch nicht verstehe . « Franzikopus grübelte