stattliches Haus mit Valmdach , die Meierei , in welcher sich das gräfliche Rentamt befand . Hier wohnte auch der Güterdirektor . Die neuen Arbeiterwohnungen bildeten eine Kolonie für sich , umgeben von Deputatland , das durch den Fleiß der angesetzten Leute bereits in freundliche Gärten umgewandelt worden war . Vom Schlosse sah man von hier aus so gut wie gar nichts . Das lag hinter den dichten Kronen seines Parkes verborgen , als wolle es von dieser Stätte der Arbeit nichts sehen . Hauptmann Schroff bewohnte im ersten Stockwerk des Meiereigebäudes zwei Zimmer . Die Einrichtung war einfach : lederbezogene Möbel , einige Rohrstühle , ein Bücherbrett , ein Sekretär . Die Luft schon verriet , daß hier ein leidenschaftlicher Raucher sein Quartier aufgeschlagen habe . An den Wänden waren militärische Embleme zwischen Jagdtrophäen zu erblicken . Über dem Schreibtisch hing das einzige Bild , welches das Zimmer schmückte . Es war ein sorgfältig gemaltes Ölbild und stellte einen Landsitz dar . Ein wohnliches Haus mit einer Veranda davor . In dem bärtigen Manne , der dort inmitten seiner Familie saß , war der Hauptmann leicht wieder zu erkennen . Eine Frau in hellem Sommerkleide schien die Mutter der drei Blondköpfe zu sein . Das Bild hing wohl nicht ohne Grund an dieser Stelle . Vom Sofa aus , vom Sorgenstuhl , vom Schreibsessel - wo immer der Bewohner dieses Zimmers sitzen mochte der Ruhe pflegend , oder bei der Arbeit , wenn er den Blick erhob , mußte er auf dieses Bild fallen . Hauptmann Schroff war Witwer schon seit einigen Jahren . Die Blondköpfe des Bildes waren jetzt erwachsene Menschen und mußten gleich ihm die Füße unter fremder Leute Tischen wärmen . Der Hauptmann bot Gustav Platz an . Dann holte er sich eine Pfeife aus der Ecke , die bereits gestopft war und auf ihn dort gewartet zu haben schien . Mit Hilfe von Streichholz und Fidibus zündete er sie an und begann mächtige Dampfwolken zu entwickeln . Darauf warf er seine lange Gestalt in den Sorgenstuhl schlug die Beine übereinander und meinte : » Na , nu erzählen Sie mir mal , Büttner ! Ihr Vater ist ein alter Brummbär . Wenn man dem Manne was Gutes tun will , schnappt er womöglich noch nach einem . Sie sehen mir aus , als ob Sie vernünftiger wären - he ! « » Zu Befehl , Herr Hauptmann ! « Der Mann hatte sofort Gustavs ganzes Herz gewonnen . Er nahm kein Blatt vor den Mund , berichtete das Familienunglück , wie es gekommen war , von Anfang an , soviel er davon wußte : die Erbteilungsangelegenheit , die Überschuldung des Gutes , der Kampf des Vaters mit der Ungunst der Verhältnisse , Unglücksfälle , notwendige Anschaffungen , wachsende Ausgaben , schließlich völlige Verstrickung in die Netze der Gläubiger . Hauptmann Schroff strich sich mit der Hand über den Bart , rückte unruhig in seinem Stuhle hin und her , wechselte die Beine und stieß Wolke auf Wolke in die Luft , zwischendurch seufzte er ; es schien , als ob ihn der Bericht keineswegs gleichgültig lasse . Schließlich warf er die Pfeife weg und sprang auf . Fluchend lief er im Zimmer auf und ab . » Hatte ich mir ' s doch gedacht ! Heiliges Kreuzdonner ...... Einem ehrlichen Menschen , der ihm helfen will , traut der Bauer ja niemals ! Aber , wenn die Sorte kommt : Harassowitz , Samuel Harrassowitz ! Wo hat denn Ihr Vater seinen Verstand gelassen , als er dem Teufel den kleinen Finger gab ! Weiß denn Ihr Alter nicht , daß dieser Jude drüben in Wörmsbach das halbe Dorf besitzt . Alles aufgekauft und in Parzellen zerschlachtet ! Nun haben wir den Blutegel glücklich auch in Halbenau ! der Marder im Hühnerstall ist nichts dagegen ! Binnen Jahresfrist ist so einem alles tributpflichtig . Es ist um ..... Was soll denn nun werden , was soll geschehen ? « Er blieb vor Gustav stehen ; der zuckte mit trüber Miene die Achseln . » Da seht Ihr ' s mal , Ihr Bauern , daß Ihr an Eurem Elend allein schuld seid ! Euch ist nicht zu helfen ! Wie die Schafe rennen sie ins Feuer hinein . - Ihr Vater ist nun ein Graukopf ; man sollte denken , er hätte sich Weisheit kaufen können , bei allem , was er erlebt hat . Und so einer geht hin auf seine alten Tage und unterschreibt einen Wechsel beim Juden . Es ist um toll zu werden ! Immer wieder die alte Geschichte ! Bei Großen wie bei Kleinen . Daß einer mal vom Unglücke des anderen lernte - nein ! Jeder muß die Erfahrung von vorn an wieder durchmachen , ehe er klug wird . Dann , wenn ' s zu spät ist , kommen die Tränen - die Selbstanklagen - wenn ' s zu spät ist . « Der Hauptmann war während der letzten Worte stehen geblieben , seinem Schreibtische gegenüber . Sein Blick war auf das Bild darüber gerichtet . Die verwitterten Züge des Mannes nahmen für einen Augenblick einen tief schmerzlichen Ausdruck an . Mit einer Handbewegung schien er das alles von sich schleudern zu wollen . Dann setzte er seinen Rundgang fort . » Ja , was soll denn nun werden , Büttner ? « » Wenn der Herr Hauptmann keinen Rat wissen « ... » Wenn Ihr Vater damals vernünftig gewesen wäre , als ich ihn aufsuchte ; damals war er noch frei , da hätten wir einen Handel abschließen können . Aber jetzt , wo ihn der Jude bereits im Sacke hat ! - Mein Graf würde mich schön auslachen , wenn ich ihm mit dem Ansinnen käme , das Büttnersche Gut freihändig zu erstehen . Es ist ja nicht die Schulden wert , die drauf sind . Wir brauchen ja nur die Subhastation abzuwarten ; denn dazu kommt ' s ja doch schließlich . Wollen wir ' s