glaubt , sich über mich und meine Neigung zu mokieren . Und eben er , er mir vis-à-vis in der Loge , sichrer und süffisanter denn je zuvor , und neben ihm meine vergötterte Cécile , lachend und heiter hinter ihrem Fächer und sich ihm zubeugend , als könne sie ' s nicht abwarten , immer mehr von seinen Frivolitäten einzusaugen , von all dem süßen Gift , darin er Meister ist . Ach , Cécile , meine Resignation war aufrichtig und ehrlich , ich schwör es Ihnen ; ich kam nicht wieder , um Ihre Ruhe zu stören , aber einen andern bevorzugt sehen und so , so , das war mehr , als ich ertragen konnte . Das war zuviel . « All das wurde gesprochen , während beide heftig erregt über den Teppich hinschritten ; das Flämmchen unter dem Wasserkessel brannte weiter , und der Dampf stieg in kleinen Säulen zwischen den beiden Bronzelampen in die Höh . Alles war Frieden um sie her , und Cécile nahm jetzt seine Hand und sagte : » Setzen wir uns , vielleicht daß wir dann ruhigere Worte finden ... Sie suchen es alles an der falschen Stelle . Nicht meine Haltung im Theater ist schuld und nicht mein Lachen oder mein Fächer , und am wenigsten der arme Geheimrat , der mich amüsiert , aber mir ungefährlich ist , ach , daß Sie wüßten , wie sehr . Nein , mein Freund , was schuld ist an Ihrer Eifersucht oder doch zum mindesten an der allem Herkömmlichen hohnsprechenden Form , in die Sie Ihre Eifersucht kleiden , das ist ein andres . Sie sind nicht eifersüchtig aus Eifersucht : Eifersucht ist etwas Verbindliches , Eifersucht schmeichelt uns , Sie aber sind eifersüchtig aus Überheblichkeit und Sittenrichterei . Da liegt es . Sie haben eines schönen Tages die Lebensgeschichte des armen Fräuleins von Zacha gehört , und diese Lebensgeschichte können Sie nicht mehr vergessen . Sie schweigen , und ich sehe daraus , daß ich ' s getroffen habe . Nun , diese Lebensgeschichte , so wenigstens glauben Sie , gibt Ihnen ein Anrecht auf einen freieren Ton , ein Anrecht auf Forderungen und Rücksichtslosigkeiten und hat Sie veranlaßt , an diesem Abend einen doppelten Einbruch zu versuchen : jetzt in meinen Salon und schon vorher in meine Loge ... Nein , unterbrechen Sie mich nicht ... ich will alles sagen , auch das Schlimmste . Nun denn , die Gesellschaft hat mich in den Bann getan , ich seh es und fühl es , und so leb ich denn von der Gnade derer , die meinem Hause die Ehre antun . Und jeden Tag kann diese Gnade zurückgezogen werden , selbst von Leuten wie Rossow und der Baronin . Ich habe nicht den Anspruch , den andre haben . Ich will ihn aber wieder haben , und als ich , auch ein unvergeßlicher Tag , heimlich und voll Entsetzen in das Haus schlich , wo der erschossene Dzialinski lag und mich mit seinen Totenaugen ansah , als ob er sagen wollte : Du bist schuld , da hab ich ' s mir in meine Seele hineingeschworen , nun , Sie wissen , was . Und ob ich in der Welt Eitelkeiten stecke , heut und immerdar , eines dank ich der neuen Lehre : das Gefühl der Pflicht . Und wo dies Gefühl ist , ist auch die Kraft . Und nun sprechen Sie ; jetzt will ich hören . Aber sagen Sie mir Freundliches , das mich tröstet und versöhnt und mich wieder an Ihr gutes Herz und Ihre gute Gesinnung glauben macht und mir Ihr Bild wiederherstellt . Sprechen Sie ... « Gordon sah vor sich hin , und um seinen Mund war ein Zucken und Zittern , als ob die Worte , die sie so warm und wahr gesprochen , doch eines Eindrucks auf ihn nicht verfehlt hätten . Aber im selben Augenblicke trat das Bild wieder vor seine Seele , davon er , vor wenig Stunden erst , Zeuge gewesen war , und verletzt in seiner Eitelkeit , gequält von dem Gedanken , ein bloßes Spielzeug in Weiberhänden , ein Opfer alleralltäglichster List und Laune zu sein , fiel er in sein kaum beschwichtigtes Mißtrauen und , schlimmer , in den Ton bittren Spottes zurück . » Sie sind so beredt , Cécile « , sprach er vor sich hin . » Ich wußte nicht , daß Sie so gut zu sprechen verstehen . « » Und doch ist es nicht lange , seit ich Ihnen Ähnliches und mit gleicher Eindringlichkeit sagen mußte . Schlimm genug , daß mir Ihr Wiedererscheinen eine Wiederholung nicht ersparte . Was Sie Beredsamkeit nennen , nenn ich einfach ein Herz . « » Und ich habe diesem Herzen geglaubt ! « » Sie haben ihm geglaubt . Also in diesem Augenblicke nicht mehr ! Und was glauben Sie jetzt ? Was glauben Sie noch ? « » Daß wir uns beide getäuscht haben ... Wir bleiben unsrer Natur treu , das ist unsre einzige Treue ... Sie gehören dem Augenblick an und wechseln mit ihm . Und wer den Augenblick hat ... « Er brach ab , verbeugte sich und verließ das Zimmer , ohne weiter ein Wort des Abschieds oder der Versöhnung gesprochen zu haben . Im Vorzimmer schoß er , mit allen Zeichen äußerster Erregung , an Dörffel vorüber , der einen Augenblick später in den Salon eintrat . Als Cécile seiner ansichtig wurde , stürzte sie dem väterlichen Freund entgegen und beschwor ihn unter Tränen um seinen Beistand und seine Hülfe . Siebenundzwanzigstes Kapitel Cécile kam spät zum Frühstück , und St. Arnaud , das Zeitungsblatt aus der Hand legend , sah auf den ersten Blick , daß sie wenig geschlafen und viel geweint hatte . Sie begrüßten sich und wechselten dann einige gleichgiltige Worte . Gleich danach nahm St. Arnaud die Zeitung wieder auf und schien lesen zu wollen . Aber er kam nicht weit