. Entweder fehlt ihnen der Mut oder der Geschmack zum Gassenhauer . Blos der Zungenschnalzer hat ein paar gute Sachen produziert , und das Schönste ist , daß er sie auch selber singen kann . Er ist überhaupt unbezahlbar , und ich werde ihn zum Conrektor des Momus ernennen . Er kann direkt Alles , nur muß man ihn eigentlich erst ein bischen kastrieren . Himmelschreiend diese Erotik ! Die vier Tanzmädchen hat er schon vollständig verdorben , und sie wollen nun schon gar nichts mehr anziehn . Er übt jetzt ein Literaturballet mit ihnen ein und ist schon bei den Romantikern : Pas de Tieck . Dann hat er mit den drei Poseusen eine herrliche Nummer ausgeheckt : Das Heinedenkmal . Die Idee ist von mir , aber ich muß sagen : Er hat sie direkt mit Diamanten übersät . Er wird Heine selber darstellen , im Bett liegend , von anmutigen weiblichen Visionen ergötzt . Auch einen dressierten Bären hat er als Atta Troll aufgetrieben . Na , Du wirst ja sehen ! Es ist eine unbeschreibliche Nummer ! Damit die Antisemiten nicht Spektakel machen , lassen wir darauf das » Journalistische Trio « folgen mit den drei jüdischen Komikern . Sie sind zwar ein bischen ruppig , aber ohne Ruppigkeiten gehts nicht . Übrigens ist mein Text dazu um so seiner . Die Bande solls spüren ! Jetzt , wo sie wissen , daß ich die Sache mache , druckt kein Mensch unsre Waschzettel mehr . Na , dafür haben wir die Litfaßsäulen ! Totschweigen giebts nicht ! - Nur : Diese verfluchten Lyriker ! Schließlich muß ich alle Couplets alleine machen . Wenn ich nur mehr Zeit hätte ! Und dieser Bärenführer , auf den ich so viel Hoffnung gesetzt hatte ! Der Mensch weigert sich , regelmäßige Strophen zu bauen und steift sich fortwährend auf das , was er » Finesse « nennt . Der Peripathetiker thut auch nicht , was man will , und Kasimir kennt seit zwei Wochen blos noch ein Thema : Die Blutschande . Was soll man mit solchen Leuten machen ? Die Literatur sitzt ihnen im Schädel wie eine Riesentrichine . Keiner begreift , daß wir die Bühne der Zukunft gründen wollen ! Sie werden heute wieder anrücken und Vorschuß verlangen . Ich zahle jetzt aber nicht mehr in baar , sondern in Viktualien . Dabei hat sich Kasimir in die zweite Poseuse verliebt und will für sie einen Seelenrhythmus dichten , natürlich ohne Worte , blos » Geberden einer profunden Idiotie des Geschlechtszentrums « . Das geht noch über den Zungenschnalzer ! Dafür verlangt der Bärenführer - den antierotischen Bauchtanz ! Nächstens schmeiße ich alle Drei die Treppe hinunter . Sie haben keinen Ernst , weil sie keine Verantwortung haben ! - Gott , vorhin hast Du so ' n fideles Gesicht gemacht , und jetzt bist Du der richtige Direktor ! - Ach , ja freilich ! Weißt Du : Die ganze Geschichte wäre herrlich , wenn blos nicht diese verdammte Literatur dabei wäre . Natürlich bin ich fidel ! Ich habe ja was zu thun ! Aber , wie gesagt : Die Literatur ! Wenn wir blos keine Literatur brauchten ! In diesem Augenblicke schoben sich die Drei zur Thüre herein , und der Bärenführer rief , indem er Miene machte , sich in einen Dufthaufen hellblauen Musselins zu setzten : - Verzeihe mir , Stilpe , verzeihe mir , wie gesagt , ich bin betrunken , und Du mußt mein Couplet nehmen ! Es ist ja so schön ! Der Droschkenkutscher Nr. 8715 hat mich dafür gratis fahren wollen ! Wirklich , wie gesagt , Du mußt es als Prolog von mir deklamieren lassen ! Und er schrie ganz wild , fast schäumend : Rum will ich ! Uranusbraunen Rum will ich ! Keinen Thee ! Denn ich will betrunken sein ! Gleich den tiefen Unken sein ! Fröhlich wie ein Schnee- König will ich sein ! Der Peripathetiker sang kindlichen Tones im Refrain : Fröhlich wie ein Schnee- König will ich sein . Der Bärenführer fuhr mit rollenden Augen fort : Arak will ich ! Sehnsuchtblonden Arak will ich ! Keinen Thee ! Denn ich will besessen sein ! Gleich den rauchenden Essen sein . Fröhlich wie ein Schnee- König will ich sein . Der Peripathetiker säuselte den Refrain dreimal nach . Der Bärenführer aber , mit plötzlich veränderter , sanft flehender Stimme sprach . - Ach , Stilpe , sieh doch nur : Wie regelmäßig diese Strophe ist ! Siehst du , ich folge dir , ich thue was du willst ! Ich mache , wie gesagt , regelmäßige Strophen . Und nun wieder mit dem knurrenden Zorn eines Ebers : Gin will ich ! Gletscherweißen Gin will ich ! Keinen Thee ! Denn ich will betümpelt sein ! Lilagrün bewimpelt sein ! Fröhlich wie ein Schnee- König will ich sein . - Wie gesagt , selbstverständlich führe ich die Strophe regelmäßig durch alle Schnäpse fort : Absynth will ich ! Qualwolkigen Absynth will ich Keinen ... - Genug ! schrie Stilpe . Bist Du verrückt ! ? Denkst Du , ich will mir mein Publikum mit hoher Literatur verjagen ? Du bist ganz unbrauchbar ! Du kannst beim Momus die Lichter putzen ! Der Bärenführer war tief betrübt und setzte sich in die Sophaecke . Der Peripathetiker aber schüttelte den Kopf : - Ja , aber , was willst Du denn haben ? Dieses Schneeköniglied ist doch essenzhaft tief und dabei heiter wie eine weiße , segelnde Wolke über Fabrikschlöten . Es hat etwas modern-goliardisches . Nicht wahr , Mathilde : Es ist ein schönes Lied ! ? Die Muse lächelte : - Ach ja , es ist ganz nett , und man könnte es später schon mal singen lassen , als Alkoholistenintermezzo , aber für den Anfang ... ? nein : Ihr müßt euch mehr an den Brettlstil anlehnen vorderhand . Habt ihr denn gar nichts Verliebtes ? Der Peripathetiker machte ein