Gottes Namen sofort zu mir - ich bleibe bis Ende April in Czernowitz . Aber es scheint mir , wie gesagt , für Dich vorteilhafter , wenn Du erst im Januar , also nach einem Jahr , zu mir kommst . Noch eins ! Bis Du meine Bücher ganz genau durchgelesen hast und verstehst , mußt Du das Lesen in der Bibliothek bleiben lassen - dann magst Du Schiller oder Lessing lesen , aber nicht Goethe oder Shakespeare . Leb ' wohl , bleib ' fröhlich , Gott schütze Dich , und ich werde Dich nie verlassen . Brauchst Du Geld , sei es zur Reise oder weil es Dir zu schlecht geht , so schreib ' mir ; ich hab ' selbst nicht viel , aber es wird schon für uns beide reichen . « Sender las den Brief wohl an die zehn Male , seine Augen feuchteten sich , so oft er an den Schluß kam . » Der gute Mensch « , murmelte er , » der gute Mensch ! ... Natürlich will ich ihm in allem gehorchen , es ist ja bitter , daß ich noch hier bleiben muß , aber er weiß , warum ! « Als Fedko erschien , nahm Sender Abschied von ihm . » Vielleicht komme ich in den nächsten Monaten wieder « , versprach er . Aber der freundliche Greis schüttelte traurig den Kopf . » Es ist aus « , sagte er , » für immer aus . Ich habe ja gewußt , es wird so kommen . Daß du täglich so bitter frierst und ich dafür Slibowitz trinke - es war mir immer wie ein schöner Traum , und ein Traum kann nicht ewig dauern . Nun kommt wieder der gemeine Schnaps , wo ich drei Fläschchen trinken muß , bis mein Herz heiter wird - und den muß ich mir obendrein selbst bezahlen . Aber das ist der Welt Lauf ! Leb ' wohl , Senderko ! « Vierzehntes Kapitel » Euer Hochwohlgeboren ! In umgehender Erwiderung Ihres Werten vom 30. Januar beehre ich mich ganz ergebenst mitzuteilen , daß Ihnen Gott soll Glück geben und Segen und langes Leben , und soll Ihnen vergelten , was Sie an mir armem Menschen tun ! Es war mir sehr angenehm , aus Hochdero Zuschrift zu ersehen , daß sich Euer Hochwohlgeboren in erwünschtem Wohlsein befinden , und ich möcht wissen , ob Sie gesund sind und ob die Czernowitzer wenigstens die paar Wochen viel ins Theater gehen , denn der Herr Wohltäter hat ja leider kein Wort über sich geschrieben und über die Frau und die Geschäfte . Auch war ich sehr erfreut , daraus zu entnehmen , daß Hochdero Unternehmungen guten Fortgang nehmen , und der Herr Nadler braucht sich nichts daraus zu machen , denn für die Czernowitzer ist es eine Schand ' , daß er dort nicht den ganzen Winter sein kann , aber nicht für ihn . Euer Hochwohlgeboren gefällige Sendung habe gleichzeitig erhalten und beehre mich für die prompte Ausführung meiner Aufträge meinen Dank zu sagen ; aufgegebenen Gegenwert habe Ihnen bestens gebucht . Lieber Herr Wohltäter , ich hab ja lang auf den Brief warten müssen , aber ich hab gewußt , der gute Mensch verläßt mich nicht , und wie ich alles gelesen hab und die Bücher durchgeschaut , hab ich geweint vor Freude . Gott muß es lohnen ; wie soll ich es je vergelten , außer daß ich als Schauspieler bei Ihnen bleiben werd , so lang Sie wollen und für jeden Lohn spielen , auch für zehn Kreuzer täglich - auf Ehre ! An geschäftlichen Nachrichten vom hiesigen Platze , die Euer Hochwohlgeboren interessieren dürften , beeile ich mich zunächst zu Hochdero Kenntnis zu bringen , daß ich gottlob Reb Mortches Chaje nicht zu heiraten brauch , und eine andere , scheint es , hat Reb Itzig noch nicht gefunden , aber wenn ja , so werd ich schon machen , daß sie mich auch nicht nimmt . Im Kloster hab ich viel gelesen , zuerst von Lessing , dann von A bis Albigenser , aber der Herr Wohltäter hat recht , wenig hab ich verstanden , und ich weiß gar nicht , was Philotas will . Übrigens ist das Lexikon nicht so schlecht , wie ich geglaubt hab , denn jetzt seh ich aus Hochdero Zuschrift den Namen von dem englischen Dichter und bisher hab ich geglaubt , daß er Scheckspier geheißen hat , denn so hat es mir der arme Wild gesagt , er hat es - der Arme - selbst nicht richtig gewußt . Alles soll geschehen , wie der Herr Wohltäter mir schreibt , denn Sie sind mein Moses , aber ich werd Ihnen gehorsamer sein , als unsere Väter in der Wüste ihm waren , und erst im nächsten Winter komm ich zu Ihnen und jede Zeile in jedem Buch werd ich dann auswendig wissen - Sie können mich prüfen ! Was Euer Hochwohlgeboren gefällige Offerte betrifft , so hat es Ihr Engel im Buch Ihres Lebens eingeschrieben , was Sie , trotz Ihrer eigenen Sorgen für einen fremden Menschen , den Sie einmal im Leben gesehen haben , tun wollen . Aber es ist nicht nötig , lieber Herr Wohltäter , weil mir Klein-Jossele , was mein Meister ist , jetzt monatlich einen Gulden Lohn gibt , und was die Reise betrifft , das ist meine letzte Sorge - wenn ich erst so weit wär ! Denn es fährt kein Fuhrmann zwischen hier und Czernowitz , und es sitzt kein Schänker am Weg , der nicht den Pojaz kennt . Nur in Czernowitz kennt mich niemand , aber das wird schon anders werden , und Sie werden Ehre mit mir einlegen - Sie werden schon sehen ! Ich weiß nicht , was ich besser machen werd , ob lustige Leut , ob traurige Leut , aber beide werd ich sehr gut machen , da können sich der Herr Wohltäter darauf verlassen . Nur