gräßlichen Affenmann , so hoch du willst aus unserm armen lieben Leben in die Höhe : ich will zu meinem Kinde und meinem Eigentum an der Welt ! « Sie ist uns fortgelaufen , mit dem Arm und Ellenbogen vor den Augen , selber wie ein Kind , das sich vor einem Schlage fürchtet . » Gute Nacht , Velten . « » Gute Nacht , Krumhardt ... « Ich holte meine Anna erst an der zweitnächsten Straßenecke ein . Als ich mein Eigentum wieder an mich nehmen wollte , weigerte es sich dessen durch mehrere Gassen . Mit fast bösem Blick wies die Kleine , statt meinen Arm zu nehmen , nach dem Vogelsang zurück : » Ich habe dem Herrn Generalsuperintendenten versprochen , dir für Gut und Böse zu gehören , und ich habe mir selber versprochen , nur da zu sein und zu bleiben , wo du bist und gehst und stehst , Karl ; aber - dahin bringst du mich nicht mit zehn Pferden wieder ! Dahin setze ich in meinem Leben meinen Fuß nicht wieder . O lieber Gott , was machen deine Menschen aus deiner schönen Welt ! « - Ich habe den Freund im Leben nicht wiedergesehen . Als er am nächsten Tage nicht zu mir kam und ich am Abend im Deutschen Hofe nach ihm fragte , wußte man nur , daß er seine Rechnung berichtigt habe , aber nicht , ob er sich noch in der Stadt aufhalte . Von London aus machte er es schriftlich mit mir ab es unserm Riekchen Schellenbaum amtlich und gerichtlich glaubhaft zu machen , daß zu dem Hausschlüssel , mit dem es als mit seinem » einzigen Andenken « abgefahren war , auch der » neue Bauplatz « , einer der besten im neuen Vogelsang , gehöre . Ich habe eine längere Pause in der Abfassung oder Niederschrift dieser Annalen und Historien des alten Vogelsangs machen müssen . Als ich das letzte Blatt zu den Akten brachte , schneite es noch ; nun läuft wieder ein grüner Schimmer über den Osterberg , und meine Kinder tragen Hände voll von den nämlichen Frühlingsblumen , die ihre Mutter in Velten Andres ' verwüstetem , ausgeleertem Heimwesen aus der Hand gleiten ließ , ins Haus . Wir hatten viel Sorge im Hause . Wir fürchteten , unsern ältesten Sohn , den seinerzeit Velten nicht aus der Taufe hatte heben wollen , am Typhus zu verlieren ; aber der Junge ist uns erhalten geblieben und munter wieder auf den Beinen , und ich habe die Feder zum Besten seines Hausarchivs von neuem aufgenommen . Wir sind im März eines neuen Lebensjahres , und ich halte wieder den Brief in der Hand , den mir Mrs. Mungo im November des vorigen Jahres aus Berlin schrieb . » Velten läßt Dich noch einmal grüßen . Er ist nun tot . Wir haben unsern Willen bekommen . Er ist allein geblieben bis zuletzt , mit sich selber allein , ohne Eigentum an der Welt ... « Könnte ich ihr doch - könnte ich von hier an Helenen Trotzendorff die Feder in die Hand geben und sagen : » Nun schreibe du weiter . Schließe das Aktenstück ab ! « ... Ich habe in den langen Jahren kaum etwas von dem Freunde gehört . Nach Hause , wenn man bei ihm nach seinem vernichteten Hause diesen Ausdruck noch gebrauchen könnte , ist er nicht wieder gekommen , und geschrieben hat er an mich auch nicht . Aber da mich meine Stellung in unserem kleinen Staatswesen dann und wann nach Berlin führte , so bin ich mit dem Hause des Beaux in einiger Verbindung geblieben . Kommerzienrat des Beaux - Leon des Beaux hält , trotzdem er längst zu den bedeutenderen Bankiers und Kapitalisten der Reichshauptstadt gehört , das alte gute Verhältnis aus » unserer Universitätszeit « noch aufrecht . Das väterliche Geschäft in der Dorotheenstraße besteht aber nicht mehr ( aus einem Schneiderladen gelangt man ja wohl nicht zu dem Titel Kommerzienrat ? ) , und Leon selber bringt die Rede nie darauf und sie gern auf etwas anderes , wenn sie darauf kommt . Da ich auch jetzt in seinen Geschäftsstuben nichts zu tun habe , kenne ich ihn nur in seinem Familien- und Gesellschaftskreise in seiner Villa einer vornehmen Vorstadt . Er ist auch verheiratet und hat eine gute , für ihn passende Frau bekommen . Er ist Vater von zwei Kindern , einem Sohn und einer Tochter . Der Junge wird Friedrich gerufen , das Mädchen Viktoria : die traditionellen altfranzösischen Familientaufnamen der des Beaux aus dem Languedoc figurieren nur noch in den Taufscheinen der Kinder . Die jetzige Madame des Beaux weiß nichts mehr von dem Familien-Wunderwinkel in der Dorotheenstraße , wo Leonie und Leon des Beaux ihr , ihres Vaters und ihrer Väter Eigentum in Angestammtem und Zuerworbenem festhielten und ihren Lebensstolz drauf gründeten . Sie , Frau Wera des Beaux , vordem zweite Liebhaberin am * * * theater , hat sich in den guten Leon trefflich , hineinzufinden verstanden ; sie ist eine tüchtige Berliner Hausfrau und zugleich eine vornehme Frau , die die Stellung ihres Gatten wohl zu wahren weiß ; aber von Albi , Simon von Montfort , Raimund von Toulouse , Peter von Castelnau weiß sie nichts , die Bartholomäusnacht kennt sie nur aus den Meyerbeerschen » Hugenotten « , und das Edikt von Nantes - » Für das muß ich eigentlich dem Himmel unbeschreiblich dankbar sein « , sagte sie mir einmal lachend an ihrem Teetisch . » Wie sollten ohne es Leon und ich uns wohl in der Welt zusammengefunden haben , Herr Oberregierungsrat ? « Fritz und Vicky , die beiden Kinder des lieben , harmlosen , freundlichen Paars , wissen nur von Sedan , Gravelotte , der dritten Einnahme von Paris und von Kaiser Wilhelm und seinen » Paladinen « , von den Paladinen der » Tante Leonie « aber wenig mehr . Sie sind eben eine geraume Zeit