Unwillkürlich sahen sie beide zu dem Fenster ihrer Wohnung auf , von dem aus noch vor einem Jahr ihr Vater ihnen manchmal grüßend zugenickt hatte . Beide fühlten mit Wehmut , wie sie seit dem Tode des Vaters einander allmählich entglitten waren und mit leiser Angst , um wie viel weiter sie das Leben noch voneinander entfernen konnte . » Komm zu mir ins Zimmer « , sagte Georg , als sie oben waren . » Da ist ' s am gemütlichsten . « Er setzte sich auf seinen bequemen Sessel am Schreibtisch . In die Ecke des kleinen , grünen Lederdiwans , der an den Schreibtisch angerückt war , lehnte sich Felician und hörte ruhig zu . Georg nannte ihm den Namen seiner Geliebten , sprach von ihr in guten und innigen Worten und erbat sich von Felician , daß er sich der Mutter und des Kindes annähme für den Fall , daß ihm , Georg , in der nächsten Zeit etwas Menschliches zustieße . Was von seinem Vermögen noch vorhanden wäre , hinterließe er selbstverständlich dem Kind , der Mutter fiele die Nutznießung bis zu des Kindes Volljährigkeit zu . Als Georg zu Ende war , sagte Felician nach kurzem Schweigen lächelnd : » Na , du hast ja gegründete Hoffnung , von deiner Reise ebenso gesund und wohl zurückzukommen , als ich aus Afrika , und so hat unsere Besprechung wohl nur akademische Bedeutung . « » Das hoff ich natürlich auch . Aber es ist mir jedenfalls eine Beruhigung , Felician , daß du nun eingeweiht bist und ich nach jeder Richtung hin unbesorgt sein kann . « » Ja natürlich , das kannst du . « Er reichte dem Bruder die Hand . Dann stand er auf , ging im Zimmer auf und ab . Endlich fragte er : » Zu legitimieren denkst du deine Beziehungen nicht ? « » Vorläufig nein . Was die Zukunft bringt , kann man ja nicht wissen . « Felician blieb stehen . » Na ja ... « » Du wärst dafür , daß ich heirate ? « rief Georg mit einigem Erstaunen aus . » Durchaus nicht . « » Felician , ich bitte dich , sei aufrichtig ! « » Weißt du , in solche Geschichten soll man niemandem drein reden , auch seinem Bruder nicht . « » Aber wenn ich dich bitte , Felician . Mir komme vor , als gefiele dir irgend etwas an der Geschichte nicht . « » Ja , siehst du Georg ... du wirst mich ja nicht mißverstehen ... ich weiß natürlich , daß du nicht daran denkst , sie im Stich zu lassen , im Gegenteil , ich bin sogar überzeugt , daß du dich in jeder Beziehung viel nobler benehmen wirst , als irgendein Mensch an deiner Stelle . Aber , die Frage ist doch eigentlich die : hättest du dich in die Sache eingelassen , wenn du dir die Folgen nach allen Seiten hin überlegt hättest ? « » Ja das ist freilich schwer zu beantworten « , sagte Georg . » Ich meine ganz einfach : Hast du die Absicht gehabt ... nicht sie zu deiner Lebensgefährtin zu machen , aber ein Kind mit ihr zu haben ? « » Gott , wer denkt daran ? Wenn man es so absolut hätte vermeiden wollen . « Felician unterbrach ihn . » Weiß sie , daß du nicht daran denkst , sie zu heiraten ? « » Na du glaubst doch nicht , ich hab ihr ' s heiraten versprochen . « » Nein . Aber das Sitzenlassen doch auch nicht . « » Das wäre gerade so eine Unaufrichtigkeit gewesen , Felician . Es ist gekommen , wie derartige Dinge eben zu kommen pflegen , hat sich alles ganz ohne Programm entwickelt , bis auf den heutigen Tag . « » Ja das ist recht schön . Es ist nur die Frage , ob man nicht in wichtigen Lebensdingen zu Programmen gewissermaßen verpflichtet ist . « » Möglich ... Aber das war ja meine Sache nie , leider ... « Felician blieb vor Georg stehen , machte ein liebes Gesicht und nickte ein paarmal . » Das ist schon wahr , Georg . Du bist doch nicht bös ... aber weil wir schon einmal davon sprechen ... ich maße mir natürlich nicht das Recht an , dir in deine Lebensführung dreinzureden ... » Red nur , Felician ... wirklich ... es tut mir geradezu wohl ... « Er strich ihm leise über die Hand , die auf der Diwanlehne lag . » Na ja , es ist weiter nicht viel zu sagen . Ich meine nur , daß es in allen Dingen bei dir so ist ... so ein Mangel an Programm . Siehst du , um von einem andern wichtigen Punkt zu reden , ich für meinen Teil bin ja überzeugt von deinem Talent und viele andre auch . Aber du arbeitest doch eigentlich verflucht wenig , nicht ? Und von selbst kommt der Ruhm ja doch nicht , selbst wenn man ... « » Gewiß nicht . Aber so wenig wie du glaubst , arbeit ich durchaus nicht , Felician . Nur ist ja das Arbeiten bei unsereinem so eine eigentümliche Geschichte . Manchmal beim Spazierengehen , ja sogar im Schlaf fällt einem allerlei ein ... Und dann im Herbst ... « » Na ja , hoffen wir , obzwar ich fürchte , von deiner Gage wirst du anfangs nicht leben können . Und wie lange dein bissel Geld reichen wird , bei deiner Art zu leben , das ist sehr die Frage . Ich sag dir aufrichtig , wie du mir früher die Summe genannt hast , die du deinem Kind hinterlassen könntest , hab ich einen förmlichen Schrecken gekriegt . « » Hab nur Geduld , Felician . In drei Jahren oder fünf , wenn ich meine Oper fertig hab ... « , er sagte es in selbstironisierendem Tone . » Schreibst