, bei Lichte besehen , immer bloß Eitelkeiten . Deine A. von St. « Siebzehntes Kapitel Es war so , wie die Tante geschrieben : Dubslav hatte sich als konservativen Kandidaten aufstellen lassen , und wenn für Woldemar noch Zweifel darüber gewesen wären , so hätten einige am Tage darauf von Lorenzen eintreffende Zeilen diese Zweifel beseitigt . Es hieß in Lorenzens Brief : » Seit Deinem letzten Besuch hat sich hier allerlei Großes zugetragen . Noch am selben Abend erschienen Gundermann und Koseleger und drangen in Deinen Vater , zu kandidieren . Er lehnte zunächst natürlich ab ; er sei weltfremd und verstehe nichts davon . Aber damit kam er nicht weit . Koseleger , der - was ihm auch später noch von Nutzen sein wird - immer ein paar Anekdoten auf der Pfanne hat , erzählte ihm sofort , daß vor Jahren schon , als ein von Bismarck zum Finanzminister Ausersehener sich in gleicher Weise mit einem Ich verstehe nichts davon aus der Affaire ziehen wollte , er der bismarckisch-prompten Antwort begegnet sei : Darum wähle ich Sie ja gerade , mein Lieber - eine Geschichte , der Dein Vater natürlich nicht widerstehen konnte . Kurzum , er hat eingewilligt . Von Herumreisen ist selbstverständlich Abstand genommen worden , ebenso vom Redenhalten . Schon nächsten Sonnabend haben wir Wahl . In Rheinsberg , wie immer , fallen die Würfel . Ich glaube , daß er siegt . Nur die Fortschrittler können in Betracht kommen und allenfalls die Sozialdemokraten , wenn vom Fortschritt ( was leicht möglich ist ) einiges abbröckelt . Unter allen Umständen schreibe Deinem Papa , daß Du Dich seines Entschlusses freutest . Du kannst es mit gutem Gewissen . Bringen wir ihn durch , so weiß ich , daß kein Besserer im Reichstag sitzt und daß wir uns alle zu seiner Wahl gratulieren können . Er sich persönlich allerdings auch . Denn sein Leben hier ist zu einsam , so sehr , daß er , was doch sonst nicht seine Sache ist , mitunter darüber klagt . Das war das , was ich Dich wissen lassen mußte . Sonst nichts Neues vor Paris . Krippenstapel geht in großer Aufregung einher ; ich glaube , wegen unsrer auf Donnerstag in Stechlin selbst angesetzten Vorversammlung , wo er mutmaßlich seine herkömmliche Rede über den Bienenstaat halten wird . Empfiehl mich Deinen zwei liebenswürdigen Freunden , besonders Czako . Wie immer , Dein alter Freund Lorenzen . « Woldemar , als er gelesen , wußte nicht recht , wie er sich dazu stellen sollte . Was Lorenzen da schrieb , » daß kein Besserer im Hause sitzen würde « , war richtig ; aber er hatte trotzdem Bedenken und Sorge . Der Alte war durchaus kein Politiker , er konnte sich also stark in die Nesseln setzen , ja vielleicht zur komischen Figur werden . Und dieser Gedanke war ihm , dem Sohne , der den Vater schwärmerisch liebte , sehr schmerzlich . Außerdem blieb doch auch immer noch die Möglichkeit , daß er in dem Wahlkampf unterlag . Diese Bedenken Woldemars waren nur allzu berechtigt . Es stand durchaus nicht fest , daß der alte Dubslav , so beliebt er selbst bei den Gegnern war , als Sieger aus der Wahlschlacht hervorgehen müsse . Die Konservativen hatten sich freilich daran gewöhnt , Rheinsberg-Wutz als eine » Hochburg « anzusehen , die der staatserhaltenden Partei nicht verlorengehen könne , diese Vorstellung aber war ein Irrtum , und die bisherige Reverenz gegen den alten Kortschädel wurzelte lediglich in etwas Persönlichem . Nun war ihm Dubslav an Ansehen und Beliebtheit freilich ebenbürtig , aber das mit der ewigen persönlichen Rücksichtnahme mußte doch mal ein Ende nehmen , und das Anrecht , das sich der alte Kortschädel ersessen hatte , mit diesem mußt es vorbei sein , eben weil sich ' s endlich um einen Neuen handelte . Kein Zweifel , die gegnerischen Parteien regten sich , und es lag genau so , wie Lorenzen an Woldemar geschrieben , » daß ein Fortschrittler , aber auch ein Sozialdemokrat gewählt werden könne « . Wie die Stimmung im Kreise wirklich war , das hätte der am besten erfahren , der im Vorübergehen an der Comptoirtür des alten Baruch Hirschfeld gehorcht hätte . » Laß dir sagen , Isidor , du wirst also wählen den guten alten Herrn von Stechlin . « » Nein , Vater . Ich werde nicht wählen den guten alten Herrn von Stechlin . « » Warum nicht ? Ist er doch ein lieber Herr und hat das richtige Herz . « » Das hat er ; aber er hat das falsche Prinzip . « » Isidor , sprich mir nicht von Prinzip . Ich habe dich gesehn , als du hast scharmiert mit dem Mariechen von nebenan und hast ihr aufgebunden das Schürzenband , und sie hat dir gegeben einen Klaps . Du hast gebuhlt um das christliche Mädchen . Und du buhlst jetzt , wo die Wahl kommt , um die öffentliche Meinung . Und das mit dem Mädchen , das hab ich dir verziehen . Aber die öffentliche Meinung verzeih ich dir nicht . « » Wirst du , Vaterleben ; haben wir doch die neue Zeit . Und wenn ich wähle , wähl ich für die Menschheit . « » Geh mir , Isidor , die kenn ich . Die Menschheit , die will haben , aber nicht geben . Und jetzt wollen sie auch noch teilen . « » Laß sie teilen , Vater . « » Gott der Gerechte , was meinst du , was du kriegst ? Nicht den zehnten Teil . « Und ähnlich ging es in den andern Ortschaften . In Wutz sprach Fix für das Kloster und die Konservativen im allgemeinen , ohne dabei Dubslav in Vorschlag zu bringen , weil er wußte , wie die Domina zu ihrem Bruder stand . Ein Linkskandidat aus Cremmen schien denn auch in der Wutzer Gegend die Oberhand gewinnen zu sollen .