und wie das alte , unbrauchbare Fahrzeug auf Strand gesetzt und zu Brennholz zerschlagen worden war . Es schien , als ob sich in diesen abgehärteten Verbrechern doch noch der Funke einer alten warmen Menschlichkeit regte , als sie diesen halbverhungerten , durch ihre Schuld zum Gerippe abgemagerten und dem Tode überlieferten Jungen vor sich sahen . Sie dachten vielleicht an ihre eigene schuldlose Jugend , an den langen Weg der Verbrechen , an den ersten Fehltritt , der sie weiter geführt hatte auf abschüssiger Bahn , immer weiter bis zu Raub und Mord an wehrlosen Menschen . Leise rückte der eine die Decken , und leise glättete der andere das Haar über Roberts Stirn . Als man den Strand der größeren Insel erreicht hatte , trugen abwechselnd zwei Männer den Schwerkranken bis zu der hölzernen Hütte , die der Bande als Wohnsitz diente . Hier legten sie ihn auf ein gutes , weiches Lager und bedeckten seine Stirn mit kalten Umschlägen . Der Koch mußte außerdem einen schweißtreibenden Tee zubereiten , der dem Kranken eingeflößt wurde , so oft er Durst verspürte . Das war im ganzen wenig heilkünstlerischer Aufwand , aber vielleicht gerade deswegen drang die unverdorbene Natur des Jungen am ehesten wieder durch . Am neunten Tage kam endlich die Krisis , aus der Robert mit vollem Bewußtsein erwachte . Freilich war er so schwach , daß ihm die Lippen zitterten , und daß er kaum den Kopf drehen konnte , aber dennoch streifte sein Blick mit grenzenlosem Erstaunen die Umgebung . Fenster aus Glas , Türen mit Schlössern , eine wohleingerichtete Küche mit blankem Geschirr , rauchende , spielende Männer um einen Tisch versammelt , und darauf die Überreste einer leckeren Abendmahlzeit , - so sah er zum erstenmal das Innere der Hütte . Hätten nicht wehende Baumzweige in die offenen Fenster einen Gruß hereingenickt , hätten nicht mehrere Nebengebäude und eine Anzahl großer Hunde das Gegenteil bezeugt , so würde Robert geglaubt haben , daß er sich noch an Bord der Antje Marie befinde , daß alles , was dazwischen lag , nur ein schrecklicher , beängstigender Traum gewesen sei . Er versuchte sich der letzten Ereignisse deutlich zu erinnern , aber das ermattete Gehirn vertrug noch keine Anstrengung ; er schlief nach wenigen Minuten wieder ein . Als Robert am folgenden Morgen wieder erwachte , fühlte er sich kräftig genug , eine leise , kaum verständliche Frage zu stellen : » Wo bin ich ? « Zwei der Bukanier , die gerade im Zimmer waren , wandten sich zu ihm . » Gut Freund , Kamerad « , antwortete einer . » Lieg du nur still und erhole dich , armer Kerl . « Das konnte Robert zwar nicht verstehen , da es in spanischer Sprache gesagt worden war , aber der Ton beruhigte ihn . Man hatte auf seine Fragen freundlich geantwortet , das hörte er wohl . Der Koch brachte ihm ein reichliches Frühstück aus gekochten Fischen , Früchten , Reis und Braten , aber Robert konnte natürlich davon so gut wie gar nichts essen , er war auch zu gespannt auf eine Erklärung , wie er hierher gekommen sei , als daß er an irgend etwas anderes hätte denken mögen . Die Männer , die ihn umgaben , erkannte er auf den ersten Blick als die Räuber der Antje Marie und die Mörder seiner Kameraden ; aber wie hatten sie ihn aufgefunden , und warum war nicht auch er getötet worden ? Der Bukanier stellte noch verschiedene Fragen , die Robert weder verstand , noch beantworten konnte ; auch Rafaele , der Anführer der Bande , kam und überzeugte sich , daß sein Gast der spanischen Sprache vollkommen unkundig sei , - am folgenden Tage aber erschien er wieder in Begleitung mehrerer anderer , unter denen einer das Deutsche so halb und halb radebrechen konnte . Jetzt begann ein regelrechtes Verhör , in dessen Verlauf Robert wohl fühlte , daß nur seine eigene Vorsicht und Klugheit ihm das Leben retten konnte . Sechs von diesen wildaussehenden , bewaffneten und schwarzbärtigen Flibustiern umstanden sein Lager und beobachteten ihn scharf , während er die gestellten Fragen beantwortete . » Wann hast du die Galliot verlassen ? « hieß es , » und weshalb ? « » Am Mittag « , antwortete Robert , » und auf Befehl des Kapitäns . Wir brachten Waren nach der Insel , wo drei von uns für einige Zeit bleiben sollten . Meine Kameraden ließen mich allein , um noch einmal zum Schiff zu fahren , aber sie kamen nicht zurück . Ich bitte Sie , sagen Sie mir , wo die Antje Marie jetzt liegt ? « Die Bukanier traten zusammen . Es entstand ein Murmeln und Beraten , bei dem auf Roberts Stirn der Schweiß in großen Tropfen perlte . Jetzt hing sein Leben an einem einzigen Haar , und obendrein fühlte er in der Nähe dieser Verbrecher eine wirkliche Furcht . So allein und schutzlos unter Mördern , ihrer Willkür preisgegeben , vielleicht mit der Aussicht , an einen Baum gebunden und erschossen zu werden oder als eine Art Sklave für immer hier auf der Insel bleiben zu müssen , - das war mehr als beängstigend . Die großen Bluthunde mit den lechzenden Zungen und den rotunterlaufenen Augen umstanden wie Höllenwächter sein Lager , und die Piraten sprachen noch immer lebhaft in spanischer Mundart . » Eine Kugel « , sagte der erste , » eine Kugel , Kameraden ; das macht die Sache kurz . « » Aber es ist ein unnötiges Blutvergießen , Danielo . Das Kind hat uns nichts getan , sein Tod bringt uns keinen Gewinn . « » Er kann uns verraten ! « » Er ahnt nichts , das hörst du ja . Wir sind Fischer , die ihren Erlaubnisschein von der Regierung gelöst haben . Jedermann weiß , daß wir hier wohnen , jedermann kennt die Strandgesetze , die das geborgene , dem Meer entrissene Gut den Bergern