gekommen und hätte im Augenblick kein Gepäck bei sich . Man beeilte sich sogleich respektvollst , die Wünsche » Seiner Gnaden « zu erfüllen , wies ihm ein nobles Zimmer mit Kabinett an und bewirtete ihn reichlich ; ja - der Besitzer des Gasthofs ließ ihm sogar ein Paar feiner Staatshosen , neue Strümpfe und trockene Wäsche bringen , damit dem » Herrn Baron « nichts Unpäßliches zustoße . Nacheinander kamen nun die Meister , und er ließ sich einen feinen Anzug nebst zwei Paar Schuhen anmessen , sagte , daß er die Sachen bestimmt in zwei Tagen haben müßte , holte aus dem alten Rock die Briefe der Fürstlichkeiten und legte sie offen auf den Tisch ; sein altes Gewand aber schenkte er einem Armen . Am übernächsten Tag kam zur bestimmten Stunde erst der Schneider ; der Magister probierte die feinen Stücke und bemerkte , daß ihn die Hosen ziemlich spannten ; darum sagte er : » Ich glaube , Ihr müßt die hintere Naht seichter nehmen , lieber Freund ! Bedenket doch , daß ich als Gast des Herzogs viel Komplimente machen muß ! - Aber bringt mir die Hosen ganz bestimmt um sechs Uhr wieder ! - Den Rock und das Leibstück könnt Ihr hier lassen ; - das paßt . « Mit tiefen Verbeugungen verschwand der Schneider . Nun trat der erste Schuster ein . Sogleich probierte der Magister die fürnehmen Staatsschuhe und fand , daß ihn die linke kleine Zehe schmerze . » Ach « , sagte er zu dem devot vor ihm knienden Meister ; » schlagt ihn doch noch zwei Stunden über den Leist , den linken ! - Und um drei Uhr bringt Ihr ihn wieder ; der andere paßt wie angegossen ! « Unter vielen Entschuldigungen ging der gute Mann , und gleich darauf erschien der andere Schuster . Wieder probierte der Magister und gab den rechten Schuh mit dem Wunsch zurück , daß er noch ein wenig ausgeraspelt werden sollte ; denn beim Auftreten steche ihn ein Stiften in die große Zehe . Doch müsse er den Schuh bestimmt bis zwei Uhr wieder haben , da er beim Herzog zur Tafel geladen sei . » Gewiß , Euer Gnaden ! - Schamster Diener ! « sagte der Meister und ging . Nun begab sich der Magister wohlausstaffiert hinab zum Wirt und fragte , ob die Bank jetzt offen sei , er müsse sich Geld holen . » Jawohl , Herr Baron ! Gerade gehts noch ! « sagte der Wirt ; » aber ich will Euer Gnaden doch lieber ein Pferd geben . Reiten geht schneller denn gehen , und der Bankportier kann ihn ja derweilen halten , den Gaul , bis Euer Gnaden fertig sind ! « Ließ also einen sauberen Fuchsen satteln , - und der Magister ritt fröhlichen Herzens zum Tor hinaus und bedauerte nur , daß er die Gesichter der Geprellten nicht mehr sehen konnte , wann sie es merkten , daß der Vogel ausgeflogen war mit ihren Federn . - Unter solchen Erzählungen des Magisters waren wir schier die halbe Nacht gefahren , als uns endlich der Schlaf überfiel und wir uns auf die harten Kisten und Säcke streckten . Da gab es dem Wagen plötzlich einen Ruck . Wir rissen die Augen auf , sahen uns schlaftrunken an und krochen dann neugierig unter der Blache hervor . Da stand das Fuhrwerk vor dem Haus des Zolleinnehmers , und der Knecht klopfte eben ans Fenster des Beamten . » Holla ! « sagte da der Magister halblaut ; » jetzt ists aber Zeit , daß wir verschwinden ; sonst kommts auf , was ich für ein Vogel bin ! « Damit sprang er vom Wagen und rief dem Knecht zu : » Die armen Kerle suchen Arbeit ; nun will ich sie einmal schnell zu meinem Vetter , dem Pfarrer von Maria Hilf , führen ; der hat hübsch Holz zum Machen . - Also adjes , guter Freund ! - Ich werde nicht versäumen ! « Der Knecht zog ehrfürchtig seine Haube und grüßte den Magister devot ; wir aber liefen frisch dahin . Es war ein schöner Morgen ; über den Fluren und Wiesen lag ein glitzernder Reif , feine Nebel stiegen auf und nieder , und unter uns in einem Tal lag die Münchnerstadt wie ein Schattenriß mit ihren Türmen und Giebeln , Mauern und Zinnen . Ein breites , dampfendes Wasser , das der Isarfluß war , floß rauschend zwischen herbstlich buntgefärbten Bäumen und Büschen dahin , und aus dem Nebelschleier ragten die mächtigen , grünlich schimmernden Kuppeln der Türme vom Dom unserer lieben Frau . Glockengeläut tönte zu uns herüber , das Rufen und Juchzen der Flößer drang vom Fluß herauf , und allerhand Fuhrwerke und Leut bewegten sich auf den zwei Brücken , die unter uns über die Isar nach dem Tor der Münchnerstadt führten . Also trabten wir den Rosenheimer Berg hinab , vorbei an niedern Häusern mit kleinen Gärten und geraniengeschmückten Fenstern , und schritten über die Brucken , darunter der Fluß mit wilden , grüngelben Wassern dahinfloß . Vor dem Tor waren überall noch grüne Wiesen mit Schafherden ; Gänse und Enten tummelten sich in Bächen , aus einer Kaserne ritten bunte Soldaten , im Wirtshaus zum Postgarten blies ein Postillon etliche Landlermelodien , und unter dem Isartor hobelte und schnitzte der Stadtwagner an der Deichsel einer fürstlichen Karosse ; der Messerschmied daneben ließ die Funken von seinem Schleifstein sprühen , und ein Schlosser stieß eben seine glühende Eisenstange ins kalte Wasser und schlug und hämmerte sie zur kunstvollen Schnecke . Vor dem Zollwächterhaus aber stand ein alter Soldat der Polizei , fragte nach unsern Papieren und machte , daß ich mich in diesem Augenblick elender fühlte als zu jener Stund , da ich alles verloren hatte . Johannes Schröckh Mit zitternden Fingern und großer Kümmernis und Angst im Herzen schnallte ich mein Ränzl ab und holte umständlich die Kundschaft und das Wanderbuch heraus ,