denn würde diese Arbeit durchfallen , so mußte er an seinem Talent verzweifeln ; und umgekehrt , gefiel sie , so wäre ihm in seiner Kunst der weitere Siegesaufstieg sicher . Und die aufregendste Alternative von allen : vor ihr , vor Sylvia , als gefeierter Dichter oder als durchgefallener Autor dazustehen - sie zu glühender Bewunderung hinzureißen oder zu mitleidiger Enttäuschung stimmen ... Er wohnte sämtlichen Proben bei und übte strengste Selbstkritik . Vieles erschien ihm matt und farblos und im Lauf der Proben nahm er verschiedene Striche und Änderungen vor . Bei Tag und Nacht feilte er noch in Gedanken an dem Werk . Sylvia indessen , die keine solche Ablenkung hatte , war mit ihrer Seele im Banne ihrer neuen , täglich wachsenden Leidenschaft . Sie wehrte sich umso weniger gegen deren berauschende Macht , als Hugos ehrfurchtsvolle Zurückhaltung sie in Sicherheit wiegte . » In Reinheit durchs Leben gehen « - diesem Vorsatz durfte sie nicht untreu werden , aber da war keine Gefahr ; ihr Dichter selber , das war ja ersichtlich , mischte kein profanes Begehren in seine Herzenshuldigung - auch er liebte » in Reinheit « . » Sylvia , ich möchte ein ernstes Wort mit Dir reden « - damit trat eines schönen Tages Delnitzky in das Zimmer seiner Frau , die eben beschäftigt war , in einem Bande Bresserscher Gedichte zu lesen . Sie blickte überrascht auf . Der Umgang der beiden Gatten war seit letzter Zeit ein ganz förmlicher geworden ; nur in Anwesenheit anderer sprachen sie mit einander , unter vier Augen hatten sie sich nichts zu sagen , am allerwenigsten » ernste Worte « . Sie legte das Buch aus der Hand : » Was gibt ' s ? « Anton setzte sich neben den Tisch an der Seite ihrer Chaiselongue und schaute das weggelegte Buch an . » Aha , das stimmt , « brummte er . » Was stimmt ? « » Diese Lektüre - mit den Dummheiten , die Du machst . « » Ich verstehe nicht . « » Du läßt Dir von diesem Skribifax die Cour machen - die ganze Stadt spricht schon davon , und wie steh ' ich da ? « » Wie Du dastehst ? - verzeih , das weiß längst die ganze Stadt , vor der ist es kein Geheimnis , daß Du - « Er ließ sie nicht ausreden : » Das ist was anderes ... wenn über mich getratscht wird , so hat das weiter keine Bedeutung - ich bin ein Mann . Aber ich kann nicht dulden , daß meine Frau Anlaß zu übler Nachrede gibt , und ich verbiete einfach - « Jetzt sprang Sylvia auf . » Du , mir ? Dazu hast Du das Recht verwirkt . Ich habe mir nichts vorzuwerfen und ich lasse mir nichts verbieten . « » Na , na , echauffier ' Dich nicht so . Daß Du Dir nichts vorzuwerfen hast , glaube ich ja - ich kenn ' Dich als viel zu wohlerzogen , als daß Du - und besonders mit so jemand - Dir was vergeben würdest . Aber Du kompromittierst Dich - und damit auch mich ... Ein guter Freund hat mir ' s gesteckt - und ich denke , es genügt , wenn ich Dich aufmerksam mache , daß die Leute reden ... da wirst Du von selber der Sach ' ein End ' machen und mir dankbar sein , daß ich Dich rechtzeitig gewarnt hab ' ... denn was kann einer Frau teurer sein als ihr guter Name ? Schon Skandal genug in der Familie , daß der Rudi solche Narrheiten macht und ganz vergißt , was er seinem Rang schuldig ist . « » Kein Wort mehr über meinen Bruder ! « rief Sylvia zornig . » Wenn ich auch nichts reden würde , die übrige Welt nimmt sich kein Blatt vor den Mund . Man bedauert die arme Baronin Tilling , daß ihr Sohn ihr so wenig Ehre macht - so soll doch wenigstens die Tochter ... Kurz « - er stand nun auch auf - » Du verstehst mich schon - das Ganze ist ohnehin peinlich , reden wir nicht mehr davon ... Verbiete dem preußischen Zigeuner das Haus - das ist ja ganz einfach . « Bleich und zitternd stand Sylvia da . Sie rang nach Worten , fand aber keine . Er nahm einen gemütlichen Ton an : » Brauchst Dich nicht weiter zu alterieren - die ganze G ' schicht ' kann dann vergessen sein « - und er schritt der Tür zu . Sie blickte ihm nach , noch immer stumm . Die Klinke in der Hand , drehte er den Kopf zurück : » Also ausgemacht ? - Keine Antwort ? Mir auch recht . « » So , da kommt ohnehin die Mama - küß die Hand , Mama , kommst gerade recht ... Die Sylvia ist ein bissel aufgeregt , weil ich ihr einen guten Rat gegeben hab ' ... sie soll ' s Dir erzählen ... Wie ich Dich kenne , wirst Du mir recht geben - ich laß Euch allein . Adieu . « Martha erschrak über den Gesichtsausdruck ihrer Tochter . Es lag etwas darin , was sie vorher niemals an ihr gesehen ; die Augen sprühten unheimlich und die Lippen bebten wie in verhaltenem Zorn . Sie blieb regungslos . Martha ging auf sie zu und legte ihr die Hand auf die Achsel . » Was ist denn geschehen ? Habt Ihr einen Auftritt gehabt ? Wegen Fräulein Irma ? « » Nein , wegen Hugo Bresser . « » Ah so « - sagte Martha gedehnt . Sie ging hin und setzte sich . » Und Toni sagte , ich würde ihm recht geben ... ich gestehe , Sylvia , daß ich heute auch die Absicht hatte , mit Dir über denselben Gegenstand zu reden . « Sylvias Atem ging noch immer kurz . Das Zittern ihrer