sie bis zur Farbe der persischen Mohnblume , nahm einen geheimnisvollen Ton an und raunte mir zu : » Ich vertraue es nur dir , Effendi , allein nur dir ! Es ist ein tiefes Geheimnis . Ich habe es schon vielen sagen wollen ! aber ich fürchte , daß sie es verraten . Du aber hast ein solches Herz voll Freundlichkeit und Güte , daß du es gewiß nicht weiterplaudern wirst . Ein edles Frauenherz muß unbedingt ein edles Männerherz haben , von dem es ganz und gar verstanden wird . Und Tifl ist zwar ein liebes , folgsames Kind , jedoch ein edles Frauenherz , das kann er nicht begreifen ! « Sie schaute so ganz zerflossen und » edel « zu mir auf , daß sie mir gewiß sehr spaßig vorgekommen wäre , wenn ich nicht das zwar noch unbestimmte aber doch sehr deutliche Gefühl gehabt hätte , hier vor einer vielleicht sehr wichtigen Entdeckung zu stehen Psychologisch zweifelhafte Personen sind stets mit Vorsicht zu behandeln . Darum antwortete ich nicht anders als in meiner gewöhnlichen , freundlich ernsten Weise : » So sage mir , Pekala , was ein edles Männerherz von dir zu begreifen hat ! « » Dreierlei . Erstens daß man Vertrauen haben will . Zweitens daß man verschwiegen sein will . Drittens daß man nicht ewig Köchin bleiben will ! Leuchtet dir das ein , Effendi ? « » Sehr ! « » Das wußte ich . Du bist vernünftiger als tausend andere Männer , die kein edles Frauenherz verstehen . Darum habe ich gewußt , daß ich dir alles , alles mitteilen kann , was ich den meisten Menschen verschweige . « » Also den meisten ! Das ist sehr vorsichtig von dir ! Nun sage mir vor allen Dingen , von wem hast du denn eigentlich das von dem edlen Frauenherzen erfahren ? « » Von meinem Aschyk . Ich habe gar nicht gewußt , daß ich auch so etwas Edles besitze ; er aber hat es sofort erkannt und mir gesagt . « » Und woher hat er von solchen Herzen erfahren ? « » Von einer Engländerin , die er mit ihrem Engländer in Buschehr getroffen hat . Die hat alle Tage einen neuen Papierfächer verlangt und dabei gesagt , sie habe ein edles Frauenherz und dürfe sich also ihre Gesichtsfarbe nicht verderben . Darum bringt mir mein Aschyk stets auch zwei oder drei Papierfächer mit , so oft er kommt . « » Wo kauft er diese ? Ist er ein Dschamiki ? « » Was du denkst , Effendi . Es ist noch keinem Dschamiki eingefallen , mein Herz edel zu nennen ! O nein ; mein Aschyk ist kein hiesiger und auch kein gewöhnlicher Mann , sondern ein vornehmer Schahsadeh23 aus Isphahan . « » Du Glückliche ! Kennst du ihn schon lange ? « » Schon seit einigen Jahren . « » Besucht er dich oft ? « » Fast immer , wenn vier Wochen vorüber sind . « » Hat er da einen bestimmten Tag ? « » Ja , denn so ein hoher Schahsadeh ist immer pünktlich . Er kommt stets , wenn es Pazar günü24 ist . Dann ziehe ich abends meine weißen Sachen aus und lege die schönen bunten an , die er mir immer schenkt . Hierauf gehe ich zu ihm hinüber in die Ruinen , wo ich mit ihm beim Mondenscheine hin und her spaziere , wie eine Tochter des Beherrschers . Ist es aber dunkel , so steigen wir in das Innere und brennen eine Fackel an . « » Warum da drüben und nicht hier ? « » Weil er nur heimlich kommen darf . Edlen Herzen wird es nämlich ungeheuer schwer gemacht , sich öffentlich zu verbinden . Wir können erst dann miteinander in Isphahan einziehen , wenn der jetzige Schah gestorben ist . Ich habe darum geschworen , das tiefste Geheimnis zu bewahren . Aber weil es bei dir ebenso verschwiegen aufgehoben ist wie bei mir , so halte ich meinen Schwur ja doppelt , indem ich es dir erzähle . « » Aber welchen Grund hast du wohl , es grad mir mitzuteilen ? « » Einen sehr großen , wichtigen Grund . Du bist doch , wenn unser Ustad abgereist ist , der Herr des hohen Hauses ? « » Ja . « » Ich wußte es . Der Ustad hat uns gesagt , daß wir dir in allen Dingen sofort und willig zu gehorchen haben . Und weil du über alles zu befehlen hast , muß ich dich um etwas bitten , womit ich das Leben meines Aschyk retten kann . Ich bin also gezwungen gewesen , dir mein Geheimnis zu verraten . Wäre das nicht , so hätte ich mich nicht an dich getraut , obgleich ich fühle , daß du ebenso edel bist wie ich ! Aber dort kommt der Pedehr . Verrate mich nicht , Effendi ! Kein Mensch darf es wissen , kein einziger ! Nur du und ich allein ! Ich sage dir vielleicht schon heut noch mehr . Jetzt aber muß ich in die Küche ! « Sie machte mir einen so tiefen Knix , wie bei ihrer Taille möglich war , und verschwand dann in ihrem Reiche . Der Pedehr hatte allerdings im Begriff gestanden , nach der Küche zu kommen , sich aber schon wieder umgedreht , um nicht zu stören . Das war mir lieb . Es war nur diese Pekala , diese Köchin gewesen , mit der ich gesprochen hatte , aber ich muß gestehen , daß ich mich trotzdem nicht in der Stimmung befand , sofort mit einer andern Person über andere Dinge zu reden . Was für Gedanken hatten mich bisher bewegt ! Bis fast zu diesem Augenblick ! Und nun hier plötzlich diese geistige Nichtigkeit , zehnfach , hundertfach nichtig grad durch ihre strahlend freundliche Gestalt ! Diese Null war hohl ; hierüber gab es keinen Zweifel .